Über die Kolumne

Im Sommer 2016 startete Patrick Egger als Außenverteidiger eines Südtiroler Amateurvereins in die neue Saison. Ein Jahr später hatte er „seinen“ SV Ulten zum Meistertitel und dem Aufstieg in die 1. Amateurliga geführt, nachdem er die Mannschaft sieben Spieltage vor Saisonende als Trainer übernommen hatte. Mittlerweile trainiert der 28-Jährige den SC St. Pankraz, einen Verein aus der 3. Amateurliga, der niedrigsten italienischen Spielklasse. Hier, in seiner Kolumne „Hart, härter, Amateurtrainer“, erzählt er uns von den Freuden und Problemen eines Amateurtrainers.

Teil 13

Wie bereits in der letzten Ausgabe meiner Kolumne kurz vor Weihnachten angedeutet, stand nach dem Ende der Rückrunde noch jede Menge Arbeit bevor. Nach der mehr als missratenen Hinrunde ging es zusammen mit der sportlichen Leitung des ASC St. Pankraz erst einmal darum, die mannschaftliche und tabellarische Situation (hier geht es zur Tabelle der 3. Amateurliga) aufzuarbeiten und zu analysieren.

Ich sprach offen und ehrlich an, dass ich mir während der Hinrunde manchmal wie ein Einzelkämpfer vorkam. Ein Einzelkämpfer, der mit einer Truppe, die eine Einstellung auf Freizeitniveau mitbringt, Amateurliga spielen soll. Ich vermisste bei den allermeisten Spielern die nötige Leidenschaft, alles für einen Sieg zu tun. Diese Leidenschaft muss bereits im Training entfacht werden, was de facto jedoch nicht gelungen ist. Der sportliche Leiter und ich kamen nach einem langen Gespräch zu dem Schluss, dass es im Endeffekt zu wenige Spieler waren, die mitgezogen haben. Diejenigen, die im Training die nötige Fokussierung an den Tag legten und auch bereit waren, sich etwas sagen zu lassen, konnte man an einer Hand abzählen.

„Ich kam mit wie ein Einzelkämpfer vor“

Für eine Mannschaft, die aus 20 Spielern besteht, ist das natürlich viel zu wenig und die gnadenlose Quittung für diese laxe Einstellung bekamen wir mit Blick auf die Tabelle der 3. Amateurliga serviert. Zusammen mit dem sportlichen Leiter überlegte ich mir also eine Lösung für dieses Problem. Wie können wir konkret die Trainingseinstellung der Mannschaft verbessern?
Unserer Meinung nach ging es in erster Linie darum, Einfluss auf die bestehende Mannschaftshierarchie zu nehmen. Leute, die mit einer halbherzigen Einstellung oder nur zum Blödeln zum Training erscheinen, sollen das in Zukunft zu spüren bekommen. Und zwar nicht nur von mir, sondern von den so genannten „Platzhirschen“ der Mannschaft. Nun galt es, diese „Platzhirsche“ vermehrt in die Pflicht zu nehmen und ihnen mehr Verantwortung zu übertragen. Hierfür luden wir sechs Spieler, die aufgrund ihrer Erfahrung bzw. ihres Stellenwerts innerhalb der Mannschaft geeignet waren, diese Aufgaben in der Rückrunde zu übernehmen, zu einem Gespräch ein.

„Waren meine Trainingsmethoden dem Niveau der Mannschaft angepasst?“

Wir machten ihnen unmissverständlich klar, was wir von ihnen erwarten. Sie müssen in Zukunft unbedingt mithelfen bzw. dazu beitragen, dass die Mannschaft stets mit der richtigen Einstellung und dem nötigen Willen trainiert. Sie sollen – wie man so schön sagt – auf einer Wellenlänge mit mir und mein verlängerter Arm auf dem Fußballplatz sein. Wir sagten ihnen auch klipp und klar, dass nicht der sportliche Leiter oder ich auf dem Platz stehen und den Karren ziehen können, sondern sie diese Aufgabe erledigen müssen. Während der doch recht langen Winterpause hinterfragte ich natürlich auch meine Arbeit. Schließlich ist der SCP meine erste richtige, längerfristige Trainerstation. Waren wir fit genug? Waren die Trainingsmethoden und -inhalte zielführend und dem Niveau der Mannschaft angepasst? Und waren meine Ansprachen motivierend? Fragen über Fragen…

Trotzdem versuchte ich, so gut wie möglich abzuschalten, um die Rückrunden-Vorbereitung mit neuem Elan angehen zu können. Ende Januar ging es dann an die konkrete Planung der Trainingseinheiten, was angesichts des schneereichen Winters gar nicht so einfach war…