Wie George Best seine Karriere und sein Leben zerstörte

In seinen glorreichen Tagen bei Manchester United zählte George Best zu den Besten seiner Zunft. Alkohol, Frauen und Glücksspiele setzten der Karriere aber ein jähes Ende. Wenn überhaupt, dann spricht man heute noch über seine legendären Sprüche. Dabei war er der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten.

Geschwänzte Spiele, tagelange Unauffindbarkeit und Betrunkenheit während des Trainings. Heutzutage würde das für einen Profifußballer auf den direkten Weg in die Arbeitslosigkeit führen. Nicht so in den 1960er- und 70er-Jahren. Es gab einen Fußballer, dem diese Eskapaden verziehen wurden. Weil er ein Genie war. Die Rede ist von George Best.
Maradona good, Pele better, George Best. Von treuen Anhängern des Nordiren in Umlauf gebracht, aber alles andere als aus der Luft gegriffen. Die Klasse des Lebemanns aus Belfast war für jeden sichtbar. Genauso wie seine Skandale, die dazu führten, dass George Best mit 26 Jahren von der ganz großen Fußballbühne abtrat.

Ein Opfer von sich selbst

Als Best mit nur 59 Jahren im Londoner Cromwell Krankenhaus verstarb war die Verwunderung bei den meisten nicht allzu groß. Selbst ein Aufenthalt in der Intensivstation und eine Lebertransplantation brachten den verrückten Nordiren nicht zur Vernunft. Best soff ungeniert weiter, verprügelte Frauen und leistete sich einen Fauxpass nach dem anderen. So kam es wie es kommen musste: Am 25. November 2005 starb George Best an den Folgen einer Niereninfektion, die durch die Nebenwirkungen von Medikamenten entstanden war. Diese hatte Best nach seiner Lebertransplantation einnehmen müssen.
Selbst am Sterbebett verblüffte Best. „Es ist unglaublich. Niemand von uns hat jemals miterlebt, dass ein Patient durch so viele Komplikationen kam wie er. Er muss eine ganz starke Person sein“, so Chefarzt Roger Williams, drei Tage vor Bests Tod. Irgendwann reichte aber auch die Kraft des Stärksten nicht mehr aus. Jahrelang hatte sein Körper die ganzen Beleidigungen weggesteckt, die ihm Best angetan hatte. Jetzt zollte er Tribut. Der „Belfast Boy“ hat es geschafft, neben seiner Karriere auch sein Leben wegzuschmeißen. Dabei hatte der Frauenschwarm alles, was ein Leben lebenswert macht.

Der Ursprung des Talents

George Best war in der nordirischen Hauptstadt Belfast aufgewachsen. Sein erstes großes Vorbild war seine Mutter, eine Eishockeyspielerin. Den Grundstein für seine technische Finesse, legte Best in jungen Jahren. Er war ein schmächtiges Kind, doch vor Duellen mit den körperlich überlegenen Arbeiterkindern wich er nie aus. Die legendären Dribblings auf engstem Raum fanden hier ihren Ursprung.
Als Best beim Cregagh FC erste Erfahrungen sammelte, wurde sein überragendes Talent sichtbar. Mit 15 Jahren wurde Best schließlich von Bob Bishop, einem Scout von Manchester United, entdeckt. Bishop war überzeugt davon, einen großen Fang gemacht zu haben und präsentierte Best bei United-Trainer Matt Busby mit folgenden Worten: „Ich denke, ich habe ein Genie für dich gefunden.“ Bishop hatte sich nicht getäuscht. George Best war ein Genie, in Manchester bleiben wollte er dennoch nicht.
Die Einladung zum Probetraining nahm er zwar an, doch schon nach einem Tag packte ihn das Heimweh. Best flüchtete zurück nach Belfast. Cheftrainer Busby rief persönlich bei Georges Vater an um den Jungen von einem Wechsel zu überzeugen. Er war erfolgreich. George Best kehrte in die englische Arbeiterstadt zurück und fand in Busby eine Vaterfigur. Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft waren gestellt.

