Wohin geht der Weg des FC Bayern München?

Jupp Heynckes hat den FC Bayern die Stärke schon vergangen geglaubter Tage zurückgebracht. Nach dieser Saison ist für den 72-jährigen aber endgültig Schluss. Wenn es künftig wieder einmal brennt an der Säbener Straße, werden die Bayern nicht mehr auf ihren Feuerwehrmann zurückgreifen können. Dabei ist Heynckes längst mehr als eine Notlösung und wenn es nach Uli Hoeneß geht, sogar der Zukunftstrainer seiner Roten. Dabei wäre es für die Klubführung endlich Zeit, ein klares Konzept für die Zukunft zu schaffen.

FC Bayern: Zurück in die Zukunft

Nicht immer einer Meinung mit Uli Hoeneß: Karl-Heinz Rummenigge. (Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Als Jupp Heynckes am 9. Oktober 2017 die Nachfolge von Carlo Ancelotti antrat und zum vierten Mal Bayern-Trainer wurde, war die Euphorie groß. Man mochte sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte „Don Jupp“ den Bayern eine Absage erteilt. Für Heynckes ist es eine Herzensangelegenheit, seine Bayern noch einmal aus dem Schlamassel zu ziehen. So war Heynckes Amtsübernahme die Kehrtwende ein bis dorthin schwachen Saison der Münchner. Mittlerweile ist man wieder überlegener Tabellenführer. Im DFB-Pokal konnte man die ärgsten Konkurrenten aus Leipzig und Dortmund aus dem Weg räumen und in der Champions League steht man im Achtelfinale Besiktas gegenüber. Eine lösbare Aufgabe. Hört sich im ersten Moment alles ziemlich gut an, doch die wirkliche Realität ist eine andere. Der aktuelle Erfolgslauf kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der FC Bayern vor einer ungewissen Zukunft steht.

Hoeneß vs. Ancelotti

Als Carlo Ancelotti am 27. September von seiner Tätigkeit als Bayern-Trainer freigestellt wurde, war die Verwunderung nicht allzu groß. Kaum einer weint dem in München unbeliebten Italiener eine Träne nach. Viel eher wurden die mittlerweile vergangenen drei Monate seit der Entlassung Ancelottis intensiv dazu genutzt, gegen ihn nachzutreten. Klubführung und Spieler ließen kein gutes Haar an ihrem Ex-Coach. Schließlich platzte auch Ancelotti, der seine Füße lange still gehalten und sich sogar für sein Engagement beim deutschen Rekordmeister bedankt hatte, der Kragen: „Ich habe eine Art zu arbeiten, die ich nicht ändere. Es wurde von mir gefordert das zu machen und ich habe es einfach nicht akzeptiert. Welche Entscheidung man auch trifft: Wenn der Verein dich nicht schützt, bist du tot.“ Die Frage an wen sich diese Worte richten war klar: „Wenn man einen Spieler aussortiert, dieser zur Vereinsführung geht und von ihr gestärkt wird, dann verliert man sein Gesicht vor den anderen Spielern. Davon erholt man sich nicht.“

FC Bayern: Zurück in die Zukunft

In München gescheitert: Carlo Ancelotti. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Namentlich sollen vor allem Jerome Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller, Franck Ribéry und Arjen Robben bei der Vereinsführung gegen ihren Trainer gewettert haben. Mit Erfolg, wie sich wenig später herausstellte. Es ist bekannt, dass in München andere Hierarchien und Werte herrschen, als bei anderen Topklubs. Der Bayern-Fußball unter Ancelotti war weniger ansehnlich und taktisch schwächer als unter seinem Vorgänger Pep Guardiola. Bis zum Schluss war er auch immer seltener erfolgreich. Die Art und Weise wie es zur Entlassung Ancelottis kam, zeugt allerdings alles andere als von europäischem Topniveau. Es wirkte fast so, als hätte der renommierte Italiener seinen Rausschmiss provoziert.
Dass die Bayern-Vereinsführung gegen einen ehemaligen Mitarbeiter nachtrat, war nichts besonderes. Das hatte es in den vergangenen Monaten, vor allem seit der Rückkehr von Hoeneß, immer wieder gegeben. Douglas Costa, der nach seinem Wechsel zu Juventus als Söldner bezeichnet wurde, oder Sportchef Michael Reschke können ein Lied davon singen. Jürgen Klinsmanns Ruf war nach den üblen Anschuldigungen von Hoeneß so im Eimer, dass er bis heute keinen Trainerjob in Deutschland mehr bekam. Guter Stil sieht anders aus.
Ancelotti ist in München nicht an den Stars gescheitert, sondern an der mangelnden Rückendeckung durch seine Chefs. Er hatte es satt, sich von den seinen Klubbossen in den Rücken fallen zu lassen. Ancelotti kannte es von seinen vorherigen Stationen anders und zahlte es dort mit Erfolgen zurück. In München war das anders. Auch weil der FC Bayern nach dem Abgang des geschassten Matthias Sammer keine klare Linie mehr hatte. Unter seiner Führung wäre die Ära Ancelotti anders verlaufen.

Wohin, FC Bayern München?

