Seit bekannt wurde, dass Marcel Koller nach dem Abschluss der WM-Qualifikation nicht mehr Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft ist, geht es rund in der Alpenrepublik. Zwar gab es in den letzten beiden Spielen unter der Führung des Schweizers noch Siege gegen Serbien und Moldawien, doch der erfolgreiche Abschluss der Koller-Ära täuscht nicht über die verpasste WM-Qualifikation hinweg. Der Stachel beim ÖFB sitzt tief, jetzt soll mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel ein Neustart her. Dieser hat zuerst die alles überstrahlende Frage zu lösen: Wer wird neuer Teamchef in Österreich?

Scarico hat mit Momo Akhondi, Taktikblogger bei 90minuten.at und Experten für das österreichische Nationalteam, gesprochen. Er glaubt, dass Koller in seinen sechs ÖFB-Jahren einen tollen Job gemacht hat und dass viele Journalisten den Schweizer Trainer nicht richtig einschätzen konnten. Was Akhondi über die Zukunft des österreichischen Fußballs sagt und warum er Andreas Herzog nicht als zukünftigen Nationaltrainer sieht, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen.

Seit bekannt wurde, dass Marcel Koller nach dem Abschluss der WM-Qualifikation nicht mehr Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft ist, geht es rund in der Alpenrepublik. Zwar gab es in den letzten beiden Spielen unter der Führung des Schweizers noch Siege gegen Serbien und Moldawien, doch der erfolgreiche Abschluss der Koller-Ära täuscht nicht über die verpasste WM-Qualifikation hinweg. Der Stachel beim ÖFB sitzt tief, jetzt soll mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel ein Neustart her. Dieser hat zuerst die alles überstrahlende Frage zu lösen: Wer wird neuer Teamchef? Scarico hat mit Momo Akhondi, Taktikblogger bei 90minuten.at und Experten für das österreichische Nationalteam, gesprochen. Er glaubt, dass Koller in seinen sechs ÖFB-Jahren einen tollen Job gemacht hat und dass viele Journalisten den Schweizer Trainer nicht richtig einschätzen konnten. Was Akhondi über die Zukunft des österreichischen Fußballs sagt und warum er Andreas Herzog nicht als zukünftigen Nationaltrainer sieht, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen. Momo, Österreich wird bei der WM 2018 nicht mit dabei sein. Jetzt muss Trainer Marcel Koller gehen. Die richtige Entscheidung? Ich glaube, dass es nach der verpassten WM-Qualifikation vertretbar ist, nicht mit Koller weiterzumachen. Aber die Frage ist: Kriegt man einen besseren Trainer? Ich glaube nicht. Deshalb hätte ich mit Koller weitergearbeitet. Das musst du uns genauer erklären… Wenn ein anderer Trainer die gleiche Schiene weiterfährt, die Koller eingeschlagen hat, dann bin ich für einen Wechsel. Aber die Landespräsidenten wollen es nicht zu wissenschaftlich haben und deshalb glaube ich, dass man die Koller-Schiene verlässt. Das ist definitiv der falsche Weg. Stichwort Landespräsidenten: Um die gab es in den vergangenen Wochen ja viel Wirbel. Wie sieht ihr Aufgabenbereich aus? Die Landespräsidenten sind für ihr jeweiliges Bundesland zuständig, das fängt schon ganz unten im Breitensport an. Zudem dürfen sie mitwählen, wer Sportdirektor wird. Wie der genaue Aufgabenbereich aussieht, weiß ich aber nicht. Was ich hingegen schon weiß, ist, dass die Rolle der Landespräsidenten vor einem Jahr nicht dieselbe war, wie sie es heute ist. Welche Rolle haben die Landespräsidenten bei der Entlassung von Koller gespielt? Dass Koller gehen muss, wurde bei einer Präsidiumssitzung beschlossen. Die Landespräsidenten sind sicher kluge Leute, aber man muss wissen, dass viele von ihnen keinen fußballerischen Hintergrund haben. Trotzdem wollen sie in fachlichen Dingen mitreden und genau da wird es problematisch. Ich meine, ich würde einen Zahnarzt auch nicht meine Augen-Operation machen lassen. Du spielst auf den niederösterreichischen Landespräsidenten Johann Gartner an… Wenn Gartner sagt, dass in einem Chemiekonzern nicht nur Chemiker am Werk sind, dann hat er damit zwar durchaus recht. Diese Nicht-Chemiker werden aber kaum die Entscheidungsgewalt haben, wer Chefchemiker wird. Solche Entscheidungen wird jemand mitverantworten, der Ahnung davon hat. Deshalb sage ich: In Dingen, wo ich keine Kompetenz habe, sollte ich mich nicht zu sehr einmischen. Welche Lösung schlägst du für das Problem „Landespräsidenten“ vor? Ich bin dafür, dass man das System abspeckt. Das Anforderungsprofil muss anders umschrieben werden. Es sollte kein Ehrenamt mehr sein, sondern hauptberuflich. Dann hätte ein Landespräsident mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Arbeit. Damit kann man gewisse Leute abschrecken. Das aktuelle Profil zieht solche Leute hingegen sogar an. Wie meinst du das? Nehmen wir zum Beispiel den Salzburger Herbert Hübel, der sich zuletzt im ORF über Journalisten lustig gemacht hat. Er sitzt bei Spielen gerne in der VIP-Lounge und genießt die Vorteile eines Landespräsidenten. Solche Leute würden durch eine Umstrukturierung konsekutiv rausgefiltert werden. Vielleicht geht es noch fünf Jahre so weiter, aber dann ist Platz für Leute, die den Job ernst nehmen. Kommen wir zurück zum Sportlichen. Wie beurteilst du die Arbeit von Koller? Ich habe das Heimspiel gegen Belgien unter Didi Constantini noch sehr gut im Kopf, das Österreich zuhause mit 0:2 verloren hat. In Kollers Anfangszeit hat er mit genau denselben Leuten gespielt, aber der Fußball war schnell ein anderer. Österreich hat die EM-Quali mit neun Siegen und einem Unentschieden abgeschlossen. Die Mannschaft war immer auf den Gegner vorbereitet und hatte einen Plan, die Mannschaft wusste was sie tut. Ich finde, Marcel Koller hat einen fantastischen Job gemacht. Du hast die erfolgreiche Qualifikation für die Euro 2016 angesprochen. Was hat Österreich bei der EM falsch gemacht? Der Auftakt gegen Ungarn war schlecht. Der Plan, den Koller da hatte, hat mir nicht gefallen. Die Spielfeldbreite war nicht besetzt, Ungarn hatte uns mit einer simplen Manndeckung gut unter Kontrolle. Gegen Island hat Koller dann umgestellt – wie ich fand, sehr gut. In der Halbzeit hat er dann wieder Formation gewechselt und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Island spielt einen wunderbaren, disziplinierten Fußball, aber es bleibt ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing und ohne herausragenden Spieler. Island war in der ersten Halbzeit noch oft gewungen die Mitte aufzugeben, dann hat Koller umgestellt. Apropos Umstellungen: Koller wird nachgesagt, dass er viel zu wenig umstellt. Was sagst du dazu? Diese These ist meiner Meinung nach problematisch, hat sich aber in den Medien so verbreitet. Dabei können die meisten Journalisten doch nur schwer beurteilen, ob eine Umstellung strategische Vorteile gebracht hat oder nicht. Mir fällt da spontan das Russland-Spiel ein, indem Koller im laufenden Spiel das Pressing umstellte, weil es nicht funktioniert hat. Plötzlich rückte der ballferne Flügelspieler viel weiter ein und es lief. Am Ende hat Österreich das Spiel gewonnen. Aber die Leute sehen nur, wie der Wales-Trainer völlig übermotiviert zwei Stürmer einwechselt und Koller das nicht macht. Wales schießt ein Distanztor, gewinnt das Spiel und die Leute fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt. Wie kam es dann überhaupt dazu, dass Koller dieses Klischee des Nicht-Umstellers anhaftet? Irgendwann hat ein gegnerischer Trainer in einem Interview gesagt: „Wir haben umgestellt.“ Koller hat das nicht gesagt und dann hat sich die öffentliche Meinung gebildet: Koller kann nicht umstellen! Pep Guardiola hat diese Umstell-Kultur reingebracht, aber es ist auch nicht immer gut umzustellen. Ich finde zum Beispiel auch, dass die Umstellung im letzten Spiel gegen Moldawien wenig gebracht hat. Mein Gott, dann steht es zur Pause halt 0:0, aber die Dreierkette im Aufbau war perfekt. Die Umstellung auf Viererkette, auch wenn es alle toll fanden, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: In meinen Augen war es sogar eine Schwächung. Kommen wir zur Frage, die im Moment am heißesten diskutiert wird. Wer wird neuer Teamchef? Soweit ich weiß, steht Andreas Herzog hoch im Kurs. Aber es ist nicht einfach, das medial durchzubringen. Gibt es ein Anforderungsprofil, in dem Andreas Herzog an erster Stelle stehen kann? Meiner Meinung nach, kann es keins geben! Er kommt, bei der österreichischen U21 und der U23 der USA, auf knapp 35 Spiele und keine 100 Trainings, die er selbst geleitet hat. Da kommt jeder 20-jährige Nachwuchstrainer, der den Jugendtrainer-Lehrgang absolviert hat, auf eine höhere Anzahl. Welche Kandidaten gibt es sonst noch? Mir würden noch Franco Foda und Thorsten Fink einfallen. Fink hat sich zuletzt ja selbst ins Spiel gebracht, Foda jetzt vorsichtig dementiert. Ich denke, es wird einer von diesen drei Kandidaten werden, außer sie zaubern jemanden aus dem Hut. Mit der Trainersuche wurde der neue Sportdirektor Peter Schöttel beauftragt. Wie beurteilst du ihn? Ich weiß nicht, wie ich das tun soll. Schöttel hat das letzte Mal vor zehn Jahren als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen. Seine erste Aussage, dass man im körperlichen Bereich zulegen muss, hat mir zwar nicht gefallen, aber man muss abwarten. Sein Vorgänger Willi Ruttensteiner war 18 Jahre lang an der Macht. Zu lange? Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Ruttensteiner vor 18 Jahren noch nicht diese Macht hatte, die er zuletzt hatte. Ich frage mich: Wie war seine Kompetenz aufgebaut? Ruttensteiner ist sicher nicht makellos gewesen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er beispielsweise alleinverantwortlich für die Einstellung aller Nachwuchstrainer war. Er wollte anscheinend so viele Kompetenzen wie möglich haben, um niemand Rechenschaft ablegen zu müssen. Da waren einige wohl persönlich beleidigt, weil sie nicht in die Vorgänge involviert waren. Zurück zum Trainer: Welche Mannschaft hinterlässt Marcel Koller seinem Nachfolger? Auf jeden Fall eine Mannschaft, die gegen den Ball sehr gut geschult ist, ein wunderbares Pressing spielt und tolle Umschaltmomente hat. Wobei sich Koller, meiner Meinung nach, zu sehr auf das Pressing eingeschossen hat. Wie meinst du das? Der Hauptgrund für die gute EM-Quali war der Spielaufbau. Das hängt mit Spielern wie Martin Hinteregger zusammen, der bestimmte Spielzüge einfach in sich hat. Egal wo er spielt, er macht sie einfach immer. Auch wenn man den Spielaufbau nicht expliziet trainiert, kann er deine größte Stärke sein. Das kann vom Gegner oder dem eigenen Spielermaterial abhängen. Aber Koller hat den Hauptgrund für den Erfolgslauf nicht im Spielaufbau, sondern im Pressing gesehen. Er hat dem Spielaufbau nicht jenen Wert beigemessen, den er hatte. War das ein Problem? Ja das war es, es war der ausschlaggebende Punkt. Der Gegner hat irgendwann verstanden, dass der Spielaufbau die größte Stärke Österreichs ist und uns zugestellt. Aber darauf konnte Koller nicht reagieren, weil er dachte, dass der Erfolg oder Misserfolg in erster Linie vom Pressing abhängen. Das ist es, was im Fußball fast durchgehend passiert. Wenn du Erfolg hast, bist du schnell davon überzeugt, dass es das Resultat deines Trainings ist und den Sachen, die du explizit mit der Mannschaft vorbereitet hast. Alles andere blendest du aus. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir Koller viel zu verdanken haben. Vor sechs Jahren konnten wir nur davon träumen, da zu stehen wo wir jetzt sind. Warum hat es dann mit der Qualifikation zur WM nicht geklappt? Im Fußball passieren so viele ungeplante Sachen. Zufallsprodukte können nicht geplant werden, deshalb ist die Taktikanalyse so wichtig. Nehmen wir das Serbien-Spiel her, wo der gelernte Innenverteidiger Maximilian Wöber als Linksverteidiger gespielt hat. Weil Florian Kainz mit Rukavina mitging, rückte Wöber nach innen und verteidigte auf der Position des linken Innenverteidigers. Somit musste Wöber gar nie auf der Linksverteidiger-Position verteidigen und konnte dadurch glänzen. Das heißt, dass Wöber als Linksverteidiger eine starke Leistung gezeigt hat, weil er im Endeffekt auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung verteidigen konnte? Genau. Das sind Dynamiken, die ein Spiel hergibt und die ein Trainer richtig deuten muss – auch wenn sie nicht so geplant waren. Viele Trainer deuten das falsch und geben total unterschiedlichen Spielertypen dieselben Rollen. Dann klappt es aber nicht mehr und der Trainer weiß nicht wieso. Dabei ist er dann verantwortlich, weil er die falschen Schlüsse gezogen hat. Zurück zur verpassten WM-Quali… Spiele werden häufig durch Zufälle und unvorhersehbaren Dingen gewonnen und verloren. Dass du Spiel X gewinnen konntest, hat nichts mit dem Training zu tun. Es kann mit einzelnen Spielern was zu tun haben, die beispielsweise an dem Tag die Schwächen ihres direkten Gegenspielers ausnutzen konnten. Das ist das Schwierige für einen Trainer, denn er muss erkennen, dass seine Mannschaft dieses Spiel aufgrund von diesem und jenem gewonnen hat und nicht wegen seinem Training. Ich habe das ÖFB-Team deshalb oft kritisiert. Sie haben Spiele durch andere Faktoren gewonnen, waren jedoch überzeugt, dass es hauptsächlich an ihrem vorbereiteten Plan lag. Du hast vorher Maximilian Wöber angesprochen. Er kam zuletzt zu seinem Teamdebüt, wie noch einige andere Nachwuchstalente. Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Fußballs? Die Zukunft ist rosig. Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Hannes Wolf – da kommen richtig tolle Spieler nach. Zuletzt habe ich Philipp Lienhart endlich wieder live gesehen und ich war begeistert, ich finde ihn überragend. Dazu kommt, dass viele aktuelle Stützen auch noch nicht so alt sind. Vielleicht haben wir ein kleines Tormann-Problem, obwohl ich ein Fan von Jörg Siebenhandl bin. Allerdings mache ich mir Sorgen, wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt und an Athletik einbüßt. Aber so weit ist es ja noch nicht. Wie bewertest du generell den österreichischen Nachwuchs? Mir gefällt es, dass wir wenige Klischeespieler haben. Damit meine ich, dass wir zum Beispiel nicht nur schnelle Flügelspieler haben oder große, bullige Innenverteidiger, die jeden Ball wegbolzen. Nehmen wir Kevin Danso oder Lienhart her, die beide sehr geschmeidig und elegant sind. Oder Philipp Schobesberger, der kein klassischer Flügelstürmer, sondern ein sehr intelligenter Fintenläufer, ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Spieler in verschiedene Systeme und Situationen packen kann. So, wie es Klein aktuell bei Werder Bremen zeigt. Das klingt alles recht gut. Ist Österreich also in Zukunft wieder reif für eine Endrunde? Wenn es Island mit einem Durchschnittskader zur WM schafft, dann sollte es auch für Österreich drin sein.

