Über die Kolumne

Im Sommer 2016 startete Patrick Egger als Außenverteidiger eines Südtiroler Amateurvereins in die neue Saison. Ein Jahr später hatte er „seinen“ SV Ulten zum Meistertitel und dem Aufstieg in die 1. Amateurliga geführt, nachdem er die Mannschaft sieben Spieltage vor Saisonende als Trainer übernommen hatte. Mittlerweile trainiert der 28-Jährige den SC St. Pankraz, einen Verein aus der 3. Amateurliga, der niedrigsten italienischen Spielklasse. Hier, in seiner Kolumne „Hart, härter, Amateurtrainer“, erzählt er uns von den Freuden und Problemen eines Amateurtrainers.

Teil 7

Nach meiner im April getätigten Trainerzusage traf ich mich Mitte Juni zum zweiten Mal mit dem sportlichen Leiter meines neuen Vereins. Er hatte einen 19 Mann starken Kader zusammengestellt. Zu den etablierten Kräften, von denen einige für die neue Spielzeit leider nicht mehr zur Verfügung standen, stießen neben einem „echten“ Neuzugang von auswärts zwei Spieler, die sich im Vorjahr noch das Ultner Trikot übergestreift hatten. Zudem kamen zwei 2000 geborene Jugendspieler aus der gemeinsamen Jugendförderung des Ultentals zum ASC St. Pankraz.

Beim Treffen hatte mir der sportliche Leiter außerdem die Möglichkeit eines Trainingslagers vorgeschlagen, das er durch Kontakte zum FC Höchst am Bodensee organisieren könnte. Eine großartige Idee, wie ich fand. Ein derartiges Trainingslager macht vor allem zu Beginn der Saison Sinn, damit sich die Mannschaft auch außerhalb des Platzes besser kennenlernen kann. Ende Juni hatte ich dann den Trainingsplan für die neue Saison beisammen. Eine Kardinalfrage, die sich mir erstmals als Trainer stellte, war, wie oft in der Woche ich meine Spieler zum Handkuss kommen lasse. Aus meiner eigenen Spieler-Erfahrung wusste ich, dass zu viele Trainingseinheiten eher Lustkiller sind. Aus Trainersicht möchte man der Mannschaft hingegen möglichst viele Impulse geben, damit sie bestimmte Spielabläufe schnell verinnerlicht. Ich beschloss, in der Vorbereitung drei Mal, während der Saison hingegen zwei Mal zu trainieren.
Am 25. Juli 2017, also knapp vier Wochen vor dem ersten Pflichtspiel der Saison, stand ich zum ersten Mal als Trainer des ASC St. Pankraz auf dem Platz. Gleich in der ersten Woche merkte ich, dass es in erster Linie darum geht, die technischen Fertigkeiten zu verbessern. Den allermeisten Spielern war gar nicht bewusst, dass es im Fußball auf Kleinigkeiten ankommt. Bereits wie und mit welchem Fuß ich den Ball annehme, entscheidet darüber, ob eine vielversprechende Aktion entstehen kann oder ob ich sie im Keim ersticke und zunichtemache. Diese bisweilen unsaubere Technik machte sich auch bei der Passqualität bemerkbar, weshalb ich folgende Bedingungen einführte: Sauberkeit vor Schnelligkeit sowie Präzision vor Schärfe. Ein weiteres Manko, dass sich alsbald feststellen ließ, war, dass Beidfüßigkeit für die allermeisten Spieler ein Fremdwort darzustellen schien. Ein Spieler sagte mir sogar, dass er den linken Fuß lediglich in der Bar zum Abstützen beim „Bierbudel“ benötigt. Neben dem dringend notwendigen Techniktraining konzentrierten wir uns in der Vorbereitung außerdem auch auf den taktischen Bereich, insbesondere auf die richtige Tiefenstaffelung in der Defensive.

„Den linken Fuß brauche ich nur zum Stehen an der Bar“

Ein Spieler des SC St. Pankraz zu Trainer Patrick Egger

Nach zwei Wochen Vorbereitung standen im Zuge eines kleinen Turniers die ersten beiden Freundschaftsspiele auf dem Programm. Gleich das erste Spiel, das 45 Minuten dauerte, bestritten wir ausgerechnet gegen den SV Ulten. In den ersten zwanzig Minuten hielten wir gut mit, ehe es am Ende doch recht deutlich wurde und wir mit 0:5 verloren. Im zweiten Spiel behielten wir gegen eine Freizeitmannschaft aus dem Tal mit 5:1 die Oberhand. Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel ging es zum angesprochenen Trainingslager nach Österreich, bei dem wir neben zwei Trainingseinheiten ein Freundschaftsspiel gegen die zweite Mannschaft eines Viertligisten bestritten, das wir mit 3:1 für uns entscheiden konnten. In der Trainingswoche vor dem Pokalauftakt zu Hause vor eigenem Publikum konzentrierten wir uns vornehmlich auf Standardsituationen.
Ich hatte das Gefühl, die Mannschaft bestmöglich auf das erste Pflichtspiel der Saison vorbereitet zu haben und der Eindruck täuschte nicht: Mit einer einstudierten Eckballvariante gingen wir rasch 1:0 in Führung. Was für ein Auftakt! Nach 15 Minuten Spielzeit setzte allerdings sintflutartiger Regen ein und wir kassierten nach einem Eckball den Ausgleich. Dann unterbrach der Schiedsrichter für etwa 10 Minuten die Partie. Der Unparteiische hatte aber offensichtlich Mitleid mit unserem Gegner aus Uttenheim, der über 120 Kilometer angereist war. So spielten wir das Spiel bei strömendem Regen – trotz der alles andere als fairen Bedingungen – zu Ende. Bei derartigen Platzverhältnissen ist es aus dem Spiel heraus nicht möglich, zu Chancen zu kommen, sodass uns zwei weitere Standards um eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel brachten. Am Ende gewannen die Gäste durch einen verwandelten Elfmeter sowie durch einen Kopfballtreffer nach einem Freistoß mit 3:1. Zu allem Überfluss sah unser Abwehrchef am Ende des Spiels die gelb-rote Karte. Trotzdem war ich für das Rückspiel eine Woche später optimistisch, da wir in den ersten zehn Minuten der Partie genau das versuchten umzusetzen, was wir im Training besprochen und probiert hatten.
Für das Rückspiel hatte ich beschlossen, die vakante Position im Abwehrzentrum selbst zu übernehmen. In der Innenverteidigung hatte ich selbst zwar nie gespielt, trotzdem traute ich mir diese Aufgabe zu. Um es vorwegzunehmen: Dieses Experiment ging gründlich in die Hose! Wir verloren mit 3:9. Ohne die Alleinschuld auf mich nehmen zu wollen, hatte ich trotzdem auf ganzer Linie enttäuscht und nicht zur defensiven Stabilität beigetragen. Wir ließen uns teilweise wie Schulburschen vorführen und schieden mit einem Gesamtscore von 4:12 aus dem Pokal aus. Selbst wenn ich diese Partien von Vornhinein als Vorbereitungsspiele unter Wettkampfbedingungen angesehen hatte, wäre ich lieber mit einem Erfolgserlebnis zum ersten Meisterschaftsspiel angereist…