Es ist nur schwer in Worte zu fassen, was Karl Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß für den FC Bayern geleistet haben. Den beiden Klubbossen wurde immer ein außerordentlich gutes Verhältnis nachgesagt. Seit Bekanntwerden der Steuer-Affäre von Hoeneß, im Jahr 2013, hat sich daran auch nicht viel geändert. Trotzdem wirkt es so, als wäre es nicht mehr so, wie es einmal war. Kaum ein Geschäft verändert sich so schnell wie der Fußball. Mehr Pflichtspiele, taktische Evolutionen, steigende Transferausgaben. Auch der FC Bayern muss sich fragen, wohin die Reise gehen soll.
Bisher hat man in München keine Antwort darauf gefunden. Auch Hoeneß und Rummenigge scheinen sich nicht einig zu sein. Während Hoeneß immer wieder vom eigenen Weg des FC Bayern spricht, wäre Rummenigge nicht abgeneigt in den Transferwahn mit einzusteigen. Das Geld dazu, oder zumindest einen Großteil davon, hätten die Bayern. Dass sich der FC Bayern den Trends der Szene entziehen kann und dennoch mit den ganz Großen mithalten kann, ist ein utopisches Unterfangen. Vieles bleibt schleierhaft.

Das Ziel ist es, außergewöhnliche Spieler für gewöhnliche Summen zu holen. Nicht wie in England, dort ist es andersrum.

Den eigenen Nachwuchs besser fördern, mehr Talente holen und sie zu Stars formen. Im Moment hinkt man der internationalen Konkurrenz weit hinterher. Der neu errichtete Bayern-Campus ist ein Schritt in die richtige Richtung, bis dieser allerdings Früchte abwirft wird noch einige Zeit vergehen. Das Ziel der Bayern ist es, für durchschnittliches Geld außergewöhnliche Spieler zu holen. Das ist bei Thiago, Mats Hummels oder Joshua Kimmisch gelungen. Die Frage ist, ob das auch in Zukunft möglich ist.
Um solche Transfers einzufädeln, braucht es einen Strategen und ein herausragendes Scouting. In Michael Reschke hatte der FC Bayern einen solchen Mann. Doch er ging im Groll nach Stuttgart. Auf seinem Platz sitzt jetzt mit Hasan Salihamidžić ein Sportdirektor, der Thomas Lemar nicht kannte und sich erst auf Youtube über den französischen Jungstar schlau machen musste. Trotzdem: Der FC Bayern hat die Strahlkraft und – bis zu einem gewissen Punkt – auch das Geld, um Topspieler zu holen.

Grundsatzfrage als Hauptaugenmerk

Mit dem Scheitern Ancelottis, der in München einen Vertrag bis 2019 hatte, war nicht unbedingt zu rechnen. Die Rückkehr von Jupp Heynckes zeigt aber, dass sich der FC Bayern an die glorreichen Tage vergangener Zeiten festklammert. Es ist klar, dass es nicht einfach ist, mitten in der Saison einen passenden Trainer für den FC Bayern zu finden. Die Tatsache, bis zu Heynckes zu rennen und ihn aus seinem gewollten Ruhestand zu holen, ist ein Armutszeugnis für einen Weltklub. Die aktuellen Ergebnisse sprechen zwar für die Bayern, aber es ist eine Grundsatzfrage. Anstatt zu erneuern, klammert man sich an das Personal vergangener und erfolgreicher Tage fest. Zukunftsplanung sieht anders aus.

FC Bayern: Zurück in die Zukunft

Bringt den Erfolg zurück nach München: Jupp Heynckes. (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Der Versuch von Hoeneß, Heynckes sogar für eine längere Amtszeit als bis Sommer 2018 zu bewegen, ist ein weiterer Beweis für die aktuelle Planlosigkeit. Zwar hat man dank dem verdienten Jupp jetzt Zeit bis zum Saisonende einen neuen Trainer zu finden, doch der muss dieser sitzen. Der Schuss mit Ancelotti, einfach einen Startrainer mit großen Erfolgen zu verpflichten, ist nach hinten losgegangen. Es geht darum einen Trainer zu finden, der sich an die Bayern anpassen kann. Er muss das „Mia san mia“-Gehabe nach Außen transportieren und mit den extrovertierten Klubbossen harmonieren. Er muss taktisch flexibel sein, mit Stars umgehen können und Talenten gegenüber aufgeschlossen sein. Ein einfaches Profil sieht anders aus.
Für den zukünftigen Erfolg hat die Trainersuche oberste Priorität. Aber es müssen noch andere Dinge beachtet werden.

Für Uli Hoeneß geht es darum, Farbe zu bekennen und sich nicht mehr in widersprüchliche Aussagen in Sachen Transferpolitik zu verstricken. Erst kürzlich wurden Millionentransfers erweiterter Größenordnung in München doch für möglich befunden. Damit tut er nicht nur sich, sondern auch dem Verein keinen Gefallen und fördert die Ungewissheit – auch bei potenziellen neuen Trainerkandidaten. Es ist an der Zeit, Klartext zu reden und den gewählten Worten auch Taten folgen zu lassen. Der Verein muss sich neu ausrichten und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Mit Heynckes hat man den passenden Feuerwehrmann gefunden. Jetzt sollte man dafür sorgen, dass es künftig erst gar nicht mehr brennt. Besser heute, als morgen.