Momo Akhondi, als Taktikblogger schreibt er für 90minuten.at und Spielverlagerung, hat schon mit Trainern wie Oliver Lederer zusammengearbeitet.

Momo, Österreich wird bei der WM 2018 nicht mit dabei sein. Jetzt muss Trainer Marcel Koller gehen. Die richtige Entscheidung?
Ich glaube, dass es nach der verpassten WM-Qualifikation vertretbar ist, nicht mit Koller weiterzumachen. Aber die Frage ist: Kriegt man einen besseren Trainer? Ich glaube nicht. Deshalb hätte ich mit Koller weitergearbeitet.

Das musst du uns genauer erklären…
Wenn ein anderer Trainer die gleiche Schiene weiterfährt, die Koller eingeschlagen hat, dann bin ich für einen Wechsel. Aber die Landespräsidenten wollen es nicht zu wissenschaftlich haben und deshalb glaube ich, dass man die Koller-Schiene verlässt. Das ist definitiv der falsche Weg.

Stichwort Landespräsidenten: Um die gab es in den vergangenen Wochen ja viel Wirbel. Wie sieht ihr Aufgabenbereich aus?
Die Landespräsidenten sind für ihr jeweiliges Bundesland zuständig, das fängt schon ganz unten im Breitensport an. Zudem dürfen sie mitwählen, wer Sportdirektor wird. Wie der genaue Aufgabenbereich aussieht, weiß ich aber nicht. Was ich hingegen schon weiß, ist, dass die Rolle der Landespräsidenten vor einem Jahr nicht dieselbe war, wie sie es heute ist.

„Nicht mit Koller weiterzumachen ist vertretbar. Aber: Kriegt der ÖFB einen besseren Trainer? Ich glaube nicht!“

Welche Rolle haben die Landespräsidenten bei der Entlassung von Koller gespielt?
Dass Koller gehen muss, wurde bei einer Präsidiumssitzung beschlossen. Die Landespräsidenten sind sicher kluge Leute, aber man muss wissen, dass viele von ihnen keinen fußballerischen Hintergrund haben. Trotzdem wollen sie in fachlichen Dingen mitreden und genau da wird es problematisch. Ich meine, ich würde einen Zahnarzt auch nicht meine Augen-Operation machen lassen.

Du spielst auf den niederösterreichischen Landespräsidenten Johann Gartner an…
Wenn Gartner sagt, dass in einem Chemiekonzern nicht nur Chemiker am Werk sind, dann hat er damit zwar durchaus recht. Diese Nicht-Chemiker werden aber kaum die Entscheidungsgewalt haben, wer Chefchemiker wird. Solche Entscheidungen wird jemand mitverantworten, der Ahnung davon hat. Deshalb sage ich: In Dingen, wo ich keine Kompetenz habe, sollte ich mich nicht zu sehr einmischen.

