Die große Vorschau auf die Skisprung-Saison 2017/18

Keine andere Sportart ist so kurzlebig wie das Skispringen. Es gibt kaum Springer, die sich mehr als ein paar Jahre an der Weltspitze halten können. Das hat zur Folge, dass vor jeder Saison alles bei null beginnt. Das ist auch heuer so, zumal die Dichte an der Weltspitze enorm ist.

Skispringen: Alles auf null

Stefan Kraft ist das neue Idol der österreichischen Skisprung-Fans. Schafft er heuer erneut den großen Coup? (Foto: Harald Kanins/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Vor 12 Jahren schaffte Janne Ahonen das Kunststück, den Weltcup-Gesamtsieg zu verteidigen. Seitdem ist das keinem Skispringer mehr gelungen. Langweilig wird es beim Skispringen also nie. Auch, weil es in den letzten acht Jahren immer einen anderen Gesamtweltcup-Sieger gegeben hat. Im Vorjahr hat der Österreicher Stefan Kraft die große Kristallkugel gewonnen. Er wird auch heuer der große Gejagte sein. Allerdings ist die Konkurrenz groß und die Titelsammlung von Kraft ist noch bei weitem nicht vollständig. Zwei Titel fehlen dem 24-jährigen Salzburger noch: die Vierschanzentournee und der Olympiasieg.

Wer sind heuer die großen Favoriten?

Hatten die Österreicher in den vergangen Jahren stets viele Siegspringer, ist es mittlerweile nur noch einer. Stefan Kraft muss auch heuer die rot-weiß-rote Fahne hochhalten. Mit Michael Hayböck und Manuel Fettner gibt es zwar noch zwei sehr gute Springer, doch dauerhaft oben festsetzen werden sie sich nicht. Beim erst 18-jährigen Domen Prevc sieht die Sache ein bisschen anders aus. Der Senkrechtstarter der vergangenen Saison will sich heuer endgültig im Weltcup etablieren. Das hat sein Bruder Peter bereits hinter sich. Der Slowene war vor zwei Jahren die dominante Figur im Weltcup und sicherte sich neben dem Gesamtweltcup auch die Vierschanzentournee. Im letzten Jahr kam Peter Prevc weniger zum Zug. Am Ende landete er nur auf Platz 9 der Weltcup-Gesamtwertung und musste damit sogar seinem jüngeren Bruder Domen (Platz 6) den Vortritt lassen. Übrigens: Mit Cene Prevc springt auch der dritte der Prevc-Brüder im Weltcup.

Skispringen: Alles auf null

Er war der Newcomer der vergangenen Saison: Domen Prevc. (Foto: Christian Bier/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Ein wichtiges Wörtchen mitreden wollen auch die Norweger. Die haben mit Daniel Andre Tande einen der großen Favoriten auf den Weltcup-Gesamtsieg in ihren Reihen. Auch Andreas Stjernen und Robert Johansson sind immer für eine Überraschung gut. Interessant wird es sein, wie sich Johann Andrè Forfang schlägt. Der 22-Jährige bringt ein unglaubliches Potenzial mit, konnte sich bisher aber noch nicht in der Weltspitze etablieren. Der größte Pechvogel kommt ebenfalls aus dem norwegischen Team. Kenneth Gangnes hat Weltklasse-Format, wird aber die heurige Saison erneut verpassen. Nachdem er sich nach einem im Vorjahr erlittenen Kreuzbandriss zurück gekämpft hatte, verletzte er sich Anfang November erneut am Knie. Es war der vierte Kreuzbandriss in seiner Karriere.
Last but not least, die Polen. An kaum einem anderen Ort ist die Begeisterung für das Skispringen so groß, wie in dem osteuropäischen Land. Spätestens seit Adam Malysz weiß man, dass die Polen auch hervorragende Skispringer sind. Aktuell stellen das Kamil Stoch (im Vorjahr Gesamtzweiter) und Maicej Kot (letzte Saison Gesamtfünfter) unter Beweis. Außenseiterchancen auf den Gesamtsieg haben die Deutschen Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler.

