Der Tiroler Fußball dümpelt vor sich hin. Vom einst glorreichen FC Tirol ist längst nichts mehr übrig. Der neue Verein, Wacker Innsbruck, hat Schulden und ein leeres Stadion. Kann die österreichisches Fußball-Reform den Klub retten?

FC Wacker Innsbruck: Zurück in Glück?

Nur die Ultras sind treu: Der Zuschauerschnitt von Wacker Innsbruck liegt bei 2800 Fans. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Wenn Geschäftsführer Alfred Hörtnagl nach Südtirol blickt, dann ist auch ein bisschen Neid mit dabei. So ein Trainingszentrum wie es der FC Südtirol in Eppan bekommen hat, würde sich Hörtnagl auch in Innsbruck wünschen. Doch weil das in absehbarer Zeit wohl nichts wird, muss sich der ehemalige Nationalspieler mit dem zufrieden geben, was er hat. Und das ist nicht viel. Zwar steht in Innsbruck ein beeindruckendes Stadion, doch recht viel mehr gibt es im Moment nicht.

Drei Meistertitel in Folge

Anfang der 2000er-Jahre war die Welt in Innsbruck noch in Ordnung. Unter der Leitung von Trainer Kurt Jara waren die Tiroler die besten in Österreich. Zweimal holte der Lokalmatador, der als Spieler bei Valencia und Schalke spielte, den Meistertitel in seinen Heimatort. Innsbruck war nicht nur der Fußball-Nabel Tirols, sondern der der ganzen Nation. Vor allem, weil es auch nach der Ära Jaras so weiter ging. 2002 gewann der FC Tirol den dritten Meistertitel in Folge. Trainer war Joachim Löw, inzwischen Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft.
Auch die Mannschaft konnte sich sehen lassen. Im Tor stand Stanislaw Tschertschessow (er ist jetzt russischer Nationaltrainer), dazu liefen und grätschten Michael Baur, Robert Ibertsberger, Roland Kirchler oder Radoslaw Gilewicz über den Rasen. Allesamt Nationalspieler. Stolz war man in Innsbruck. Und stolz ist man noch heute.

Veruntreute Gelder & der Anfang vom Ende

Dabei hatte das Unheil zu dieser Zeit schon seinen Lauf genommen. Bereits Jahre zuvor hatte einen Skandal gegeben. 1994 hatte Klaus Mair das Zepter in Innsbruck übernommen. Der ehemalige Bankier engagierte ÖFB-Legende Hans Krankl als Trainer und investierte über 20 Millionen Schilling in eine neue Mannschaft. Mit rechten Dingen lief das nicht ab. Nur zwei Jahre danach wurde der Bankier wegen Untreue verurteilt. Mair hatte massenweiße Kundengelder abgezweigt. Eine der größten österreichischen Banken-Affären der zweiten Republik. Und es hatte Folgen, auch für den FC Tirol. Nur durch die Einflussnahme der Politik konnte der Klub gerettet werden. Vorerst.

FC Wacker Innsbruck: Zurück in Glück?

Schön, aber nie voll: das Innsbrucker Tivoli-Stadion. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Das heutige Wacker hat mit dem traditionellen Klub nichts zu tun

Die großen sportlichen Erfolge hatten Spuren hinterlassen. Finanziell angeschlagen, konnte der FC Tirol 2002 den großen Schuldenberg nicht mehr tilgen. Der Verein meldete Konkurs an, die Liga verweigerte dem Serienmeister die Lizenz. Kurz darauf war der FC Tirol, der nur neun Jahre zuvor aus dem Boden gestampft wurde, Geschichte. Klar, dass das die Geburtsstunde eines neuen Innsbrucker Fußballvereins war: dem FC Wacker Tirol, dem heutigen FC Wacker Innsbruck.
Dabei gab es Wacker schon seit 1915. Mit dem aktuellen Klub hat das Original allerdings nichts zu tun hat. Fünfmal war der „echte“ FC Wacker Innsbruck Meister. Doch Anfang der 90er-Jahre konnte man mit dem aufstrebenden FC Tirol nich mehr mithalten. Wacker Innsbruck verschwand in der Versenkung. 1999, angekommen in der niedersten Spielklasse, wurde der Verein aufgelöst.
Jener Verein, der heute als FC Wacker Innsbruck bekannt ist, heißt erst seit elf Jahren so. Weil die Fans gegen den Namen Wacker Tirol protestierten. Schließlich kehrte man zum traditionellen Wacker-Innsbruck-Wappen zurück. Auch die alten Traditionen werden gepflegt, obwohl der Verein im Grunde nichts mit dem ursprünglichen Wacker Innsbruck zu tun hat und als eigenständiger Klub gegründete wurde.

Heuer könnte es mit dem Aufstieg klappen

Nur zwei Jahre nach Gründung des neuen Innsbrucker Vereins, war man wieder in der ersten Liga angekommen. Doch das Intermezzo dauerte nicht lange, Wacker stieg wieder ab. 2010 gab es die nächste Rückkehr, Walter Kogler führte Innsbruck in die Bundesliga. Doch auch dieses Mal konnte sich der Klub nicht etablieren.

FC Wacker Innsbruck: Zurück in Glück?

Karl Daxbacher, aktuell Trainer bei Wacker Innsbruck. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

So spielt Wacker Innsbruck aktuell zweitklassig, peilt aber die nächste Rückkehr in die Bundesliga an. Das könnte klappen, denn heuer läuft es rund. Im Sommer gab es einen radikalen Kaderschnitt (Hörtnagl: „Das kann man nicht jedes Jahr so machen.“). Jetzt kämpft Wacker und sein Trainer Karl Daxbacher um den Aufstieg. Helfen könnte auch die Neu-Reformierung des österreichischen Fußballs. Deshalb gibt es heuer zwei Aufsteiger. Bleibt es so, wie es im Moment ist, dann ist Innsbruck ab Sommer 2018 wieder erstklassig

Nur die Ultras sind treu

Trotzdem: Auch wenn Wacker Innsbruck den Aufstieg schafft, die Probleme verschwinden nicht. Der Klub hat kein Geld. Mehr noch, er hat Schulden. Und er hat keine Fans mehr. Nur 2800 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen. Ein Armutszeugnis für einen Verein, der zu Bundesliga-Zeiten, 2010, noch über 10.000 Fans im Tivoli-Stadion hatte. Zu dieser Zeit entwickelten sich auch die Ultras von „Wacker Unser“, die sich anderen organisierten Fangruppen anschlossen. Die antifaschistisch und antirassistisch eingestellten Wacker-Fans sind die einzigen, die ihrem Team die Treue halten. Und zudem, zusammen mit dem „Dachverband Tivoli Nord“, mit Spenden-Aktionen für Obdachlose auf sich aufmerksam machen. Eine schöne und erhellende Geste in bitteren Innsbrucker Fußballzeiten.