Warum Traditionsklub Modena nach schweren Wochen wieder Hoffnung schöpft

Heimspiele werden am Grünen Tisch verloren, Fans, die ihren eigenen Klub in einem Sarg zu Grabe tragen und ein Klubpräsident, der um sein Leben fürchten muss. Der Ex-Serie-A-Klub Modena ist in den letzten Wochen zu einer Farce geworden. Schuld an allem ist, wie so oft, das Geld!

28 Jahre lang war Modena ein fixer Bestandteil der höchsten italienischen Spielklasse. Zuletzt war der Traditionsklub aus der Emilia Romagna 2004 zu Gast in der Serie A. Nachdem Modena vor zwei Jahren in die Drittklassigkeit abgestiegen ist, steht der Klub jetzt vor dem Ruin. Hoffnung auf eine Rettung gibt es kaum noch. Stattdessen steht sogar die Frage im Raum, ob Modena noch in der Serie C überwintern kann. Der Spielbetrieb der Gelb-Blauen ist nämlich keinesfalls gesichert. Aldo Taddeo, dem neuen Besitzer des Klubs, stehen harte Tage bevor.

Heimspiele werden am Grünen Tisch verloren

Es ist eine höchst groteske Situation, die man in Modena zur Zeit vorfindet. Die letzten beiden Heimspiele gegen Mestre und Albinleffe, verlor Modena mit 0:3. Der Grund: Modena steht ohne Spielstätte da. Das heimische Braglia-Stadion darf der Klub seit dem Sommer nicht mehr betreten, weil die Miete von 6000 Euro pro Spiel nicht mehr bezahlt wurde. Die ersten zwei Heimspiele trug man noch in Forlì aus. Doch der italienische Fußballverband sieht vor, dass nur zwei Heimspiele in einem fremden Stadion ausgetragen werden dürfen – es sei denn, ein anderes Stadion wird als Heimstätte eingetragen. Weil das aber bis dato nicht passiert ist, kann Modena die Spiele nicht austragen und verliert die Heimspiele deshalb am Grünen Tisch.
Das wiederum hat zur Folge, dass dem Klub der Ausschluss aus der Liga droht. Das wäre nach der vierten Niederlage am Grünen Tisch so weit, so schreiben es zumindest die Verbandsbestimmungen vor. Sollte sich an der Heimatlosigkeit des zweifachen Serie-B-Meisters also nichts ändern, dann ist die Saison für Modena Ende Oktober vorbei.

Präsident Caliendo fürchtet um sein Leben

Es war der Abend des 3. Oktober, als Modena-Präsident Antonio Caliendo einen Anruf bekam. Vor dem Klubsitz hätte sich eine vermummte Menge zusammengerottet, die zudem mit Eisenstangen bewaffnet sei. Zusammen mit einem Mitarbeiter verriegelte der ehemalige Spielerberater, der unter anderem Davide Trezeguet und Roberto Baggio unter seinen Fittichen hatte, die Tür mit einem Schrank und floh durch den Hintereingang. Später gab er für die Medien zu Protokoll, dass es 30 bis 40 Angreifer gewesen seien und er sich um sein Leben gefürchtet hätte. Zuvor hatte Caliendo mit dem Architekten Carmelo Salerno um einen Verkauf des angeschlagenen Klubs verhandelt, doch der Deal scheiterte. Für die Fans ein Schlag ins Gesicht, immerhin zogen sich die Verhandlungen mit Salerno über Monate hinweg. Die Modena-Fans hatten bereits zuvor mehrmals mit verschiedenen Protestaktionen auf sich Aufmerksam gemacht. Unter anderem wurde der Klub in einem gelb-blauen Sarg symbolisch zu Grabe getragen.

Gelingt Neu-Besitzer Taddeo die Rettung?

Nur wenige Tage nach dem versuchten Angriff auf Präsident Caliendo fand sich doch noch ein Käufer für den Klub. Aldo Taddeo, der zuvor den Viertligisten Varese geführt hatte, übernahm den Verein und soll jetzt ein neues Modena aufbauen. Einfach wird das nicht, zumal die Zeit drängt und die Zweifel an Taddeo groß sind. Zumindest, und das ist schon ein Fortschritt gegenüber den vergangenen Wochen, ist in Modena die Hoffnung auf eine Zukunft zurück. Am Mittwoch, den 8. November 2017, steht das Match zwischen Modena und Bassano auf dem Programm. Vorgesehen ist es, dass das Spiel um 14.30 Uhr im Braglia-Stadion angepfiffen wird. Spätestens dann wird man sehen, ob es Taddeo ernst meint mit der Rettung des Traditionsklubs. Dafür braucht es aber viel Engagement und Geld – oder wie es der verhasste Ex-Präsident Caliendo ausdrückte: „Ich hoffe, mein Nachfolger hat mehr Glück als ich.“