Die bewegende Lebensgeschichte eines jungen Profifußballers

Am 14. April 2012 kommt es in Pescara zur Tragödie. Livorno-Spieler Piermario Morosini bricht auf dem Spielfeld zusammen und stirbt. Es war das Ende eines bewegenden Lebens. Die Geschichte eines Helden.

Es ist der 21. April 2012. Vicenza trifft in einem Serie-B-Match zuhause auf Sampdoria. Auf der Tribüne hängt ein Banner mit der Aufschrift: „Moro, esempio di vita per tutti di noi“. Das Spruchband der rot-weißen Fans ist ihrem ehemaligen Spieler Piermario Morosini gewidmet. Er hat 81 Spiele für Vicenza bestritten. Eine Woche zuvor war Morosini gestorben. Der Mittelfeldspieler von Livorno brach im Meisterschaftsspiel gegen Pescara auf dem Feld zusammen. Kurze Zeit später verstarb er im Krankenhaus.

Piermario Morosini: Der Kämpfer

„Du hast bis zum Schluss gekämpft!“ Die Abschiedsworte der Curva Nord von Livorno.

Ein zunächst vermuteter Herzinfarkt konnte nach der Obduktion ausgeschlossen werden. Stattdessen soll ein genetisch bedingter Herzfehler, oder eine Herzmuskel-Entzündung, für den Tod des 25-Jährigen verantwortlich sein. Dass Morosini seine letzten Minuten auf dem Fußballplatz verbrachte ist purer Zynismus. Der Sport war das Einzige im Leben, dass ihn an das Gute hatte glauben lassen.

Vollwaise mit 17 Jahren

Geboren 1986 in Bergamo, wuchs der bekennende Sampdoria-Fan beim Stadtviertelklub Monterosso auf. Schon früh galt der kleine Piermario als großes Talent. Zu seinen Vorbildern zählten Fernando Redondo und Matias Almeyda, zwei argentinische Mittelfeldspieler. Im Alter von 10 Jahren wechselte er in die Nachwuchsabteilung von Atalanta, eine der besten in Italien.

Der junge Piermario kämpfte dort weiter, wo andere längst aufgeben hätten.

Fünf Jahre später musste Morosini den ersten Schicksalsschlag verdauen. Seine Mutter Camilla starb. Zusammen mit Vater Aldo übernahm der damals 15-Jährige die Pflege seiner beiden behinderten Geschwister. Doch der Albtraum nahm kein Ende. 2003 verstarb sein Vater an einem Herzinfarkt. Piermario Morosini blieb mit seinem Bruder und seiner Schwester alleine zurück. Sein Bruder wurde mit dem Tod der geliebten Eltern nicht fertig und nahm sich das Leben. Erlebnisse die nicht spurlos an Morosini vorbei gegangen sind: „Ich habe mich oft gefragt warum es immer mich trifft. Aber ich finde keine Antwort darauf und das schmerzt am meisten. Aber das Leben muss weitergehen.“

Serie-A-Debüt gegen Inter

Morosini war ein Vorbild und ein Kämpfer. Wo andere längst aufgegeben hätten, schwor er sich, dass er es zum Fußballprofi schaffen wird. Und er schaffte es. 2005 wechselte Morosini zu Udinese und debütierte unter Trainer Serse Cosmi gegen Inter in der Serie A. In der Folge trug er das Trikot von Bologna, Reggina, Padova und Vicenza. Auch in den italienischen Junioren-Nationalmannschaften war er ein fixer Bestandteil, 2009 holte er mit der U21 bei der EM in Schweden den 3. Platz. Im Sommer 2011 kehrte nach Udine zurück. Sportlich lief es nicht gut für Morosini, aufgrund einer Verletzung kam er in der Serie A nicht zum Zug. So wechselte er im Jänner eine Liga tiefer zu Livorno. In der Toskana stieg Morosini schnell zum Leistungsträger auf – bis in Pescara zur Tragödie kam.

Die Tragödie in Pescara

Es war der 14. April, 16.07 Uhr. Und die 31. Spielminute des Serie-B-Matches zwischen Pescara und Livorno. Während im Mittelfeld ein Zweikampf um den Ball lief, brach die Nummer 25 der Gäste zusammen. Schnell ist klar dass es sich um etwas Ernstes handelt, Maßnahmen zur Wiederbelebung werden gestartet. Ärzte und Sanitäter kümmern sich um die Erstversorgung. Aufgelöste Pescara-Spieler laufen an den Spielfeldrand um die Rettungstrage zu holen. Es bricht Hektik aus. Morosini wird ein provisorischer Herzschrittmacher verpasst und in das Krankenhaus gebracht. Um 17.11 Uhr tritt Leonardo Paloschia, Primar der Kardiologie, vor die Presse und sagt: „Wir haben alles gemacht um den Jungen wiederzubeleben, aber er ist nicht mehr zurückgekommen.“ Piermario Morosini ist tot.

Als Morosinis Tod bekannt wurde, gab es von den Zuschauern minutenlangen Applaus.

In Tränen aufgelöst verabschieden sich die Mitspieler von ihrem Mannschaftskollegen, dessen lebloser Körper noch in der Notaufnahme liegt. Der italienische Verband sagt alle Fußballspiele für das Wochenende ab. Als der Mannschaftsbus von Livorno die Stadt verlässt, nehmen hunderte Pescara-Fans Anteil und verabschieden Morosinis Teamkollegen mit Applaus. Im Mailänder San Siro hatten sich die Profis schon bereits für das Serie-A-Spiel zwischenen Milan und Genoa gemacht. Als Morosinis Tod bekannt wird, gibt es minutenlangen Applaus von den Zuschauern. Das Spiel wird nicht angepfiffen.
Schnell beschlossen die beiden Klubs Livorno und Vicenza, dass Morosinis Rückennummer 25 nie mehr vergeben wird. Später werden Tribünenteile in Livorno, Pescara und Bergamo nach ihm benannt. Das Trainingsgelände von Vicenza heißt mittlerweile „Centro Tecnico Piermario Morosini“.

Im Mai 2012 wurde die Partie zwischen Pescara und Livorno nachgeholt. Die Toskaner entschieden das Match mit 2:0 für sich. Marco Verratti, damaliger Pescara-Mittelfeldspieler und einer jener Akteure, die einen Monat zuvor die Rettungstrage auf das Spielfeld geholt hatte, sagte nach dem Spiel: „Livorno hat für Morosini gespielt. Er hätte sich über diesen Sieg gefreut.“