Kann Schweden in den Play-offs gegen Italien bestehen?

Schweden ist bekannt für Elche, Ikea und Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren. Auch in Sachen Sport sind die Skandinavier seit jeher bei den Besten dabei, vor allem wenn dieser auf Schnee oder Eis ausgeführt wird. Mit Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Henrik Larsson wurde Schweden zu einer Fußballnation. Die beiden sind mittlerweile nicht mehr in der Nationalelf dabei, doch Schweden hat ein großes Ziel vor Augen: Die WM 2018 in Russland.

Schweden: Nach Zlatan kam das Kollektiv

Mit Henrik Larsson, Freddie Ljungberg und Olof Mellberg bestritt Schweden 2006 die bisher letzte WM-Teilnahme. (Foto: Ricardo Alvarez/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Wenn man einen Italiener am Tag der Auslosung für die WM-Play-offs gefragt hätte, wen er sich als Gegner wünschen würde, dann wäre ein Name äußerst selten gefallen: Schweden. Das Drei-Kronen-Team ist neben Kroatien der unangenehmste Gegner, den man hätte erwischen können.
Warum das so ist? Die aktuelle Stärke Schwedens basiert auf der mannschaftlichen Geschlossenheit. Nach dem Rücktritt von Ibrahimovic im Juni 2016 war von einer großen Lücke die Rede, die nicht so schnell zu schließen ist. Die Mannschaft hat den qualitativen Verlust ihres Superstars aber gemeinsam aufgefangen und gezeigt, dass sie auch ohne den großen Zlatan absolut konkurrenzfähig ist.

Ein Mann, eine Nation, ein Zlatan

Das schwedische Fußballerherz lechzt danach, endlich wieder bei einer WM dabei zu sein. Bei den letzten beiden Versuchen ist die Mannschaft jeweils in der Qualifikation gescheitert. Das letzte WM-Endrundenspiel bestritt die schwedische Nationalelf am 24. Juni 2006. Damals gab es im Achtelfinale gegen Gastgeber Deutschland eine 0:2-Niederlage.

Schweden: Nach Zlatan kommt das Kollektiv

Zlatan Ibrahimovic ist aus der Nationalelf zurückgetreten. Sollte es mit der WM 2018 klappen, könnte er sein Comeback geben. (Foto: Mohen/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Heute, elf Jahre danach hat sich in Schweden einiges verändert. Langzeittrainer Erik Hamrén, der von 2009 bis 2016 im Amt war, gab bereits nach der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 bekannt, dass nach der Endrunde Schluss sei. Sein Mannschaftskapitän Zlatan Ibrahimovic tat es ihm gleich. Mit den Worten „Schweden auf seine Art, zu seinem Land gemacht zu haben“, gab Ibrahimovic seinen Rücktritt bekannt.
Die Nationalmannschaft ohne Ibrahimovic? Lange undenkbar, plötzlich Realität. Er war es, auf den das gesamte schwedische System ausgelegt war. Mehr als nach den besten elf Spielern zu suchen, orientierte sich Hamrén danach, wer am besten mit seinem Superstar harmoniert. In 116 Länderspielen erzielte Ibrahimovic 62 Tore. Dies hat dazu geführt, dass die Mannschaft in den letzten Jahren häufig nur auf Zlatan beschränkt wurde. Dabei haben sich in seinem Schatten längst hochtalentierte Nachwuchsleute entwickelt.

„Ich komme aus diesem Ort, den die Leute `Ghetto Rosengård´ nennen. Ich eroberte Schweden und machte es zu meinem Land. Auf meine Weise. Ich bin Schweden.“

Zlatan Ibrahimovic nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Es mag zwar keiner dabei sein, der mit dem Talent von Ibrahimovic ausgestattet ist, dennoch trauen die Schweden ihrer Mannschaft einiges zu. Bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage der größten schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ hat sich ein Großteil der Bevölkerung gegen ein Ibrahimovic-Comeback bei einer möglichen WM-Teilnahme ausgesprochen. Mehrere schwedische Nationalspieler, darunter Celta Vigos John Guidetti hatten den Vorschlag ins Gespräch gebracht. Damit es aber überhaupt zu einer WM-Teilnahme in Russland kommt, muss Schweden einen richtig dicken Brocken aus dem Weg räumen: Italien.
Gegen den vierfachen Weltmeister kann man beweisen, was in der Mannschaft steckt. Der aktuelle Nationalcoach Janne Andersson ist sich sicher: „Schweden kann jedes Team der Welt schlagen“. Eine ziemlich selbstbewusste Kampfansage, die jedoch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, wenn man einen Blick auf die WM-Qualifikation wirft.

