Im Frühjahr 2016 war Marco Giampaolo einer der gefragtesten Trainer der Serie A. In der soeben abgeschlossenen Saison hatte er das Erbe von Maurizio Sarri bei Empoli erfolgreich fortgeführt. Dabei schien seine Karriere ein Jahr zuvor schon vorbei zu sein. Nach mehreren erfolglosen Versuchen sich in der Serie A zu etablieren, war Giampaolo in der Lega Pro, der 3. italienischen Liga gestrandet.

Der Weg zum Trainer

Marco Giampaolo wurde am 2. August 1967 im Schweizer Bellizona geboren. Als Profifußballer schaffte er es bis in die Serie B, sonderlich erfolgreich war er dort aber nicht. Nach seinem Karriereende heuerte er bei Pescara als Scout an. Schon bald stieg er bei den Hellblauen aus der Emilia Romagna zum Co-Trainer auf. 2006 war es schließlich so weit. Cagliari-Präsident Massimo Cellino hatte den damals 39-Jährigen als neuen Trainer auserkoren, es Begann die lange Odyssee des Marco Giampaolo.
Cellino galt schon immer als schräger Vogel unter den Vereinspräsidenten und so dauerte es nicht lange, bis Giampaolo zum ersten Mal seinen Hut nehmen musste. Im Dezember 2006 wurde er entlassen, zwei Monate später kehrte Giampaolo nach Sardinien zurück. Der drohende Abstieg in die Serie B wurde verhindert, Giampaolo durfte bleiben. Im November 2007 entließ der Präsident seinen Trainer erneut, sechs Wochen später wollte er ihn erneut zurückholen. Doch dieses Mal Giampaolo hatte die Schnauze voll. „Es ist es nicht wert. Ehre und Würde haben keinen Preis“, sagte er und lehnte ab. Ähnlich erging es ihm 2014 bei Brescia. Nach nur wenigen Spieltagen, einer Niederlage gegen Crotone und einem Disput mit den Fans im Gepäck, erschien Giampaolo nicht zum Training. Stattdessen reichte er bei der Klubführung seinen Rücktritt ein. Im Frühjahr wollte ihn Brescia zurückholen, doch er wollte nicht. „Bei Brescia gab es viele böse Worte. Ich habe für mein Engagement dort teuer bezahlt, aber ich würde alles noch einmal genauso machen“, sagt Giampaolo heute. Mit „teuer bezahlt“ meint Giampaolo die folgenden Monate. Ein Jahr lang war er ohne Job – für Giampaolo aber kein ungewohntes Gefühl. Schon zuvor war er bei Cesena, Catania uns Siena entlassen worden. Bei Letzteren übrigens nachdem er mit dem Verein die beste Spielzeit der Klubgeschichte gespielt hatte. Verrücktes Italien.

Was zeichnet Giampaolo aus?

Giampaolo ist ein moderner Trainer, der auf eine gute Periodisierung und personelle Rotation setzt. Er lässt seine Mannschaften bevorzugt in einer 4-3-1-2-Raute auflaufen. Allerdings betont er stets, dass das System unwichtig ist und es nicht mehr als Zahlenspiele sind wenn über das Spielsystem einer Mannschaft diskutiert wird. Trotzdem haben sich mittlerweile einige Fixpunkte in Giampaolos System heraus kristallisiert. So setzt er immer auf einen zentralen Sechser und zwei Achter davor. Die Abwehr- und Sturmreihen variieren hingegen. So spielte Giampaolo schon mit Dreier-und Viererkette, ebenso mit einem, zwei oder drei Spitzen.

„Ehre und Würde haben keinen Preis!“

Marco Giampaolo, nach seinem Abschied aus Cagliari

2014 holte der italienische Drittligist Cremonese den Trainer Marco Giampaolo aus der Versenkung. Die Lombarden hatten hohe Ambitionen, immerhin war man im Jahr davor nur knapp am Aufstieg in die Serie B gescheitert. Doch es kam anders. Cremonese wurde nur Achter und in der Saison darauf wurde Giampaolo beim Lega-Pro-Verein entlassen. Die Trainerkarriere schien zu platzen, doch was niemand wusste: Zu diesem Zeitpunkt stand er schon auf den Notizblöcken der Empoli-Scouts. Diese hatten in ihm den idealen Nachfolger von Maurizio Sarri, den es zu Napoli zog, ausgemacht. Empoli war als Abstiegskandidat Nummer 1 in die Saison gestartet, zeigte aber erfrischenden, kombinativen Fußball und schaffte am Ende locker den Klassenerhalt. Im Sommer 2016 verließen allerdings viele Leistungsträger den Klub, Giampaolos Scheitern schien vorprogrammiert zu sein. Doch der Coach bewies, dass er Sarri – nicht nur was das Rauchen und den geliebten Espresso angeht – sehr ähnlich ist. Anstatt die Mannschaft komplett umzukrempeln wurde sie von Giampaolo lediglich modifiziert – und das erfolgreich. Am Ende der Saison stand Platz 10 zu Buche und was für die Empoli-Fans fast noch wichtiger war: Der erste Derbysieg gegen die Fiorentina seit 19 Jahren.

Von Empoli nach Genua

Giampaolos Leistungen bei den Toskanern blieben nicht ohne Folge. Schon bald brachten ihn die italienischen Sportgazetten mit Großklubs wie Milan und die Fiorentina in Verbindung. Am Ende wechselte er nach Genua, genauer gesagt zur dort ansässigen Sampdoria. Bei den Liguriern fand er einen optimalen Kader für seine geliebte Raute vor. Giampaolo adaptierte den Spielstil von Empoli und fand in Lucas Torreira und Karol Linetty zwei junge, hochtalentierte Mittelfeldspieler vor. Die beiden prägen das Spiel der Sampdoria.

„Ich würde die Leistung meiner Mannschaft nie am Resultat beurteilen. Das wäre ein Understatement.“

Marco Giampaolo

Während der Torreira von der Sechs aus die Fäden zieht, ist Linetty (er kam im Sommer 2016 von Lech Posen zur Samp) auf der linken Achterposition zuhause. Um ihnen herum variieren die Personalien. Meistens spielt Gianluca Caprari auf der Zehn und der hochgelobte Dennis Praet (er kostete 10 Millionen Euro) auf der rechten Halbposition. Aber auch Ex-Inter-Spieler Ricky Alvarez, Gastòn Ramirez und Edgar Barreto kommen auf ihre Einsätze. Im Sturm hingegen ist die Samp nicht so hochkarätig besetzt. Dort ist vor allem Altmeister Fabio Quagliarella für die Tore zuständig. Ein interessanter Mann ist der Pole Dawid Kowniacki. Er kam vor der Saison von Lech Posen und erzielte gegen Crotone seinen ersten Treffer in der Serie A.