Über die Kolumne

Im Sommer 2016 startete Patrick Egger als Außenverteidiger eines Südtiroler Amateurvereins in die neue Saison. Ein Jahr später hatte er „seinen“ SV Ulten zum Meistertitel und dem Aufstieg in die 1. Amateurliga geführt, nachdem er die Mannschaft sieben Spieltage vor Saisonende als Trainer übernommen hatte. Mittlerweile trainiert der 28-Jährige den SC St. Pankraz, einen Verein aus der 3. Amateurliga, der niedrigsten italienischen Spielklasse. Hier, in seiner Kolumne „Hart, härter, Amateurtrainer“, erzählt er uns von den Freuden und Problemen eines Amateurtrainers.

Teil 6

Bevor es an die Planung der neuen Saison ging, galt es, die alte würdig und gebührend abzuschließen. Und wo könnte man das besser als in Rimini! Fast das gesamte Meisterteam fuhr am Wochenende nach dem Saisonabschluss an die Adriaküste, um in der Partystadt ordentlich die Sau rauszulassen. Dieser Mannschaftsausflug Anfang Juni 2017 war der krönende Abschluss einer unvergesslichen Spielzeit und zugleich der Beginn einer neuen Zeitrechnung.
Für die Ultner Mannschaft hieß diese „1. Amateurliga“, während es für mich zum ASC St. Pankraz in die 3. Amateurliga ging. Ich sah das Ganze jedoch nicht als sportlichen Abstieg an. Zum einen überwiegte bei mir einfach die Freude, weiterhin als Trainer aktiv zu sein. Zum anderen hatte ich das Gefühl, meinem neuen Verein noch etwas schuldig zu sein. Denn der Wechsel zum ASC St. Pankraz war für mich eine Reise in die Vergangenheit, nachdem ich in der Saison 2011/12 als Spieler das blau-weiße Trikot getragen hatte. Damals waren wir als Mannschaft trotz eines konkurrenzfähigen Kaders leider weit unter unseren Möglichkeiten geblieben und beendeten die Spielzeit im Tabellenmittelfeld. Auch ich konnte die in mich gesetzten Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. Ich war nicht zuletzt aus diesem Grund voller Ehrgeiz und Tatendrang und wollte bei meinem zweiten Versuch in St. Pankraz schlicht und einfach mehr bewirken als bei meinem einjährigen Intermezzo vor fünf Jahren.
Zudem konnte ich auf die Unterstützung aus der eigenen Familie zählen, schließlich gehört mein älterer Bruder Manuel seit vielen Jahren zum Kader des SCP. Überhaupt scheint meine Familie ein Faible für blau-weiß zu haben, denn auch mein jüngerer Bruder Simon war in der Vergangenheit eine Saison lang für den Sportclub tätig. Und da war ja noch was: In der Spielzeit 1989/90, als ich gerade einmal ein Jahr alt war, war mein Vater Spielertrainer beim ASC St. Pankraz in der 3. Amateurliga. In den Gesprächen mit dem aktuellen SCP-Präsidenten flachsten wir oft darüber, dass er eigentlich nur noch meine Mutter als Putzfrau engagieren muss, um die Egger-Sammlung zu komplettieren…