Ist die 15-jährige Ukrainerin das neue Wunderkind im Damentennis?

Als Marta Kostyuk nach ihrem Zweitrundensieg in den Pressekonferenzraum der Australian Open blickte, stockte ihr kurz der Atem. „Oh Gott, das macht mir Angst“, sagte die Ukrainerin erschrocken, als sie die vielen anwesenden Medienvertreter sah. Momente, in denen man merkt, dass sie erst 15 Jahre alt ist. Auf dem Tenniscourt ist davon wenig zu sehen.

In einem Alter, wo andere um gute Noten in der Schule kämpfen, kämpft Kostyuk um Weltranglisten-Punkte und hunderttausende von Dollar Preisgeld. Und sie steht im Fokus der Welt. Als jüngste Spielerin seit der Schweizerin Martina Hingis kam die Ukrainerin bei den Australian Open in die dritte Runde. Das vor 22 Jahren, 1996.

Doppelt so viele Journalisten wie bei der Siegerin

Dass Kostyuk überhaupt bei den Australian Open 2018 an den Start gehen konnte, verdankte sie einer Wildcard. Diese hatte sie bekommen, weil sie ein Jahr zuvor das Junioren-Turnier der Australian Open gewonnen hatte. Es war ihr erster Auftritt bei einem Jugend-Grand-Slam.

Marta Kostyuk: Superstar oder Eintagsfliege?

Bereitete dem Erfolgslauf ein Ende: Elina Svitolina, die beste Ukrainerin der Gegenwart. (Foto: Christian Mesiano/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Zwölf Monate später ist der Hype um die junge Ukrainerin riesig. Verständlich, immerhin zog Kostyuk ohne Satzverlust in die dritte Runde ein. Dort war dann aber Endstation. Elina Svitolina, 23, ebenfalls aus der Ukraine machte ihrer jungen Landsfrau in zwei Sätzen den Gar aus. Am Ende der Partie scharrte Kostyuk aber mehr als doppelt so viele Journalisten um sich, als die beste ukrainische Tennisspielerin der Gegenwart. Es ist ein Wahnsinn.

Ein Interview, mit markanten Aussagen

Nach ihrem Auftaktsieg über die Chinesin Peng Shuai veröffentlichte das Tennis-Portal „WTA Insider“ ein Interview, in dem Kostyuk sagte, dass sie Tennis nie gemocht habe. Dass sie rund um die Uhr trainiert und gespielt hat, habe sie nur ihrer Mutter zuliebe gemacht. Zwar korrigierte die 15-Jährige ihre Aussage einen Tag später, doch Zweifel bleiben.
Kostyuks Mutter, Talina Beiko, war selbst Profi-Tennisspielerin. Richtig stark war sie zwar nie, aber immerhin schaffte sie es 1994 unter die Top-400 der Welt. Beiko ist bei allen Turnieren ihrer Tochter dabei. Genauso wie der Manager. Dieser heißt Ivan Ljubicic und ist der ewige Konkurrent von Roger Federer. Dass ihr ein ehemaliger Weltklasse-Spieler zur Seite steht, findet Kostyuk ziemlich cool. Dabei stand sie mit 13 Jahren weder auf Ljubicic noch auf den Schweizer. Ihr Idol war der serbische Superstar Novak Djokovic. Sie wollte ihn sogar heiraten, sagt Kostyuk heute.

Sie hat Talent, Willen und Demut

Wohin der Weg von Marta Kostyuk gehen wird? Das kann man zur Zeit noch nicht sagen. Sicher ist nur eines: Sie ist ein großes Talent, hat Potenzial für die Weltspitze und scheint auch den Willen zu haben, um in der rauen Tenniswelt zu bestehen. Die 15-Jährige weiß, dass ihr Können allein nicht ausreicht: „Dass ich Talent habe, weiß ich. Aber das hilft mit nicht weiter. Ich muss hart arbeiten und ich glaube, dass ich das schon jetzt von mir behaupten kann.“