Welche Lösung schlägst du für das Problem „Landespräsidenten“ vor?
Ich bin dafür, dass man das System abspeckt. Das Anforderungsprofil muss anders umschrieben werden. Es sollte kein Ehrenamt mehr sein, sondern hauptberuflich. Dann hätte ein Landespräsident mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Arbeit. Damit kann man gewisse Leute abschrecken. Das aktuelle Profil zieht solche Leute hingegen sogar an.

Wie meinst du das?
Nehmen wir zum Beispiel den Salzburger Herbert Hübel, der sich zuletzt im ORF über Journalisten lustig gemacht hat. Er sitzt bei Spielen gerne in der VIP-Lounge und genießt die Vorteile eines Landespräsidenten. Solche Leute würden durch eine Umstrukturierung konsekutiv rausgefiltert werden. Vielleicht geht es noch fünf Jahre so weiter, aber dann ist Platz für Leute, die den Job ernst nehmen.

Seit bekannt wurde, dass Marcel Koller nach dem Abschluss der WM-Qualifikation nicht mehr Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft ist, geht es rund in der Alpenrepublik. Zwar gab es in den letzten beiden Spielen unter der Führung des Schweizers noch Siege gegen Serbien und Moldawien, doch der erfolgreiche Abschluss der Koller-Ära täuscht nicht über die verpasste WM-Qualifikation hinweg. Der Stachel beim ÖFB sitzt tief, jetzt soll mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel ein Neustart her. Dieser hat zuerst die alles überstrahlende Frage zu lösen: Wer wird neuer Teamchef? Scarico hat mit Momo Akhondi, Taktikblogger bei 90minuten.at und Experten für das österreichische Nationalteam, gesprochen. Er glaubt, dass Koller in seinen sechs ÖFB-Jahren einen tollen Job gemacht hat und dass viele Journalisten den Schweizer Trainer nicht richtig einschätzen konnten. Was Akhondi über die Zukunft des österreichischen Fußballs sagt und warum er Andreas Herzog nicht als zukünftigen Nationaltrainer sieht, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen. Momo, Österreich wird bei der WM 2018 nicht mit dabei sein. Jetzt muss Trainer Marcel Koller gehen. Die richtige Entscheidung? Ich glaube, dass es nach der verpassten WM-Qualifikation vertretbar ist, nicht mit Koller weiterzumachen. Aber die Frage ist: Kriegt man einen besseren Trainer? Ich glaube nicht. Deshalb hätte ich mit Koller weitergearbeitet. Das musst du uns genauer erklären… Wenn ein anderer Trainer die gleiche Schiene weiterfährt, die Koller eingeschlagen hat, dann bin ich für einen Wechsel. Aber die Landespräsidenten wollen es nicht zu wissenschaftlich haben und deshalb glaube ich, dass man die Koller-Schiene verlässt. Das ist definitiv der falsche Weg. Stichwort Landespräsidenten: Um die gab es in den vergangenen Wochen ja viel Wirbel. Wie sieht ihr Aufgabenbereich aus? Die Landespräsidenten sind für ihr jeweiliges Bundesland zuständig, das fängt schon ganz unten im Breitensport an. Zudem dürfen sie mitwählen, wer Sportdirektor wird. Wie der genaue Aufgabenbereich aussieht, weiß ich aber nicht. Was ich hingegen schon weiß, ist, dass die Rolle der Landespräsidenten vor einem Jahr nicht dieselbe war, wie sie es heute ist. Welche Rolle haben die Landespräsidenten bei der Entlassung von Koller gespielt? Dass Koller gehen muss, wurde bei einer Präsidiumssitzung beschlossen. Die Landespräsidenten sind sicher kluge Leute, aber man muss wissen, dass viele von ihnen keinen fußballerischen Hintergrund haben. Trotzdem wollen sie in fachlichen Dingen mitreden und genau da wird es problematisch. Ich meine, ich würde einen Zahnarzt auch nicht meine Augen-Operation machen lassen. Du spielst auf den niederösterreichischen Landespräsidenten Johann Gartner an… Wenn Gartner sagt, dass in einem Chemiekonzern nicht nur Chemiker am Werk sind, dann hat er damit zwar durchaus recht. Diese Nicht-Chemiker werden aber kaum die Entscheidungsgewalt haben, wer Chefchemiker wird. Solche Entscheidungen wird jemand mitverantworten, der Ahnung davon hat. Deshalb sage ich: In Dingen, wo ich keine Kompetenz habe, sollte ich mich nicht zu sehr einmischen. Welche Lösung schlägst du für das Problem „Landespräsidenten“ vor? Ich bin dafür, dass man das System abspeckt. Das Anforderungsprofil muss anders umschrieben werden. Es sollte kein Ehrenamt mehr sein, sondern hauptberuflich. Dann hätte ein Landespräsident mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Arbeit. Damit kann man gewisse Leute abschrecken. Das aktuelle Profil zieht solche Leute hingegen sogar an. Wie meinst du das? Nehmen wir zum Beispiel den Salzburger Herbert Hübel, der sich zuletzt im ORF über Journalisten lustig gemacht hat. Er sitzt bei Spielen gerne in der VIP-Lounge und genießt die Vorteile eines Landespräsidenten. Solche Leute würden durch eine Umstrukturierung konsekutiv rausgefiltert werden. Vielleicht geht es noch fünf Jahre so weiter, aber dann ist Platz für Leute, die den Job ernst nehmen. Kommen wir zurück zum Sportlichen. Wie beurteilst du die Arbeit von Koller? Ich habe das Heimspiel gegen Belgien unter Didi Constantini noch sehr gut im Kopf, das Österreich zuhause mit 0:2 verloren hat. In Kollers Anfangszeit hat er mit genau denselben Leuten gespielt, aber der Fußball war schnell ein anderer. Österreich hat die EM-Quali mit neun Siegen und einem Unentschieden abgeschlossen. Die Mannschaft war immer auf den Gegner vorbereitet und hatte einen Plan, die Mannschaft wusste was sie tut. Ich finde, Marcel Koller hat einen fantastischen Job gemacht. Du hast die erfolgreiche Qualifikation für die Euro 2016 angesprochen. Was hat Österreich bei der EM falsch gemacht? Der Auftakt gegen Ungarn war schlecht. Der Plan, den Koller da hatte, hat mir nicht gefallen. Die Spielfeldbreite war nicht besetzt, Ungarn hatte uns mit einer simplen Manndeckung gut unter Kontrolle. Gegen Island hat Koller dann umgestellt – wie ich fand, sehr gut. In der Halbzeit hat er dann wieder Formation gewechselt und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Island spielt einen wunderbaren, disziplinierten Fußball, aber es bleibt ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing und ohne herausragenden Spieler. Island war in der ersten Halbzeit noch oft gewungen die Mitte aufzugeben, dann hat Koller umgestellt. Apropos Umstellungen: Koller wird nachgesagt, dass er viel zu wenig umstellt. Was sagst du dazu? Diese These ist meiner Meinung nach problematisch, hat sich aber in den Medien so verbreitet. Dabei können die meisten Journalisten doch nur schwer beurteilen, ob eine Umstellung strategische Vorteile gebracht hat oder nicht. Mir fällt da spontan das Russland-Spiel ein, indem Koller im laufenden Spiel das Pressing umstellte, weil es nicht funktioniert hat. Plötzlich rückte der ballferne Flügelspieler viel weiter ein und es lief. Am Ende hat Österreich das Spiel gewonnen. Aber die Leute sehen nur, wie der Wales-Trainer völlig übermotiviert zwei Stürmer einwechselt und Koller das nicht macht. Wales schießt ein Distanztor, gewinnt das Spiel und die Leute fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt. Wie kam es dann überhaupt dazu, dass Koller dieses Klischee des Nicht-Umstellers anhaftet? Irgendwann hat ein gegnerischer Trainer in einem Interview gesagt: „Wir haben umgestellt.“ Koller hat das nicht gesagt und dann hat sich die öffentliche Meinung gebildet: Koller kann nicht umstellen! Pep Guardiola hat diese Umstell-Kultur reingebracht, aber es ist auch nicht immer gut umzustellen. Ich finde zum Beispiel auch, dass die Umstellung im letzten Spiel gegen Moldawien wenig gebracht hat. Mein Gott, dann steht es zur Pause halt 0:0, aber die Dreierkette im Aufbau war perfekt. Die Umstellung auf Viererkette, auch wenn es alle toll fanden, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: In meinen Augen war es sogar eine Schwächung. Kommen wir zur Frage, die im Moment am heißesten diskutiert wird. Wer wird neuer Teamchef? Soweit ich weiß, steht Andreas Herzog hoch im Kurs. Aber es ist nicht einfach, das medial durchzubringen. Gibt es ein Anforderungsprofil, in dem Andreas Herzog an erster Stelle stehen kann? Meiner Meinung nach, kann es keins geben! Er kommt, bei der österreichischen U21 und der U23 der USA, auf knapp 35 Spiele und keine 100 Trainings, die er selbst geleitet hat. Da kommt jeder 20-jährige Nachwuchstrainer, der den Jugendtrainer-Lehrgang absolviert hat, auf eine höhere Anzahl. Welche Kandidaten gibt es sonst noch? Mir würden noch Franco Foda und Thorsten Fink einfallen. Fink hat sich zuletzt ja selbst ins Spiel gebracht, Foda jetzt vorsichtig dementiert. Ich denke, es wird einer von diesen drei Kandidaten werden, außer sie zaubern jemanden aus dem Hut. Mit der Trainersuche wurde der neue Sportdirektor Peter Schöttel beauftragt. Wie beurteilst du ihn? Ich weiß nicht, wie ich das tun soll. Schöttel hat das letzte Mal vor zehn Jahren als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen. Seine erste Aussage, dass man im körperlichen Bereich zulegen muss, hat mir zwar nicht gefallen, aber man muss abwarten. Sein Vorgänger Willi Ruttensteiner war 18 Jahre lang an der Macht. Zu lange? Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Ruttensteiner vor 18 Jahren noch nicht diese Macht hatte, die er zuletzt hatte. Ich frage mich: Wie war seine Kompetenz aufgebaut? Ruttensteiner ist sicher nicht makellos gewesen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er beispielsweise alleinverantwortlich für die Einstellung aller Nachwuchstrainer war. Er wollte anscheinend so viele Kompetenzen wie möglich haben, um niemand Rechenschaft ablegen zu müssen. Da waren einige wohl persönlich beleidigt, weil sie nicht in die Vorgänge involviert waren. Zurück zum Trainer: Welche Mannschaft hinterlässt Marcel Koller seinem Nachfolger? Auf jeden Fall eine Mannschaft, die gegen den Ball sehr gut geschult ist, ein wunderbares Pressing spielt und tolle Umschaltmomente hat. Wobei sich Koller, meiner Meinung nach, zu sehr auf das Pressing eingeschossen hat. Wie meinst du das? Der Hauptgrund für die gute EM-Quali war der Spielaufbau. Das hängt mit Spielern wie Martin Hinteregger zusammen, der bestimmte Spielzüge einfach in sich hat. Egal wo er spielt, er macht sie einfach immer. Auch wenn man den Spielaufbau nicht expliziet trainiert, kann er deine größte Stärke sein. Das kann vom Gegner oder dem eigenen Spielermaterial abhängen. Aber Koller hat den Hauptgrund für den Erfolgslauf nicht im Spielaufbau, sondern im Pressing gesehen. Er hat dem Spielaufbau nicht jenen Wert beigemessen, den er hatte. War das ein Problem? Ja das war es, es war der ausschlaggebende Punkt. Der Gegner hat irgendwann verstanden, dass der Spielaufbau die größte Stärke Österreichs ist und uns zugestellt. Aber darauf konnte Koller nicht reagieren, weil er dachte, dass der Erfolg oder Misserfolg in erster Linie vom Pressing abhängen. Das ist es, was im Fußball fast durchgehend passiert. Wenn du Erfolg hast, bist du schnell davon überzeugt, dass es das Resultat deines Trainings ist und den Sachen, die du explizit mit der Mannschaft vorbereitet hast. Alles andere blendest du aus. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir Koller viel zu verdanken haben. Vor sechs Jahren konnten wir nur davon träumen, da zu stehen wo wir jetzt sind. Warum hat es dann mit der Qualifikation zur WM nicht geklappt? Im Fußball passieren so viele ungeplante Sachen. Zufallsprodukte können nicht geplant werden, deshalb ist die Taktikanalyse so wichtig. Nehmen wir das Serbien-Spiel her, wo der gelernte Innenverteidiger Maximilian Wöber als Linksverteidiger gespielt hat. Weil Florian Kainz mit Rukavina mitging, rückte Wöber nach innen und verteidigte auf der Position des linken Innenverteidigers. Somit musste Wöber gar nie auf der Linksverteidiger-Position verteidigen und konnte dadurch glänzen. Das heißt, dass Wöber als Linksverteidiger eine starke Leistung gezeigt hat, weil er im Endeffekt auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung verteidigen konnte? Genau. Das sind Dynamiken, die ein Spiel hergibt und die ein Trainer richtig deuten muss – auch wenn sie nicht so geplant waren. Viele Trainer deuten das falsch und geben total unterschiedlichen Spielertypen dieselben Rollen. Dann klappt es aber nicht mehr und der Trainer weiß nicht wieso. Dabei ist er dann verantwortlich, weil er die falschen Schlüsse gezogen hat. Zurück zur verpassten WM-Quali… Spiele werden häufig durch Zufälle und unvorhersehbaren Dingen gewonnen und verloren. Dass du Spiel X gewinnen konntest, hat nichts mit dem Training zu tun. Es kann mit einzelnen Spielern was zu tun haben, die beispielsweise an dem Tag die Schwächen ihres direkten Gegenspielers ausnutzen konnten. Das ist das Schwierige für einen Trainer, denn er muss erkennen, dass seine Mannschaft dieses Spiel aufgrund von diesem und jenem gewonnen hat und nicht wegen seinem Training. Ich habe das ÖFB-Team deshalb oft kritisiert. Sie haben Spiele durch andere Faktoren gewonnen, waren jedoch überzeugt, dass es hauptsächlich an ihrem vorbereiteten Plan lag. Du hast vorher Maximilian Wöber angesprochen. Er kam zuletzt zu seinem Teamdebüt, wie noch einige andere Nachwuchstalente. Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Fußballs? Die Zukunft ist rosig. Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Hannes Wolf – da kommen richtig tolle Spieler nach. Zuletzt habe ich Philipp Lienhart endlich wieder live gesehen und ich war begeistert, ich finde ihn überragend. Dazu kommt, dass viele aktuelle Stützen auch noch nicht so alt sind. Vielleicht haben wir ein kleines Tormann-Problem, obwohl ich ein Fan von Jörg Siebenhandl bin. Allerdings mache ich mir Sorgen, wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt und an Athletik einbüßt. Aber so weit ist es ja noch nicht. Wie bewertest du generell den österreichischen Nachwuchs? Mir gefällt es, dass wir wenige Klischeespieler haben. Damit meine ich, dass wir zum Beispiel nicht nur schnelle Flügelspieler haben oder große, bullige Innenverteidiger, die jeden Ball wegbolzen. Nehmen wir Kevin Danso oder Lienhart her, die beide sehr geschmeidig und elegant sind. Oder Philipp Schobesberger, der kein klassischer Flügelstürmer, sondern ein sehr intelligenter Fintenläufer, ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Spieler in verschiedene Systeme und Situationen packen kann. So, wie es Klein aktuell bei Werder Bremen zeigt. Das klingt alles recht gut. Ist Österreich also in Zukunft wieder reif für eine Endrunde? Wenn es Island mit einem Durchschnittskader zur WM schafft, dann sollte es auch für Österreich drin sein.

