Ist Italien überhaupt gut genug für die WM?

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Italien wäre eine Katastrophe. Dieser Meinung sind nicht nur viele Fans und Fußballliebhaber, sondern auch Carlo Tavecchio. Der italienische Verbandschef geht sogar noch eine Stufe weiter und betitelte eine Nicht-Qualifikation Italiens als Apokalypse. Kurzum: Eine WM ohne Italien gibt es nicht. Oder doch?

Keine WM ohne Italien

Leonardo Bonucci soll zusammen mit Barzagli und Chiellini die famose „BBC“-Abwehrreihe bilden. (Foto: Clèment Bucco-Lechat/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Eine Frage die in letzter Zeit oft gestellt wurde, ist diese: Wie oft war Italien bei einer WM dabei? Die Antwort: 18-mal war Italien mit dabei. Es geht schneller, wenn man aufzählt, wie oft die Squadra Azzurra nicht mit dabei war. Das war zweimal der Fall. 1930 hatten die Italiener keine Lust mit dem Schiff ins entfernte Uruguay zu schippern, 1958 scheiterte man zum einzigen Mal in der Geschichte an der Qualifikation. Dieses Schicksal droht auch heuer, denn mit Schweden hat Italien den schwierigsten Gegner im WM-Play-off erwischt. Dass sich auch die Nordländer nicht über das Los freuen ist klar. Für Italien gibt es aber noch einen ganz besonderen Anreiz: das Aus bei der Europameisterschaft 2004.

Der legendäre „biscotto“ von 2004

Als die Play-off-Spiele für die WM 2018 ausgelost waren, war in den italienischen Zeitungsredaktionen die Hölle los. Das Nachsitzen in der Qualifikation schlägt den Italienern ohnehin schon schwer auf den Magen und dann zieht man auch noch ausgerechnet dieses Los: Schweden!
Dass die Italiener noch eine Rechnung mit Schweden offen haben, liegt 14 Jahre zurück. Bei der EM 2004 in Portugal torkelte die Squadra Azzurra unter Trainer Giovanni Trapattoni durch die Gruppenphase. Am Ende hätte den Italienern ein Sieg gegen Bulgarien zum Weiterkommen gereicht, wenn sich Dänemark und Schweden nicht mit 2:2 getrennt hätten. Genau dieses 2:2-Unentschieden bedeutete für die beiden Skandinavier nämlich den Aufstieg in das Viertelfinale. Italien musste die Koffer packen und witterte einen Skandal. Rekordnationalspieler Gianluigi Buffon zürnte nach dem Spiel: „Irgendjemand sollte sich heute schämen und das sind nicht wir!“

Keine WM ohne Italien

Giovanni Trappattoni scheiterte mit Italien bei der EM 2004 in der Vorrunde. Bis heute hat Italien diese Schmach nicht vergessen. (Foto: Michael Kranewitter/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Italiener sind ein abergläubisches Volk und vermuten hinter jedem Ereignis eine Verschwörung. Wenn es um Fußball geht, dann ist es noch einmal schlimmer. So dauerte es nicht lange und es war von einem „biscotto“, also einem abgekarteten Spiel der beiden Nordländer, die Rede. Befeuert wurden diese Gerüchte, als ein Dialog zwischen dem Dänen Daniel Jensen und dem Schweden Erik Edman vom Magazin „Offside“ publik gemacht wurde. Die beiden waren zu diesem Zeitpunkt Teamkollegen bei Heerenveen und sollen sich beim Aufwärmen auf ein 2:2-Unentschieden geeinigt haben. Ob es wirklich so war, darüber kann nur spekuliert werden. Fakt ist, dass Dänen-Torwart Thomas Sörensen mit zwei haarsträubenden Fehlern den Schweden zweimal den Ausgleich ermöglichte.

