Die Lage in der Landesliga zur Winterpause

Es ist Halbzeit in Fußball-Südtirol. Scarico nimmt alle Fußballligen unter die Lupe und sagt euch, wie es für die Teams gelaufen ist. Liegen die Favoriten vorne oder gibt es Überraschungs-Herbstmeister? Wer sind die Top’s und wer die Flop’s? Ein Überblick über die Landesliga.

Nachdem die 3. Amateurliga und die 2. Amateurliga schon vor einigen Wochen in Winterpause gegangen sind, folgte Ende November die 1. Amateurliga. Mittlerweile haben sich alle Amateurfußballer in Südtirol in die Winterpause verabschiedet – auch die Landesligisten. Dort stehen nach 16. Spieltagen drei Teams punktgleich an der Spitze. Es gibt also nicht einen Herbstmeister, sondern gleich deren drei.

Landesliga: Aller guten Dinge sind drei

Lana-Stürmer Lukas Hofer war in der Hinrunde auch von Voran Leifers (in gelb) nicht zu halten. In 16 Spielen traf er 21-mal.

Drei Mannschaften an der Spitze

Lana, Eppan, Partschins. Diese drei Mannschaften waren im Sommer als die Kandidaten mit den größten Titelchancen auserkoren worden. Eine halbe Saison später hat sich diese Prognose bewahrheitet. Es spricht nicht für die Qualität der Landesliga, dass Mannschaften die sechs von 16 Spielen nicht gewinnen konnten, an der Tabellenspitze stehen. Dennoch scheint fix: Der Landesliga-Meister 2018 kommt aus diesem Trio.
Einiges spricht dabei für Eppan. Während sich Lana und Partschins in vielen Bereichen ähneln, heben sich die Überetscher ab. Die Abwehr ist deutlich stabiler als jene der Konkurrenten, dafür hakt es im Angriff. Allerdings trifft auch Eppan konstant (27 Tore), nur halt nicht in dieser Masse wie Lana oder Partschins. Vor allem Lana ist eine Tormaschine. Satte 45-mal haben Lukas Hofer & Co. getroffen – eine Wahnsinnsquote. Um die Ziffern zu vervollständigen: Partschins hat 34 Treffer erzielt. Allerdings haben die Untervinschger die schwächste Defensive aller drei Herbstmeister. 23-mal mussten Keeper Andreas Nischler und seine Vorderleute den Ball aus dem eigenen Netz holen. Lana ist ähnlich schwach, wenn es um das Toreverhindern geht. 22 Gegentore sind für ein Spitzenteam nämlich sehr viel. Da haben es die Eppaner besser. Sie können auf ein defensives Bollwerk um Innenverteidiger Christian Avancini bauen. Nur elf Treffer kassierten die Rot-Weißen in 16 Spielen. Das ist ein absoluter Topwert.
Was ebenfalls für Eppan spricht, ist die Erfahrung. Elf Jahre lang spielte die Truppe von Trainer Max Nanni in der Oberliga. Da können Lana und Partschins nicht mithalten. Sie profitieren von einem starken Nachwuchs (vor allem Lana hat herausragende Jugendspieler) und ihren Ausnahmekönnern. Bei Lana ist Lukas Hofer viel zu gut für die Landesliga, bei Partschins die Rungg-Brüder Armin und Felix. Solche Spieler können den Unterschied machen und in dem Dreier-Gedränge für den Titel sorgen.

Das Mittelfeld-Geplänkel

Dass die Mannschaften hinter dem Spitzentrio noch einmal in das Titelrennen einsteigen, ist unwahrscheinlich. Schlern, Milland und der SC Passeier sind froh, wenn sie nicht gegen den Abstieg kämpfen müssen. Die aktuellen Höhenflüge nimmt man gerne mit, die Ziele waren aber andere. Die Vorjahres-Überraschung Stegen durfte man im Spitzenfeld erwarten. Das liegt am starken Kollektiv um Schlussmann Fabian Masoni und dem Trainerduo Thomas Piffrader/Manfred Villgratner.
Voran Leifers und der Weinstraße Süd hätte man zwar mehr zugetraut als einen hinteren Mittelfeld-Platz zur Winterpause, doch auch dort kann man mit der Situation leben. Dass man trotzdem nach Höherem strebt, zeigen die Transfergerüchte. Vor allem im Unterland (der Trientner Andrea Gattamelata soll laut „Sportnews.bz“ vor einem Wechsel zur Weinstraße Süd stehen) will man auch kurzfristig wieder ein Wörtchen um den Oberliga-Aufstieg mitreden. Aufsteiger Latsch schwimmt ebenfalls in sicheren Gewässern. Mehr war von den Vinschgern, die erst im Sommer in die Landesliga zurückgekehrt sind, auch nicht erwarten.

Landesliga: Aller guten Dinge sind drei

Zwei Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld: Latsch (in rot) und Salurn sollten den Abstiegskampf im Auge behalten.