Marcel Koller war sechs Jahre lang Trainer in Österreich. Akhondi: „Koller hat einen tollen Job gemacht.“

Kommen wir zurück zum Sportlichen. Wie beurteilst du die Arbeit von Koller?
Ich habe das Heimspiel gegen Belgien unter Didi Constantini noch sehr gut im Kopf, das Österreich zuhause mit 0:2 verloren hat. In Kollers Anfangszeit hat er mit genau denselben Leuten gespielt, aber der Fußball war schnell ein anderer. Österreich hat die EM-Quali mit neun Siegen und einem Unentschieden abgeschlossen. Die Mannschaft war immer auf den Gegner vorbereitet und hatte einen Plan, die Mannschaft wusste was sie tut. Ich finde, Marcel Koller hat einen fantastischen Job gemacht.

Du hast die erfolgreiche Qualifikation für die Euro 2016 angesprochen. Was hat Österreich bei der EM falsch gemacht?
Der Auftakt gegen Ungarn war schlecht. Der Plan, den Koller da hatte, hat mir nicht gefallen. Die Spielfeldbreite war nicht besetzt, Ungarn hatte uns mit einer simplen Manndeckung gut unter Kontrolle. Gegen Island hat Koller dann umgestellt – wie ich fand, sehr gut. In der Halbzeit hat er dann wieder Formation gewechselt und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Island spielt einen wunderbaren, disziplinierten Fußball, aber es bleibt ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing und ohne herausragenden Spieler. Island war in der ersten Halbzeit noch oft gewungen die Mitte aufzugeben, dann hat Koller umgestellt.

Apropos Umstellungen: Koller wird nachgesagt, dass er viel zu wenig umstellt. Was sagst du dazu?
Diese These ist meiner Meinung nach problematisch, hat sich aber in den Medien so verbreitet. Dabei können die meisten Journalisten doch nur schwer beurteilen, ob eine Umstellung strategische Vorteile gebracht hat oder nicht. Mir fällt da spontan das Russland-Spiel ein, indem Koller im laufenden Spiel das Pressing umstellte, weil es nicht funktioniert hat. Plötzlich rückte der ballferne Flügelspieler viel weiter ein und es lief. Am Ende hat Österreich das Spiel gewonnen. Aber die Leute sehen nur, wie der Wales-Trainer völlig übermotiviert zwei Stürmer einwechselt und Koller das nicht macht. Wales schießt ein Distanztor, gewinnt das Spiel und die Leute fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt.

Wie kam es dann überhaupt dazu, dass Koller dieses Klischee des Nicht-Umstellers anhaftet?
Irgendwann hat ein gegnerischer Trainer in einem Interview gesagt: „Wir haben umgestellt.“ Koller hat das nicht gesagt und dann hat sich die öffentliche Meinung gebildet: Koller kann nicht umstellen! Pep Guardiola hat diese Umstell-Kultur reingebracht, aber es ist auch nicht immer gut umzustellen. Ich finde zum Beispiel auch, dass die Umstellung im letzten Spiel gegen Moldawien wenig gebracht hat. Mein Gott, dann steht es zur Pause halt 0:0, aber die Dreierkette im Aufbau war perfekt. Die Umstellung auf Viererkette, auch wenn es alle toll fanden, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: In meinen Augen war es sogar eine Schwächung.