Giorgio Chiellini, das Schwein

Albin Ekdal war 19 Jahre alt, als er 2008 zu Juventus wechselte. Viele Spiele hat der Schwede für die Turiner nicht gemacht, die Erkenntnis dass Giorgio Chiellini auf dem Platz ein Schwein ist, ist ihm aber geblieben. Das gab Ekdal zumindest bei einem Medientermin im schwedischen Trainingszentrum Pornichet zu Protokoll. „Er beeinflusst den Schiedsrichter und schauspielert dauernd“, meinte Ekdal und ergänzte: „Vielleicht sollten wir es auch so versuchen.“ Chiellini hat auf die Aussagen seines ehemaligen Teamkollegen nie reagiert. Warum sollte er auch, immerhin ist ihm im Gegensatz zu Ekdal die große Karriere gelungen.

„Auf dem Platz ist Chiellini ein Schwein!“

Albin Ekdal, Schweden-Mittelfeldspieler und Ex-Chiellini-Teamkollege

Gegen Schweden wird Chiellini aller Voraussicht nach zusammen mit Leonardo Bonucci und Andrea Barzagli die Abwehrreihe von Italien bilden. Damit ist die berühmte „BBC“-Abwehrkette, die mit Juventus sechs Meistertitel in Folge gewann, wieder vereint. Nachdem das 4-4-2-System von Nationaltrainer Gianpiero Ventura bisher nicht funktioniert hat, pochen die Routiniers auf eine Rückkehr zum 3-5-2. Stand jetzt wird Ventura nachgeben und von seinem favorisierten Spielsystem, das er übrigens als 4-2-4 und nicht als 4-4-2 bezeichnet, abrücken und zu Altbewährtem zurückkehren. Altbewährt trifft dabei nicht nur auf die Dreierkette zu, sondern auch auf die „BBC“-Abwehrreihe. Im Schnitt sind Barzagli, Bonucci und Chiellini 33 Jahre alt, doch mit den Verteidigern ist es wie mit italienischem Wein: je älter, umso besser. Der italienische Fußball zehrt von solchen routinierten Spielern. Die Jungen haben bei weitem nicht immer überzeugt. Das beste Beispiel ist Marco Verratti. Er spielt bei Paris Saint-Germain eine gute Rolle, konnte in der Nationalelf aber noch nie überzeugen.

Buffon auf dem Weg zum Rekord

Keine WM ohne Italien

Gianluigi Buffon ist Italiens Rekordnationalspieler. Qualifiziert sich sein Land für die WM 2018, ist er der einzige Spieler, der bei sechs Weltmeisterschaften mit dabei war. (Foto: Doha Stadium/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Gianluigi Buffon wird in Italien der „Ewige Gigi“ genannt. Das kommt nicht von ungefährt. Als Buffon im Oktober 1997 sein Debüt für die italienische Nationalmannschaft feierte, war die Fußballwelt noch eine andere. In der Abwehr rührten Paolo Maldini und Alessandro Nesta Beton an, im Mittelfeld zog Roberto Baggio die Fäden und im Angriff wirbelten Christian Vieri und Fabrizio Ravanelli. Seinem Debütspiel, das übrigens ein WM-Play-off-Spiel gegen Russland war, folgten 172 Einsätze im Trikot der Squadra Azzurra. Weil Buffon als Torhüter normalerweise nicht im italienischen Azurblau aufläuft, bekam er vor wenigen Wochen gegen Mazedonien ein hellblaues Tormanntrikot maßgeschneidert. Ehre, wem Ehre gebührt.
Buffon ist ein Mann der Rekorde. In der lange Liste der italienischen Fußball-Nationalspieler ist er der Rekordnationalspieler. Buffon könnte auch der erste Spieler der Welt sein, der an sechs Weltmeisterschaften teilnimmt. Das klappt aber nur, wenn sich Italien gegen Schweden durchsetzt und in Russland mit dabei ist. Bisher muss sich Super-Gigi den Rekord mit Lothar Matthäus und dem Mexikaner Antonio Carbajal teilen. Beide waren bei fünf WM-Endrunden mit dabei.

Fazit

Italien hat qualitativ mehr zu bieten als Schweden. Trotzdem: Der Druck ist riesig und auch wenn in Italien niemand einen Gedanken daran verschwendet, ist eine WM ohne Italien keine Utopie.