Faszination Vierschanzentournee

Im gesamten Wintersport-Zirkus gibt es keine andere Tour, die eine derartige Faszination ausübt wie die Vierschanzentournee. Das liegt auch daran, dass es bei der Vierschanzentournee einen eigenen Modus gibt. Dort wird nämlich im ersten Durchgang im K.o.-Modus gesprungen. Das gibt es nur bei der Tournee, ansonsten werden die üblichen zwei Durchgänge ausgetragen. Wie beim Ski alpin qualifizieren sich die 30 besten Athleten aus dem ersten Durchgang für den zweiten Sprung.

Skispringen: Alles auf null

Das Vorjahres-Podest der Vierschanzentournee: Piotr Zyla, Kamil Stoch und Daniel Andrè Tande. (Foto: Ailura/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Rekordsieger der Vierschanzentournee ist Janne Ahonen. Der 40-Jährige Finne, der im Vorjahr sein x-tes Comeback im Weltcup gegeben hat, hat gleich fünf goldene Adler zuhause stehen. Das ist einer mehr als der Deutsche Jens Weißflog, der die Tournee viermal gewonnen hat. Im letzten Jahr standen zwei Polen ganz oben: Kamil Stoch und Piotr Zyla. Wer die großen Favoriten bei der Vierschanzentournee 2017/18 sind, ist schwer abzuschätzen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich die jungen Springer schwer tun, ihr Potenzial während dieser vier Springen konstant abzurufen. Das musste auch Domen Prevc im Vorjahr einsehen. Vor der Vierschanzentournee, die im übrigen Weltcup-Punkte bringt, lag er mit fast 200 Punkten in Führung. Danach waren es nur noch neun.

Wer könnte die Überraschung der Saison werden?

Dawid Kubacki. Der Pole fiel schon in den letzten Jahren als guter Skispringer auf. Auf das Podest hat er es dennoch noch nie geschafft. Heuer könnte es aber soweit sein. Bei den Sommer-GP’s war Kubacki überragend und heimste fünf Siege ein. Man darf gespannt sein, ob er diese Leistungen auf Schnee wiederholen kann. Das Potenzial dafür bringt der 27-Jährige allemal mit. Auch auf den Russen Jewgeni Klimow darf man gespannt sein. Der ehemalige Nordische Kombinierer kommt immer besser in Schuss und zeigte mit Platz 3 auf dem Innsbrucker Bergisel, wozu er fähig ist.

Worauf darf man sonst noch gespannt sein?

Alle warten gespannt auf das Comeback von Gregor Schlierenzauer. Der Österreicher stand im Weltcup bereits 53-mal ganz oben, ist Weltmeister und Olympiasieger. In den letzten Jahren hatte der 27-jährige Tiroler allerdings mit Verletzungen zu kämpfen. Zudem fiel er in ein tiefes mentales Loch und hatte mit dem Burn-out-Syndrom zu kämpfen. Es ist ihm zuzutrauen, dass er den Anschluss an die Weltspitze schnell wieder findet.

Skispringen: Alles auf null

Zurück auf dem Weg zur Weltspitze: der österreichische Superstar Gregor Schlierenzauer. (Foto: Clèment Bucco Lechet/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Gespannt darf man auch auf den japanischen Oldie Noriaki Kasai sein. Der 45-Jährige ist ein Ausnahmekönner und beweist, dass man auch im fortgeschrittenem Sportleralter noch erfolgreich sein kann. Im März 2017 stand Kasai beim Skifliegen in Vikersundbakken zum letzten Mal auf dem Podest.
Neben den olympischen Winterspielen in Südkorea (vom 9. bis 25. Februar 2018) gibt es für die Skispringer noch ein zweites Großereignis. Vom 18. bis 21. Jänner findet in Oberstdorf die Skiflug-Weltmeisterschaft statt. Vor allem der Slowene Robert Kranjec wird sich darauf freuen. Der gilt als absoluter Skiflug-Spezialist und hat sechs seiner sieben Weltcupsiege auf einer Skiflugschanze gefeiert. Übrigens: Skifliegen ist nicht Skispringen! Während die Sprungschanzen meistens auf einem Turm stehen, werden die Flugschanzen direkt in das Gelände gebaut. Zudem ist beim Skifliegen der Anlauf länger, die Geschwindigkeit und die Flugweiten sind höher, die Aeordynamik wichtiger. Den aktuellen Skiflug-Weltrekord hält Stefan Kraft. Er landete im schwedischen Vikersund erst nach 253,5 Metern.