Seit bekannt wurde, dass Marcel Koller nach dem Abschluss der WM-Qualifikation nicht mehr Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft ist, geht es rund in der Alpenrepublik. Zwar gab es in den letzten beiden Spielen unter der Führung des Schweizers noch Siege gegen Serbien und Moldawien, doch der erfolgreiche Abschluss der Koller-Ära täuscht nicht über die verpasste WM-Qualifikation hinweg. Der Stachel beim ÖFB sitzt tief, jetzt soll mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel ein Neustart her. Dieser hat zuerst die alles überstrahlende Frage zu lösen: Wer wird neuer Teamchef? Scarico hat mit Momo Akhondi, Taktikblogger bei 90minuten.at und Experten für das österreichische Nationalteam, gesprochen. Er glaubt, dass Koller in seinen sechs ÖFB-Jahren einen tollen Job gemacht hat und dass viele Journalisten den Schweizer Trainer nicht richtig einschätzen konnten. Was Akhondi über die Zukunft des österreichischen Fußballs sagt und warum er Andreas Herzog nicht als zukünftigen Nationaltrainer sieht, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen. Momo, Österreich wird bei der WM 2018 nicht mit dabei sein. Jetzt muss Trainer Marcel Koller gehen. Die richtige Entscheidung? Ich glaube, dass es nach der verpassten WM-Qualifikation vertretbar ist, nicht mit Koller weiterzumachen. Aber die Frage ist: Kriegt man einen besseren Trainer? Ich glaube nicht. Deshalb hätte ich mit Koller weitergearbeitet. Das musst du uns genauer erklären… Wenn ein anderer Trainer die gleiche Schiene weiterfährt, die Koller eingeschlagen hat, dann bin ich für einen Wechsel. Aber die Landespräsidenten wollen es nicht zu wissenschaftlich haben und deshalb glaube ich, dass man die Koller-Schiene verlässt. Das ist definitiv der falsche Weg. Stichwort Landespräsidenten: Um die gab es in den vergangenen Wochen ja viel Wirbel. Wie sieht ihr Aufgabenbereich aus? Die Landespräsidenten sind für ihr jeweiliges Bundesland zuständig, das fängt schon ganz unten im Breitensport an. Zudem dürfen sie mitwählen, wer Sportdirektor wird. Wie der genaue Aufgabenbereich aussieht, weiß ich aber nicht. Was ich hingegen schon weiß, ist, dass die Rolle der Landespräsidenten vor einem Jahr nicht dieselbe war, wie sie es heute ist. Welche Rolle haben die Landespräsidenten bei der Entlassung von Koller gespielt? Dass Koller gehen muss, wurde bei einer Präsidiumssitzung beschlossen. Die Landespräsidenten sind sicher kluge Leute, aber man muss wissen, dass viele von ihnen keinen fußballerischen Hintergrund haben. Trotzdem wollen sie in fachlichen Dingen mitreden und genau da wird es problematisch. Ich meine, ich würde einen Zahnarzt auch nicht meine Augen-Operation machen lassen. Du spielst auf den niederösterreichischen Landespräsidenten Johann Gartner an… Wenn Gartner sagt, dass in einem Chemiekonzern nicht nur Chemiker am Werk sind, dann hat er damit zwar durchaus recht. Diese Nicht-Chemiker werden aber kaum die Entscheidungsgewalt haben, wer Chefchemiker wird. Solche Entscheidungen wird jemand mitverantworten, der Ahnung davon hat. Deshalb sage ich: In Dingen, wo ich keine Kompetenz habe, sollte ich mich nicht zu sehr einmischen. Welche Lösung schlägst du für das Problem „Landespräsidenten“ vor? Ich bin dafür, dass man das System abspeckt. Das Anforderungsprofil muss anders umschrieben werden. Es sollte kein Ehrenamt mehr sein, sondern hauptberuflich. Dann hätte ein Landespräsident mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Arbeit. Damit kann man gewisse Leute abschrecken. Das aktuelle Profil zieht solche Leute hingegen sogar an. Wie meinst du das? Nehmen wir zum Beispiel den Salzburger Herbert Hübel, der sich zuletzt im ORF über Journalisten lustig gemacht hat. Er sitzt bei Spielen gerne in der VIP-Lounge und genießt die Vorteile eines Landespräsidenten. Solche Leute würden durch eine Umstrukturierung konsekutiv rausgefiltert werden. Vielleicht geht es noch fünf Jahre so weiter, aber dann ist Platz für Leute, die den Job ernst nehmen. Kommen wir zurück zum Sportlichen. Wie beurteilst du die Arbeit von Koller? Ich habe das Heimspiel gegen Belgien unter Didi Constantini noch sehr gut im Kopf, das Österreich zuhause mit 0:2 verloren hat. In Kollers Anfangszeit hat er mit genau denselben Leuten gespielt, aber der Fußball war schnell ein anderer. Österreich hat die EM-Quali mit neun Siegen und einem Unentschieden abgeschlossen. Die Mannschaft war immer auf den Gegner vorbereitet und hatte einen Plan, die Mannschaft wusste was sie tut. Ich finde, Marcel Koller hat einen fantastischen Job gemacht. Du hast die erfolgreiche Qualifikation für die Euro 2016 angesprochen. Was hat Österreich bei der EM falsch gemacht? Der Auftakt gegen Ungarn war schlecht. Der Plan, den Koller da hatte, hat mir nicht gefallen. Die Spielfeldbreite war nicht besetzt, Ungarn hatte uns mit einer simplen Manndeckung gut unter Kontrolle. Gegen Island hat Koller dann umgestellt – wie ich fand, sehr gut. In der Halbzeit hat er dann wieder Formation gewechselt und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Island spielt einen wunderbaren, disziplinierten Fußball, aber es bleibt ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing und ohne herausragenden Spieler. Island war in der ersten Halbzeit noch oft gewungen die Mitte aufzugeben, dann hat Koller umgestellt. Apropos Umstellungen: Koller wird nachgesagt, dass er viel zu wenig umstellt. Was sagst du dazu? Diese These ist meiner Meinung nach problematisch, hat sich aber in den Medien so verbreitet. Dabei können die meisten Journalisten doch nur schwer beurteilen, ob eine Umstellung strategische Vorteile gebracht hat oder nicht. Mir fällt da spontan das Russland-Spiel ein, indem Koller im laufenden Spiel das Pressing umstellte, weil es nicht funktioniert hat. Plötzlich rückte der ballferne Flügelspieler viel weiter ein und es lief. Am Ende hat Österreich das Spiel gewonnen. Aber die Leute sehen nur, wie der Wales-Trainer völlig übermotiviert zwei Stürmer einwechselt und Koller das nicht macht. Wales schießt ein Distanztor, gewinnt das Spiel und die Leute fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt. Wie kam es dann überhaupt dazu, dass Koller dieses Klischee des Nicht-Umstellers anhaftet? Irgendwann hat ein gegnerischer Trainer in einem Interview gesagt: „Wir haben umgestellt.“ Koller hat das nicht gesagt und dann hat sich die öffentliche Meinung gebildet: Koller kann nicht umstellen! Pep Guardiola hat diese Umstell-Kultur reingebracht, aber es ist auch nicht immer gut umzustellen. Ich finde zum Beispiel auch, dass die Umstellung im letzten Spiel gegen Moldawien wenig gebracht hat. Mein Gott, dann steht es zur Pause halt 0:0, aber die Dreierkette im Aufbau war perfekt. Die Umstellung auf Viererkette, auch wenn es alle toll fanden, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: In meinen Augen war es sogar eine Schwächung. Kommen wir zur Frage, die im Moment am heißesten diskutiert wird. Wer wird neuer Teamchef? Soweit ich weiß, steht Andreas Herzog hoch im Kurs. Aber es ist nicht einfach, das medial durchzubringen. Gibt es ein Anforderungsprofil, in dem Andreas Herzog an erster Stelle stehen kann? Meiner Meinung nach, kann es keins geben! Er kommt, bei der österreichischen U21 und der U23 der USA, auf knapp 35 Spiele und keine 100 Trainings, die er selbst geleitet hat. Da kommt jeder 20-jährige Nachwuchstrainer, der den Jugendtrainer-Lehrgang absolviert hat, auf eine höhere Anzahl. Welche Kandidaten gibt es sonst noch? Mir würden noch Franco Foda und Thorsten Fink einfallen. Fink hat sich zuletzt ja selbst ins Spiel gebracht, Foda jetzt vorsichtig dementiert. Ich denke, es wird einer von diesen drei Kandidaten werden, außer sie zaubern jemanden aus dem Hut. Mit der Trainersuche wurde der neue Sportdirektor Peter Schöttel beauftragt. Wie beurteilst du ihn? Ich weiß nicht, wie ich das tun soll. Schöttel hat das letzte Mal vor zehn Jahren als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen. Seine erste Aussage, dass man im körperlichen Bereich zulegen muss, hat mir zwar nicht gefallen, aber man muss abwarten. Sein Vorgänger Willi Ruttensteiner war 18 Jahre lang an der Macht. Zu lange? Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Ruttensteiner vor 18 Jahren noch nicht diese Macht hatte, die er zuletzt hatte. Ich frage mich: Wie war seine Kompetenz aufgebaut? Ruttensteiner ist sicher nicht makellos gewesen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er beispielsweise alleinverantwortlich für die Einstellung aller Nachwuchstrainer war. Er wollte anscheinend so viele Kompetenzen wie möglich haben, um niemand Rechenschaft ablegen zu müssen. Da waren einige wohl persönlich beleidigt, weil sie nicht in die Vorgänge involviert waren. Zurück zum Trainer: Welche Mannschaft hinterlässt Marcel Koller seinem Nachfolger? Auf jeden Fall eine Mannschaft, die gegen den Ball sehr gut geschult ist, ein wunderbares Pressing spielt und tolle Umschaltmomente hat. Wobei sich Koller, meiner Meinung nach, zu sehr auf das Pressing eingeschossen hat. Wie meinst du das? Der Hauptgrund für die gute EM-Quali war der Spielaufbau. Das hängt mit Spielern wie Martin Hinteregger zusammen, der bestimmte Spielzüge einfach in sich hat. Egal wo er spielt, er macht sie einfach immer. Auch wenn man den Spielaufbau nicht expliziet trainiert, kann er deine größte Stärke sein. Das kann vom Gegner oder dem eigenen Spielermaterial abhängen. Aber Koller hat den Hauptgrund für den Erfolgslauf nicht im Spielaufbau, sondern im Pressing gesehen. Er hat dem Spielaufbau nicht jenen Wert beigemessen, den er hatte. War das ein Problem? Ja das war es, es war der ausschlaggebende Punkt. Der Gegner hat irgendwann verstanden, dass der Spielaufbau die größte Stärke Österreichs ist und uns zugestellt. Aber darauf konnte Koller nicht reagieren, weil er dachte, dass der Erfolg oder Misserfolg in erster Linie vom Pressing abhängen. Das ist es, was im Fußball fast durchgehend passiert. Wenn du Erfolg hast, bist du schnell davon überzeugt, dass es das Resultat deines Trainings ist und den Sachen, die du explizit mit der Mannschaft vorbereitet hast. Alles andere blendest du aus. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir Koller viel zu verdanken haben. Vor sechs Jahren konnten wir nur davon träumen, da zu stehen wo wir jetzt sind. Warum hat es dann mit der Qualifikation zur WM nicht geklappt? Im Fußball passieren so viele ungeplante Sachen. Zufallsprodukte können nicht geplant werden, deshalb ist die Taktikanalyse so wichtig. Nehmen wir das Serbien-Spiel her, wo der gelernte Innenverteidiger Maximilian Wöber als Linksverteidiger gespielt hat. Weil Florian Kainz mit Rukavina mitging, rückte Wöber nach innen und verteidigte auf der Position des linken Innenverteidigers. Somit musste Wöber gar nie auf der Linksverteidiger-Position verteidigen und konnte dadurch glänzen. Das heißt, dass Wöber als Linksverteidiger eine starke Leistung gezeigt hat, weil er im Endeffekt auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung verteidigen konnte? Genau. Das sind Dynamiken, die ein Spiel hergibt und die ein Trainer richtig deuten muss – auch wenn sie nicht so geplant waren. Viele Trainer deuten das falsch und geben total unterschiedlichen Spielertypen dieselben Rollen. Dann klappt es aber nicht mehr und der Trainer weiß nicht wieso. Dabei ist er dann verantwortlich, weil er die falschen Schlüsse gezogen hat. Zurück zur verpassten WM-Quali… Spiele werden häufig durch Zufälle und unvorhersehbaren Dingen gewonnen und verloren. Dass du Spiel X gewinnen konntest, hat nichts mit dem Training zu tun. Es kann mit einzelnen Spielern was zu tun haben, die beispielsweise an dem Tag die Schwächen ihres direkten Gegenspielers ausnutzen konnten. Das ist das Schwierige für einen Trainer, denn er muss erkennen, dass seine Mannschaft dieses Spiel aufgrund von diesem und jenem gewonnen hat und nicht wegen seinem Training. Ich habe das ÖFB-Team deshalb oft kritisiert. Sie haben Spiele durch andere Faktoren gewonnen, waren jedoch überzeugt, dass es hauptsächlich an ihrem vorbereiteten Plan lag. Du hast vorher Maximilian Wöber angesprochen. Er kam zuletzt zu seinem Teamdebüt, wie noch einige andere Nachwuchstalente. Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Fußballs? Die Zukunft ist rosig. Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Hannes Wolf – da kommen richtig tolle Spieler nach. Zuletzt habe ich Philipp Lienhart endlich wieder live gesehen und ich war begeistert, ich finde ihn überragend. Dazu kommt, dass viele aktuelle Stützen auch noch nicht so alt sind. Vielleicht haben wir ein kleines Tormann-Problem, obwohl ich ein Fan von Jörg Siebenhandl bin. Allerdings mache ich mir Sorgen, wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt und an Athletik einbüßt. Aber so weit ist es ja noch nicht. Wie bewertest du generell den österreichischen Nachwuchs? Mir gefällt es, dass wir wenige Klischeespieler haben. Damit meine ich, dass wir zum Beispiel nicht nur schnelle Flügelspieler haben oder große, bullige Innenverteidiger, die jeden Ball wegbolzen. Nehmen wir Kevin Danso oder Lienhart her, die beide sehr geschmeidig und elegant sind. Oder Philipp Schobesberger, der kein klassischer Flügelstürmer, sondern ein sehr intelligenter Fintenläufer, ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Spieler in verschiedene Systeme und Situationen packen kann. So, wie es Klein aktuell bei Werder Bremen zeigt. Das klingt alles recht gut. Ist Österreich also in Zukunft wieder reif für eine Endrunde? Wenn es Island mit einem Durchschnittskader zur WM schafft, dann sollte es auch für Österreich drin sein.