Die halbe Liga steckt im Abstiegskampf

Mit Pauken und Trompeten ist Meran nach einigen Jahren Absenz in die Landesliga zurückgekommen. Als Ziel wurde der Durchmarsch in die Oberliga angegeben. Ein Trugschluss, den Meran ist weder strukturell noch qualitativ gut genug dafür. Der Kader ist Landesliga-Mittelmaß (da hilft auch der neue Stürmer Martin Blaas von Naturns wenig), Trainer Max Bertinato fehlt das halbe Jahr gesperrt und im Verein geht es drunter und drüber. So spielt Meran auch heuer wieder in Sinich. Das städtische Combi-Stadion ist den Rot-Schwarzen zu teuer. Am Anfang der Saison sah das noch anders aus. Der FC Meran müsse im Combi-Stadion spielen, so der Tenor aus der Führungsriege. Jetzt hat man es wieder Olimpia Meran überlassen, einem Verein der wohl bald in der 3. Amateurliga spielt. Auch sportlich läuft es nicht rund. Der Saisonstart war eine Katastrophe, mittlerweile hat man sich ein wenig erholt. Mit dem Aufstieg wird es aber sicher nichts. Stattdessen müssen die Passerstädter aufpassen, nicht abzusteigen. Auch wenn sie bisher erst 11 Punkte gesammelt haben, wird es am Ende wohl dazu reichen. Dafür wird der Winter-Transfermarkt sorgen.
Plose, Latzfons Verdings und Schlusslicht Freienfeld haben es da schwerer. Sie müssen mit den verfügbaren Kräften auskommen. Bei Plose war die Personaldecke zuletzt so dünn, dass Trainer Matthias Regele auf den Platz zurückkehrte. Zudem sind die Eisacktaler die Schießbude der Liga. Im Schnitt muss Tormann Armin Markart über zwei Tore pro Spiel einstecken – eindeutig zu viel um Spiele zu gewinnen. Freienfeld kämpft mit anderen Problemen. Dort fehlen die Tore. Erst 11 mickrige Törchen brachten die Grünen aus dem Wipptal zu Stande. Zumindest Neuzugang Patrick Graus (er kam nach 20 Treffern im Vorjahr aus der 3. Amateurliga von Wiesen) stellt Landesliga-Niveau unter Beweis. Er ist die große Überraschung bei Freienfeld.
Salurn und Bruneck haben aktuell einige Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone, zu sicher sein sollten sich die beiden aber nicht. Während der Zeiger bei Oberliga-Dino Salurn konstant nach unten zeigt, verläuft die Saison in Bruneck ebenfalls enttäuschend. Nach der knappen Rettung im Vorjahr, sollte es unter Neu-Trainer Roberto Fuschini bergauf gehen. Weit gefehlt, es wird wieder bis zum Schluss um den Klassenerhalt gekämpft werden müssen. Auch Latsch sollte sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen – trotz Bomber Mattia Lo Presti (14 Tore) und 10 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Landesliga: Aller guten Dinge sind drei

Meran-Keeper Daniele Lazzaro wird im Winter neue Mitspieler bekommen. Damit soll das Minimal-Ziel „Klassenerhalt“ unter Dach und Fach gebracht werden.

Wer sind die Überraschungen?

Passeier und Schlern. Wer hätte mit diesen beiden Teams auf Platz 4 und 5 gerechnet? Wohl niemand. Während sich die Mannschaft aus St. Leonhard kontinuierlich weiterentwickelt und Trainer Renè Rella einen hervorragenden Job macht, profitiert Schlern von der Rückkehr von Torjäger Markus Lantschner. Der 18-fache Torschütze aus dem Vorjahr erklärte im Sommer seinen Rücktritt vom Fußball, entschied sich aber zu einem Comeback. Dass das von Erfolg gekrönt war beweist nicht nur die Tabellensituation, sondern auch seine 11 Tore. Eine sehr positive Halbserie hat auch Aufsteiger Milland hinter sich. Angesichts der Transferoffensive im Sommer, konnte man damit aber rechnen.

Wer sind die Enttäuschungen?

Meran und Latzfons Verdings. Während die Kurstädter wochenlang die Realität verkannten (nach einem Punkt aus den ersten 6 Spielen wurde noch immer vom Meistertitel gesprochen), kommt der Absturz von Latzfons Verdings überraschend. Körperlich herausragend und mit der fünftbesten Abwehr der Liga, sollte es für die Eisacktaler in der Rückrunde aber nach oben gehen. Allerdings sollte man sich etwas für das Jugendspieler-Problem überlegen. Die Wenigen die man hat, sind nicht ligatauglich. Mehr erwarten konnte man sich auch von der Weinstraße Süd. Dort steht Coach Marco Marzari auf der Kippe. Der Grund: der zweitschlechteste Sturm der Liga (nur 17 Tore).

Der Spieler der Hinrunde

Lukas Hofer, Lana

Landesliga, 16 Spiele, 21 Tore. Noch Fragen?

Fotos: Dieter Runggaldier