WM-Quali: Ein ständiges Auf und Ab

In der Gruppe A, einer sogenannten Todesgruppe, konnte man die kriselnde Niederlande hinter sich lassen. Das ist ein Erfolg, den den Skandinaviern nur die wenigsten zugetraut hätten. Auffällig war dabei, dass man sich gegen die großen Mannschaften leichter tat, als gegen die vermeintlich leichteren Gegner wie Bulgarien oder Luxemburg (im Hinspiel). Den größten Coup landete Schweden am 6. Spieltag, als man Frankreich mit 2:1 in die Schranken wies. Dabei profitierte man zwar von einem groben Patzer von Frankreich-Keeper Hugo Lloris, doch das Potenzial der Schweden blitzte ordentlich auf.
Dass man dieses Niveau nicht dauerhaft halten kann, ist das größte Problem der Schweden. Das bewies die 2:3-Niederlage in Sofia. Als ob ein verschossener Elfmeter von Leipzigs Emil Forsberg nicht schon genug wäre, deckten die Bulgaren die Defensivschwäche der Skandinavier schonungslos auf. Mit dem 23-jährigen Innenverteidiger Victor Lindelöf von Manchester United spielt nur einer der vier Stammverteidiger regelmäßig auf allerhöchstem Niveau. Allerdings ist Lindelöf unter Trainer Josè Mourinho mehr Mitläufer als Leistungsträger. Vor allem bei hohen Bällen ist die Innenverteidigung, die von Krasnodar-Legionär und Kapitän Andreas Granqvist komplettiert wird, anfällig. Das wird den kopfballstarken Italienern nicht verborgen geblieben sein.

Der schwedische Fußball: Simpel aber effektiv

Schweden: Nach Zlatan kommt das Kollektiv

Emil Forsberg von RasenBallsport Leipzig soll für die kreativen Momente in der Schweden-Offensive sorgen. (Foto: Mohen/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Schweden spielt seit Jahren in einem 4-4-2-Grundsystem. Dieses wird auch unter dem neuen Nationaltrainer Janne Andersson so praktiziert. Im Mittelfeld ist Albin Ekdal, der eine Italien-Vergangenheit bei Juventus, Cagliari und Bologna hat, gesetzt. Neben ihm kommen entweder AEK-Legionär Jakob Johansson oder Routinier Sebastian Larsson zum Einsatz. Für die nötige Kreativität in der Offensive soll der Leipziger Emil Forsberg sorgen, der gemeinsam mit Jimmy Durmaz für die überraschenden Momente verantwortlich ist. Es ist bitter für Schweden, dass Durmaz die beiden Spiele gegen Italien verletzungsbedingt verpassen wird. So sind die Geistesblitze von Forsberg, der sich zuletzt in guter Form zeigte, noch mehr gefragt als sonst. An vorderster Front soll Marcus Berg, der mittlerweile bei Al-Ain spielt, für Torgefahr sorgen. Er mag zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen sein, zum alten Eisen gehört er aber noch lange nicht. Das stellte er in der WM-Quali eindrucksvoll unter Beweis. Mit acht Toren und drei Vorlagen war er erfolgreichster Scorer der Schweden. Gemeinsam mit seinem Sturmpartner (das ist entweder Ola Toivonen oder Guidetti) wird er versuchen, das italienische Bollwerk um Keeper Gianluigi Buffon zu knacken. Zugegeben, es gibt leichtere Aufgaben, aber was ist im Fußball schon unmöglich?

Fazit

Qualitativ kann Schweden der Squadra Azzurra nicht das Wasser reichen. Die Skandinavier haben aber gezeigt, dass sie vor allem gegen höher eingeschätzte Gegner an ihr Leistungs-Maximum gehen können. Gelingt es, die löchrige Abwehr zu stabilisieren, dann ist es möglich, dass Italien erstmals seit 1958 nicht zu einer WM-Endrunde fährt.