Beim ÖFB soll Andreas Herzog als neuer Teamchef hoch im Kurs stehen. Wird er der Nachfolger von Koller?

Kommen wir zur Frage, die im Moment am heißesten diskutiert wird. Wer wird neuer Teamchef?
Soweit ich weiß, steht Andreas Herzog hoch im Kurs. Aber es ist nicht einfach, das medial durchzubringen. Gibt es ein Anforderungsprofil, in dem Andreas Herzog an erster Stelle stehen kann? Meiner Meinung nach, kann es keins geben! Er kommt, bei der österreichischen U21 und der U23 der USA, auf knapp 35 Spiele und keine 100 Trainings, die er selbst geleitet hat. Da kommt jeder 20-jährige Nachwuchstrainer, der den Jugendtrainer-Lehrgang absolviert hat, auf eine höhere Anzahl.

Welche Kandidaten gibt es sonst noch?
Mir würden noch Franco Foda und Thorsten Fink einfallen. Fink hat sich zuletzt ja selbst ins Spiel gebracht, Foda jetzt vorsichtig dementiert. Ich denke, es wird einer von diesen drei Kandidaten werden, außer sie zaubern jemanden aus dem Hut.

Mit der Trainersuche wurde der neue Sportdirektor Peter Schöttel beauftragt. Wie beurteilst du ihn?
Ich weiß nicht, wie ich das tun soll. Schöttel hat das letzte Mal vor zehn Jahren als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen. Seine erste Aussage, dass man im körperlichen Bereich zulegen muss, hat mir zwar nicht gefallen, aber man muss abwarten.

Sein Vorgänger Willi Ruttensteiner war 18 Jahre lang an der Macht. Zu lange?
Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Ruttensteiner vor 18 Jahren noch nicht diese Macht hatte, die er zuletzt hatte. Ich frage mich: Wie war seine Kompetenz aufgebaut? Ruttensteiner ist sicher nicht makellos gewesen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er beispielsweise alleinverantwortlich für die Einstellung aller Nachwuchstrainer war. Er wollte anscheinend so viele Kompetenzen wie möglich haben, um niemand Rechenschaft ablegen zu müssen. Da waren einige wohl persönlich beleidigt, weil sie nicht in die Vorgänge involviert waren.

„Schöttel hat seit 10 Jahren nicht mehr als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen.“

Zurück zum Trainer: Welche Mannschaft hinterlässt Marcel Koller seinem Nachfolger?
Auf jeden Fall eine Mannschaft, die gegen den Ball sehr gut geschult ist, ein wunderbares Pressing spielt und tolle Umschaltmomente hat. Wobei sich Koller, meiner Meinung nach, zu sehr auf das Pressing eingeschossen hat.

Wie meinst du das?
Der Hauptgrund für die gute EM-Quali war der Spielaufbau. Das hängt mit Spielern wie Martin Hinteregger zusammen, der bestimmte Spielzüge einfach in sich hat. Egal wo er spielt, er macht sie einfach immer. Auch wenn man den Spielaufbau nicht expliziet trainiert, kann er deine größte Stärke sein. Das kann vom Gegner oder dem eigenen Spielermaterial abhängen. Aber Koller hat den Hauptgrund für den Erfolgslauf nicht im Spielaufbau, sondern im Pressing gesehen. Er hat dem Spielaufbau nicht jenen Wert beigemessen, den er hatte.

War das ein Problem?
Ja das war es, es war der ausschlaggebende Punkt. Der Gegner hat irgendwann verstanden, dass der Spielaufbau die größte Stärke Österreichs ist und uns zugestellt. Aber darauf konnte Koller nicht reagieren, weil er dachte, dass der Erfolg oder Misserfolg in erster Linie vom Pressing abhängen. Das ist es, was im Fußball fast durchgehend passiert. Wenn du Erfolg hast, bist du schnell davon überzeugt, dass es das Resultat deines Trainings ist und den Sachen, die du explizit mit der Mannschaft vorbereitet hast. Alles andere blendest du aus. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir Koller viel zu verdanken haben. Vor sechs Jahren konnten wir nur davon träumen, da zu stehen wo wir jetzt sind.

