Veli Kavlak sieht Licht am Ende des Tunnels

357 Profi-Spiele hat Veli Kavlak in seiner Profikarriere bisher absolviert. In den letzten zwei Jahren ist diese Bilanz arg ins Stocken gekommen. Zahlreiche Verletzungen bremsten den Österreicher aus. Kavlak war öfter in der Arztpraxis als auf dem Fußballfeld. Dabei war er auf dem Weg nach ganz oben.

Veli Kavlak: Der Geschundene

Besiktas ist im Achtelfinale der Champions League angekommen. Veli Kavlak nicht. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Vor drei Jahren ging es Veli Kavlak gut. Er war ein Fixpunkt in der österreichischen Nationalmannschaft und Kapitän bei seinem Klub Besiktas. Probleme mit der Schulter hatte er schon damals. Doch dass diese so ausarten, war nicht anzunehmen. 2008 zog sich der gebürtige Wiener eine Schulterluxation zu. Diese verheilte gut, Kavlak hatte keine Schmerzen. Vier Jahre später erwischte es ihn auf der anderen Seite. Eine Sehne im rechten Oberarm war eingerissen, die Leidenszeit begann.

Sechs Operationen in zwei Jahren

Kavlak wurde in München operiert, doch es gab Komplikationen. Anstatt seiner Mannschaft auf dem Platz helfen zu können, war er Stammgast in Kliniken. Die Ärzte konnten dem 31-fachen österreichischen Nationalspieler nicht helfen – im Gegenteil. Bei den Diagnosen wurde gepfuscht, Kavlak wurde zum Dauerpatient. Zwei Jahre lang ging das so. Zwischendurch dachte Kavlak ans Aufhören, doch dafür ist er zu viel Kämpfer. Im Winter 2017 startete er den ersten Comeback-Versuch. Zweimal lief er im türkischen Pokal für Besiktas auf. Dann kamen die Schmerzen zurück.
Bei Besiktas hatte man Kavlak zwischendurch für gesund erklärt. Seine Laufwerte waren gut, doch die Schulter war nach wie vor lädiert. Im Frühling 2017 kam schließlich der sechste operative Eingriff. Dieser war von Erfolg gekrönt, danach ging es bergauf. Dass in den letzten zwei Jahren viel schiefgelaufen ist, weiß auch Kavlak. Es gab Ärztepfusch, wie eine sinnfreie Bandscheiben-OP, viele Stunden in der Reha waren umsonst. Doch daran will der Mittelfeldspieler nicht mehr denken. Kavlak will zurück, wo er vor den Schulterproblemen war. Ins Rampenlicht.

Von Ottakring nach Istanbul

Besiktas ist nicht irgendein Klub. Besiktas ist Religion. Die Schwarz-Weißen sind 15-facher türkischer Meister, neunmal haben sie den Pokal geholt. Mittlerweile hat man sich auch in Europa etabliert. Die Gruppenphase in der Champions League wurde gewonnen, jetzt warten die Bayern im Achtelfinale. Dort wird Veli Kavlak nicht mit dabei sein. Überhaupt hat der ehemalige Jugendspieler von Rapid noch nie in der Champions League gespielt.

Veli Kavlak: Der Geschundene

Die Carsi, die Ultras von Besiktas, zählen zu den heißblütigsten überhaupt. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Das letzte Mal auf internationalem Boden stand er im März 2015. Damals spielte Besiktas im Achtelfinale der Europa League gegen Brügge und zog gegen die Belgier den Kürzeren.
Veli Kavlak ist in Wien groß geworden. Sein Vater lebt noch heute in der österreichischen Hauptstadt, viele seiner Freunde auch. Auf einem Bolzplatz in Ottakring hat der kleine Veli mit dem Fußballspielen begonnen. Nach dem Umzug nach Floridsdorf, wo er seinen Kumpel Marko Arnautović kennen lernte, begann er bei Rapid. Dort durchlief der die gesamte Jugend. Mit 16 gab Kavlak sein Profidebüt, mit 18 spielte er zum ersten Mal mit dem rot-weiß-roten Adler auf der Brust. Zu dieser Zeit war Kavlak noch regelmäßig auf den Wiener Bolzplätzen unterwegs. Vormittags Profitraining, nachmittags im Käfig. Rapid wusste nichts davon, sie hätten es ohnehin nicht erlaubt.

Geht es zurück nach Wien?

Nach zwei Meistertiteln mit Rapid wechselte er 2011 nach Istanbul. Die Türkei war ein logisches Ziel, Kavlak ist türkischer Abstammung. Bei Besiktas war er von Anfang an Stammspieler, zwischendurch sogar Kapitän. Ob er noch eine Zukunft bei den Türken hat, ist offen. Kavlak ist zurück im Mannschaftstraining, hat aber noch keine Spielerlaubnis von den Ärzten erhalten. Es ist unwahrscheinlich, dass Kavlak im Jänner noch bei Besiktas unter Vertrag steht. Zuletzt gab es Gerüchte aus der Türkei, dass mehrere kleinere türkische Klubs am ehemaligen ÖFB-Nationalspieler interessiert sind. Auch eine Rückkehr zu Rapid steht im Raum.
Das alles ist Kavlak im Moment egal. Für ihn zählt nur eines. Er will endlich wieder gesund sein und Fußball spielen. Wie damals in den Fußballkäfigen von Floridsdorf.