Good, better, George Best

1967 trafen George Best und Manchester United im UEFA-Cup auf Juventus. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Vom Himmel in die Hölle

Mit 17 Jahren feierte George Best beim 1:0-Erfolg gegen West Bromwich Albion sein Debüt im Old Trafford. Knappe zwei Wochen später gelang ihm gegen Burnley sein erstes Tor für die Red Devils. Am Ende seiner ersten Saison standen fünf weitere Treffer zu Buche. In der darauffolgenden Saison 1964/65 gewann ManUnited den englischen Meistertitel. Best war elementarer Bestandteil der United-Elf und zog immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Seine fußballerischen Fähigkeiten, gepaart mit Showtalent und seinem extravaganten Lebensstil machten ihn zu einem Liebling von Medien und Fans.
Aufgrund seiner langen Haare, dem guten Aussehen und seinem exzentrischen Auftritten erarbeitete er sich den Namen als fünfter Beatle. Das er dem gerecht wurde, untermauerte er nicht nur abseits des Platzes, sondern auch auf dem grünen Rasen. In der Saison 1966/67 feierte er seine zweite Meisterschaft mit ManUnited und rockte das Old Trafford mindestens genauso, wie die Beatles die Musikbühnen dieser Welt. Damit jedoch nicht genug. In der Saison 1968/69 gelang ihm im Finale des europäischen Landesmeister-Wettbewerbs einen Treffer, mit dem er United zu einem glatten 4:1-Sieg über Benfica Lissabon führte. Best wurde zu Englands Fußballer und wenig später auch zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Mit nur 23 Jahren war er auf dem Gipfel des Fußball-Olymps angelangt. Es folgte ein Abstieg, der seinesgleichen sucht.
Als Fußballer agierte Best zunehmend egoistisch, er verlor das Wesentliche aus den Augen. Zudem traf ihn der Rücktritt von Busby als Cheftrainer im Jahr 1969 schwer. Er begann immer mehr Alkohol zu trinken, sein Niedergang begann.

George Best war auf dem Platz ein Alleskönner. Im Leben war er ein Versager.

Aufgrund anhaltender Eskapaden hatte man bei United die Schnauze voll und versetzte Best 1972 in die Junioren-Abteilung. Dort erschien er – wenn überhaupt – angetrunken zum Training. Vor Spiele war er oft tagelang unauffindbar, ein Jahr später erklärte er seinen Rücktritt. Neun Monate später gab es zwar ein Comeback, an die glorreichen Tage konnte er jedoch nicht mehr anschließen. Sein letztes Spiel für Manchester United absolvierte er am Neujahrstag 1974 gegen die Queen Park Rangers. Georgie, wie Best von den Fans liebevoll genannt wurde, brachte es auf 466 Pflichtspiele und 178 Tore für die Roten.
Best setzte seine Karriere bei unterklassigen englischen Mannschaften und Klubs aus Übersee fort, die Alkoholprobleme bekam er aber auch dort nicht in den Griff. Zudem packte ihn die Spielsucht, seine finanzielle Lage war katastrophal. 1984 beendete er seine sportliche Karriere. Für die nordirische Nationalmannschaft, für die Best insgesamt 37 Mal auflief, hatte er neun Tore erzielt. Best hatte alles, was einen erfolgreichen Fußballer ausmacht, doch der oft langweilige Alltag eines Profis wurde für ihn zum Stolperstein.

Ein Mann der Extreme

„Er ist der größte britische Fußballer von allen“ huldigte ihn einst kein geringerer als Manchester-United-Trainerlegende Sir Alex Ferguson. In seiner Ansprache nach dem Tod von Best zeigte sich auch der damalige britische Premierminister Tony Blair beeindruckt von seinen fußballerischen Fähigkeiten: „Wer ihn auf dem Platz spielen gesehen hat, wird ihn nie vergessen“. Was hat den Fußballer George Best zu etwas Besonderem gemacht?
Sicher, mit seinen gefürchteten Powerdribblings – meist vom rechten Flügel ins Zentrum ziehend – und seinem eiskalten Abschluss hat er so manchen Gegner das Fürchten gelehrt. Doch vielmehr verkörperte Best den Fußball von früher, als dieser noch frei von jeglichen taktischen Zwängen war. Best war ein Künstler, ein Ausnahmekönner, der den Fußball lebte und ihn nicht als Beruf ansah. Best polarisierte. Von den einen geliebt, von den anderen gehasst. Ein Mann, der mit einem riesigen Ego ausgestattet war und dies auch gerne kundtat