Warum hat es dann mit der Qualifikation zur WM nicht geklappt?
Im Fußball passieren so viele ungeplante Sachen. Zufallsprodukte können nicht geplant werden, deshalb ist die Taktikanalyse so wichtig. Nehmen wir das Serbien-Spiel her, wo der gelernte Innenverteidiger Maximilian Wöber als Linksverteidiger gespielt hat. Weil Florian Kainz mit Rukavina mitging, rückte Wöber nach innen und verteidigte auf der Position des linken Innenverteidigers. Somit musste Wöber gar nie auf der Linksverteidiger-Position verteidigen und konnte dadurch glänzen.

Das heißt, dass Wöber als Linksverteidiger eine starke Leistung gezeigt hat, weil er im Endeffekt auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung verteidigen konnte?
Genau. Das sind Dynamiken, die ein Spiel hergibt und die ein Trainer richtig deuten muss – auch wenn sie nicht so geplant waren. Viele Trainer deuten das falsch und geben total unterschiedlichen Spielertypen dieselben Rollen. Dann klappt es aber nicht mehr und der Trainer weiß nicht wieso. Dabei ist er dann verantwortlich, weil er die falschen Schlüsse gezogen hat.

Seit bekannt wurde, dass Marcel Koller nach dem Abschluss der WM-Qualifikation nicht mehr Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft ist, geht es rund in der Alpenrepublik. Zwar gab es in den letzten beiden Spielen unter der Führung des Schweizers noch Siege gegen Serbien und Moldawien, doch der erfolgreiche Abschluss der Koller-Ära täuscht nicht über die verpasste WM-Qualifikation hinweg. Der Stachel beim ÖFB sitzt tief, jetzt soll mit dem neuen Sportdirektor Peter Schöttel ein Neustart her. Dieser hat zuerst die alles überstrahlende Frage zu lösen: Wer wird neuer Teamchef? Scarico hat mit Momo Akhondi, Taktikblogger bei 90minuten.at und Experten für das österreichische Nationalteam, gesprochen. Er glaubt, dass Koller in seinen sechs ÖFB-Jahren einen tollen Job gemacht hat und dass viele Journalisten den Schweizer Trainer nicht richtig einschätzen konnten. Was Akhondi über die Zukunft des österreichischen Fußballs sagt und warum er Andreas Herzog nicht als zukünftigen Nationaltrainer sieht, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen. Momo, Österreich wird bei der WM 2018 nicht mit dabei sein. Jetzt muss Trainer Marcel Koller gehen. Die richtige Entscheidung? Ich glaube, dass es nach der verpassten WM-Qualifikation vertretbar ist, nicht mit Koller weiterzumachen. Aber die Frage ist: Kriegt man einen besseren Trainer? Ich glaube nicht. Deshalb hätte ich mit Koller weitergearbeitet. Das musst du uns genauer erklären… Wenn ein anderer Trainer die gleiche Schiene weiterfährt, die Koller eingeschlagen hat, dann bin ich für einen Wechsel. Aber die Landespräsidenten wollen es nicht zu wissenschaftlich haben und deshalb glaube ich, dass man die Koller-Schiene verlässt. Das ist definitiv der falsche Weg. Stichwort Landespräsidenten: Um die gab es in den vergangenen Wochen ja viel Wirbel. Wie sieht ihr Aufgabenbereich aus? Die Landespräsidenten sind für ihr jeweiliges Bundesland zuständig, das fängt schon ganz unten im Breitensport an. Zudem dürfen sie mitwählen, wer Sportdirektor wird. Wie der genaue Aufgabenbereich aussieht, weiß ich aber nicht. Was ich hingegen schon weiß, ist, dass die Rolle der Landespräsidenten vor einem Jahr nicht dieselbe war, wie sie es heute ist. Welche Rolle haben die Landespräsidenten bei der Entlassung von Koller gespielt? Dass Koller gehen muss, wurde bei einer Präsidiumssitzung beschlossen. Die Landespräsidenten sind sicher kluge Leute, aber man muss wissen, dass viele von ihnen keinen fußballerischen Hintergrund haben. Trotzdem wollen sie in fachlichen Dingen mitreden und genau da wird es problematisch. Ich meine, ich würde einen Zahnarzt auch nicht meine Augen-Operation machen lassen. Du spielst auf den niederösterreichischen Landespräsidenten Johann Gartner an… Wenn Gartner sagt, dass in einem Chemiekonzern nicht nur Chemiker am Werk sind, dann hat er damit zwar durchaus recht. Diese Nicht-Chemiker werden aber kaum die Entscheidungsgewalt haben, wer Chefchemiker wird. Solche Entscheidungen wird jemand mitverantworten, der Ahnung davon hat. Deshalb sage ich: In Dingen, wo ich keine Kompetenz habe, sollte ich mich nicht zu sehr einmischen. Welche Lösung schlägst du für das Problem „Landespräsidenten“ vor? Ich bin dafür, dass man das System abspeckt. Das Anforderungsprofil muss anders umschrieben werden. Es sollte kein Ehrenamt mehr sein, sondern hauptberuflich. Dann hätte ein Landespräsident mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Arbeit. Damit kann man gewisse Leute abschrecken. Das aktuelle Profil zieht solche Leute hingegen sogar an. Wie meinst du das? Nehmen wir zum Beispiel den Salzburger Herbert Hübel, der sich zuletzt im ORF über Journalisten lustig gemacht hat. Er sitzt bei Spielen gerne in der VIP-Lounge und genießt die Vorteile eines Landespräsidenten. Solche Leute würden durch eine Umstrukturierung konsekutiv rausgefiltert werden. Vielleicht geht es noch fünf Jahre so weiter, aber dann ist Platz für Leute, die den Job ernst nehmen. Kommen wir zurück zum Sportlichen. Wie beurteilst du die Arbeit von Koller? Ich habe das Heimspiel gegen Belgien unter Didi Constantini noch sehr gut im Kopf, das Österreich zuhause mit 0:2 verloren hat. In Kollers Anfangszeit hat er mit genau denselben Leuten gespielt, aber der Fußball war schnell ein anderer. Österreich hat die EM-Quali mit neun Siegen und einem Unentschieden abgeschlossen. Die Mannschaft war immer auf den Gegner vorbereitet und hatte einen Plan, die Mannschaft wusste was sie tut. Ich finde, Marcel Koller hat einen fantastischen Job gemacht. Du hast die erfolgreiche Qualifikation für die Euro 2016 angesprochen. Was hat Österreich bei der EM falsch gemacht? Der Auftakt gegen Ungarn war schlecht. Der Plan, den Koller da hatte, hat mir nicht gefallen. Die Spielfeldbreite war nicht besetzt, Ungarn hatte uns mit einer simplen Manndeckung gut unter Kontrolle. Gegen Island hat Koller dann umgestellt – wie ich fand, sehr gut. In der Halbzeit hat er dann wieder Formation gewechselt und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Island spielt einen wunderbaren, disziplinierten Fußball, aber es bleibt ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing und ohne herausragenden Spieler. Island war in der ersten Halbzeit noch oft gewungen die Mitte aufzugeben, dann hat Koller umgestellt. Apropos Umstellungen: Koller wird nachgesagt, dass er viel zu wenig umstellt. Was sagst du dazu? Diese These ist meiner Meinung nach problematisch, hat sich aber in den Medien so verbreitet. Dabei können die meisten Journalisten doch nur schwer beurteilen, ob eine Umstellung strategische Vorteile gebracht hat oder nicht. Mir fällt da spontan das Russland-Spiel ein, indem Koller im laufenden Spiel das Pressing umstellte, weil es nicht funktioniert hat. Plötzlich rückte der ballferne Flügelspieler viel weiter ein und es lief. Am Ende hat Österreich das Spiel gewonnen. Aber die Leute sehen nur, wie der Wales-Trainer völlig übermotiviert zwei Stürmer einwechselt und Koller das nicht macht. Wales schießt ein Distanztor, gewinnt das Spiel und die Leute fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt. Wie kam es dann überhaupt dazu, dass Koller dieses Klischee des Nicht-Umstellers anhaftet? Irgendwann hat ein gegnerischer Trainer in einem Interview gesagt: „Wir haben umgestellt.“ Koller hat das nicht gesagt und dann hat sich die öffentliche Meinung gebildet: Koller kann nicht umstellen! Pep Guardiola hat diese Umstell-Kultur reingebracht, aber es ist auch nicht immer gut umzustellen. Ich finde zum Beispiel auch, dass die Umstellung im letzten Spiel gegen Moldawien wenig gebracht hat. Mein Gott, dann steht es zur Pause halt 0:0, aber die Dreierkette im Aufbau war perfekt. Die Umstellung auf Viererkette, auch wenn es alle toll fanden, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: In meinen Augen war es sogar eine Schwächung. Kommen wir zur Frage, die im Moment am heißesten diskutiert wird. Wer wird neuer Teamchef? Soweit ich weiß, steht Andreas Herzog hoch im Kurs. Aber es ist nicht einfach, das medial durchzubringen. Gibt es ein Anforderungsprofil, in dem Andreas Herzog an erster Stelle stehen kann? Meiner Meinung nach, kann es keins geben! Er kommt, bei der österreichischen U21 und der U23 der USA, auf knapp 35 Spiele und keine 100 Trainings, die er selbst geleitet hat. Da kommt jeder 20-jährige Nachwuchstrainer, der den Jugendtrainer-Lehrgang absolviert hat, auf eine höhere Anzahl. Welche Kandidaten gibt es sonst noch? Mir würden noch Franco Foda und Thorsten Fink einfallen. Fink hat sich zuletzt ja selbst ins Spiel gebracht, Foda jetzt vorsichtig dementiert. Ich denke, es wird einer von diesen drei Kandidaten werden, außer sie zaubern jemanden aus dem Hut. Mit der Trainersuche wurde der neue Sportdirektor Peter Schöttel beauftragt. Wie beurteilst du ihn? Ich weiß nicht, wie ich das tun soll. Schöttel hat das letzte Mal vor zehn Jahren als Sportdirektor gearbeitet. Das ist, als würde eine Mannschaft Kurt Jara als Trainer holen. Seine erste Aussage, dass man im körperlichen Bereich zulegen muss, hat mir zwar nicht gefallen, aber man muss abwarten. Sein Vorgänger Willi Ruttensteiner war 18 Jahre lang an der Macht. Zu lange? Als Außenstehender ist das schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass Ruttensteiner vor 18 Jahren noch nicht diese Macht hatte, die er zuletzt hatte. Ich frage mich: Wie war seine Kompetenz aufgebaut? Ruttensteiner ist sicher nicht makellos gewesen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er beispielsweise alleinverantwortlich für die Einstellung aller Nachwuchstrainer war. Er wollte anscheinend so viele Kompetenzen wie möglich haben, um niemand Rechenschaft ablegen zu müssen. Da waren einige wohl persönlich beleidigt, weil sie nicht in die Vorgänge involviert waren. Zurück zum Trainer: Welche Mannschaft hinterlässt Marcel Koller seinem Nachfolger? Auf jeden Fall eine Mannschaft, die gegen den Ball sehr gut geschult ist, ein wunderbares Pressing spielt und tolle Umschaltmomente hat. Wobei sich Koller, meiner Meinung nach, zu sehr auf das Pressing eingeschossen hat. Wie meinst du das? Der Hauptgrund für die gute EM-Quali war der Spielaufbau. Das hängt mit Spielern wie Martin Hinteregger zusammen, der bestimmte Spielzüge einfach in sich hat. Egal wo er spielt, er macht sie einfach immer. Auch wenn man den Spielaufbau nicht expliziet trainiert, kann er deine größte Stärke sein. Das kann vom Gegner oder dem eigenen Spielermaterial abhängen. Aber Koller hat den Hauptgrund für den Erfolgslauf nicht im Spielaufbau, sondern im Pressing gesehen. Er hat dem Spielaufbau nicht jenen Wert beigemessen, den er hatte. War das ein Problem? Ja das war es, es war der ausschlaggebende Punkt. Der Gegner hat irgendwann verstanden, dass der Spielaufbau die größte Stärke Österreichs ist und uns zugestellt. Aber darauf konnte Koller nicht reagieren, weil er dachte, dass der Erfolg oder Misserfolg in erster Linie vom Pressing abhängen. Das ist es, was im Fußball fast durchgehend passiert. Wenn du Erfolg hast, bist du schnell davon überzeugt, dass es das Resultat deines Trainings ist und den Sachen, die du explizit mit der Mannschaft vorbereitet hast. Alles andere blendest du aus. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir Koller viel zu verdanken haben. Vor sechs Jahren konnten wir nur davon träumen, da zu stehen wo wir jetzt sind. Warum hat es dann mit der Qualifikation zur WM nicht geklappt? Im Fußball passieren so viele ungeplante Sachen. Zufallsprodukte können nicht geplant werden, deshalb ist die Taktikanalyse so wichtig. Nehmen wir das Serbien-Spiel her, wo der gelernte Innenverteidiger Maximilian Wöber als Linksverteidiger gespielt hat. Weil Florian Kainz mit Rukavina mitging, rückte Wöber nach innen und verteidigte auf der Position des linken Innenverteidigers. Somit musste Wöber gar nie auf der Linksverteidiger-Position verteidigen und konnte dadurch glänzen. Das heißt, dass Wöber als Linksverteidiger eine starke Leistung gezeigt hat, weil er im Endeffekt auf seiner Idealposition in der Innenverteidigung verteidigen konnte? Genau. Das sind Dynamiken, die ein Spiel hergibt und die ein Trainer richtig deuten muss – auch wenn sie nicht so geplant waren. Viele Trainer deuten das falsch und geben total unterschiedlichen Spielertypen dieselben Rollen. Dann klappt es aber nicht mehr und der Trainer weiß nicht wieso. Dabei ist er dann verantwortlich, weil er die falschen Schlüsse gezogen hat. Zurück zur verpassten WM-Quali… Spiele werden häufig durch Zufälle und unvorhersehbaren Dingen gewonnen und verloren. Dass du Spiel X gewinnen konntest, hat nichts mit dem Training zu tun. Es kann mit einzelnen Spielern was zu tun haben, die beispielsweise an dem Tag die Schwächen ihres direkten Gegenspielers ausnutzen konnten. Das ist das Schwierige für einen Trainer, denn er muss erkennen, dass seine Mannschaft dieses Spiel aufgrund von diesem und jenem gewonnen hat und nicht wegen seinem Training. Ich habe das ÖFB-Team deshalb oft kritisiert. Sie haben Spiele durch andere Faktoren gewonnen, waren jedoch überzeugt, dass es hauptsächlich an ihrem vorbereiteten Plan lag. Du hast vorher Maximilian Wöber angesprochen. Er kam zuletzt zu seinem Teamdebüt, wie noch einige andere Nachwuchstalente. Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Fußballs? Die Zukunft ist rosig. Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Hannes Wolf – da kommen richtig tolle Spieler nach. Zuletzt habe ich Philipp Lienhart endlich wieder live gesehen und ich war begeistert, ich finde ihn überragend. Dazu kommt, dass viele aktuelle Stützen auch noch nicht so alt sind. Vielleicht haben wir ein kleines Tormann-Problem, obwohl ich ein Fan von Jörg Siebenhandl bin. Allerdings mache ich mir Sorgen, wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt und an Athletik einbüßt. Aber so weit ist es ja noch nicht. Wie bewertest du generell den österreichischen Nachwuchs? Mir gefällt es, dass wir wenige Klischeespieler haben. Damit meine ich, dass wir zum Beispiel nicht nur schnelle Flügelspieler haben oder große, bullige Innenverteidiger, die jeden Ball wegbolzen. Nehmen wir Kevin Danso oder Lienhart her, die beide sehr geschmeidig und elegant sind. Oder Philipp Schobesberger, der kein klassischer Flügelstürmer, sondern ein sehr intelligenter Fintenläufer, ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Spieler in verschiedene Systeme und Situationen packen kann. So, wie es Klein aktuell bei Werder Bremen zeigt. Das klingt alles recht gut. Ist Österreich also in Zukunft wieder reif für eine Endrunde? Wenn es Island mit einem Durchschnittskader zur WM schafft, dann sollte es auch für Österreich drin sein.

Akhondi: „Der Moment wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt macht mir Sorgen.“

Zurück zur verpassten WM-Quali…
Spiele werden häufig durch Zufälle und unvorhersehbaren Dingen gewonnen und verloren. Dass du Spiel X gewinnen konntest, hat nichts mit dem Training zu tun. Es kann mit einzelnen Spielern was zu tun haben, die beispielsweise an dem Tag die Schwächen ihres direkten Gegenspielers ausnutzen konnten. Das ist das Schwierige für einen Trainer, denn er muss erkennen, dass seine Mannschaft dieses Spiel aufgrund von diesem und jenem gewonnen hat und nicht wegen seinem Training. Ich habe das ÖFB-Team deshalb oft kritisiert. Sie haben Spiele durch andere Faktoren gewonnen, waren jedoch überzeugt, dass es hauptsächlich an ihrem vorbereiteten Plan lag.

Du hast vorher Maximilian Wöber angesprochen. Er kam zuletzt zu seinem Teamdebüt, wie noch einige andere Nachwuchstalente. Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Fußballs?
Die Zukunft ist rosig. Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Hannes Wolf – da kommen richtig tolle Spieler nach. Zuletzt habe ich Philipp Lienhart endlich wieder live gesehen und ich war begeistert, ich finde ihn überragend. Dazu kommt, dass viele aktuelle Stützen auch noch nicht so alt sind. Vielleicht haben wir ein kleines Tormann-Problem, obwohl ich ein Fan von Jörg Siebenhandl bin. Allerdings mache ich mir Sorgen, wenn Marko Arnautovic in die Jahre kommt und an Athletik einbüßt. Aber so weit ist es ja noch nicht.

Wie bewertest du generell den österreichischen Nachwuchs?
Mir gefällt es, dass wir wenige Klischeespieler haben. Damit meine ich, dass wir zum Beispiel nicht nur schnelle Flügelspieler haben oder große, bullige Innenverteidiger, die jeden Ball wegbolzen. Nehmen wir Kevin Danso oder Lienhart her, die beide sehr geschmeidig und elegant sind. Oder Philipp Schobesberger, der kein klassischer Flügelstürmer, sondern ein sehr intelligenter Fintenläufer, ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Spieler in verschiedene Systeme und Situationen packen kann. So, wie es Klein aktuell bei Werder Bremen zeigt.

Das klingt alles recht gut. Ist Österreich also in Zukunft wieder reif für eine Endrunde?
Wenn es Island mit einem Durchschnittskader zur WM schafft, dann sollte es auch für Österreich drin sein.