„Ich habe viel Geld für Alkohol, Weiber und Autos ausgegeben. Den Rest habe ich verprasst.“

George Best

Best, bereits im Spätherbst seiner Karriere wurde von einem Journalisten vor einer Partie gefragt, ob er oder Johan Cruyff der bessere Fußballer sei. Best lächelte kurz und versprach, er werde dafür einen raschen Beweis liefern, indem er den Niederländer mit einem Beinschuss blamieren werde. Und tatsächlich: In der fünften Spielminute dribbelte er von der linken Außenlinie quer über den Platz an drei Holländern vorbei auf die rechte Seite, wo er Cruyff fand. Wie angekündigt tunnelte er diesen und reckte anschließend seine Faust sowohl demonstrativ als auch provokativ in die Höhe. Das war Best. Ein Fußball-Alleskönner, der neben dem Platz ein absoluter Versager war.

Good, better, George Best

George Best im Oktober 1976: Insgesamt bestritt er 37 Länderspiele für Nordirland. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

„Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ Seine berühmteste Aussage, trifft auf sein Leben wie maßgeschneidert zu. Warum dieses derart aus den Fugen geraten konnte, weiß keiner. Vermutlich nicht einmal George Best selbst. „Ich bin damals oft missen gegangen: Miss England, Miss Kanada, Miss World“ – ein weiteres bekanntes Zitat von Frauenschwarm Best. Darauf angesprochen, warum er sich immer wieder in Alkoholeskapaden verstricken ließ, meinte er: „Ich wurde mit großem Talent geboren und manchmal hat ein solches Talent auch einen zerstörerischen Charakter. Genauso wie ich auf dem Platz jeden übertreffen wollte, wollte ich auch jeden übertreffen, wenn wir in der Stadt unterwegs waren“.

Das Ende

Bei genauerem Hinschauen für sein gescheitertes Leben, hat Best mit dieser Aussage wohl nicht ganz unrecht. Eine Sucht lässt sich mit verschiedenen Methoden und Entzügen therapieren, der Charakter eines Menschen ist nur schwer zu ändern. Eine Tatsache, die auch bei Best zutrifft. Zwar versuchte er nach seiner Karriere in verschiedenen Bereichen Fuß zu Fassen, doch die einzigen treuen Begleiter im Leben von George Best, waren seine Alkohol-Eskapaden.
Anfangs noch als Held gefeiert, schüttelten immer mehr Menschen den Kopf, wenn sie von seinem Absturz hörten. Und auch an Best selber ging sein Lebensstil nicht mehr spurlos vorüber. Zu finanziellen und gesundheitlichen Problemen, gesellten sich Schläge gegen Frauen. Geändert hat er sich nicht. Finanziell derart am Boden, dass er seine Trophäe zum Fußballer des Jahres verkaufen musste, ging das wilde Leben zu Ende. Am 25. November 2005 war es vorbei. George Best war tot.

„Sterbt nicht wie ich!“

George Best kurz vor seinem Tod am 25. November 2005

Hunderttausende erwiesen ihm bei seinem Begräbnis am 3. Dezember in seiner Heimatstadt Belfast die letzte Ehre. Die Menge durchzog ein Gefühl von Unverständnis, gepaart mit tiefen Bedauern aufgrund des Verlustes des Lebenmanns. Best führte ein Leben am Limit und dafür musste er bezahlen.
Heute, fast genau zwölf Jahre nach dem Tod von George Best, wird nur noch selten vom Wunderkind aus Belfast gesprochen. Zwar wurde in seinem Gedenken der Flughafen seiner Heimatstadt in „George Best Belfast City Airport“ umbennant und sein Abbild auf Banknoten gedruckt, doch den Menschen ist der Sprücheklopfer und nicht der Fußballer im Gedächtnis geblieben. Zugegeben, davon hat er einige von sich gegeben. Der eine, besser als der andere. Vergessen wird dabei aber der wichtigste Satz von George Best. Auf dem Sterbebett liegend sagte er: „Sterbt nicht wie ich.“ Eine Einsicht, die leider zu spät kam.