Vom Amateurspieler zum Fußballprofi. Was für viele wie ein Traum klingt, wurde für Fabian Tait Realität. Mittlerweile ist der 24-Jährige Außenverteidiger ein fixer Bestandteil beim FC Südtirol und hat sich in Fußball-Italien einen Namen gemacht. Dabei war er 2013 schon auf dem Sprung zurück in die Oberliga. Hier ist seine Geschichte.

Ein bisschen überrascht war er schon, als im Herbst 2013 die Nummer von FC-Südtirol-Sportdirektor Luca Piazzi auf seinem Handydisplay erschien. Doch Piazzi hatte sich weder verwählt, noch wollte er nachfragen, ob der junge Salurner Zeit für einen Kaffeeplausch hat. Fabian Tait, 24 Jahre alt und aus Salurn im Südtiroler Unterland, spielte zu diesem Zeitpunkt bei Marano in der Serie D. Dorthin war er ein knappes Jahr zuvor gewechselt, in der Hoffnung mit dem Klub aus der Provinz Vicenza die Meisterschaft zu holen. „Der Präsident von Marano wollte mich unbedingt holen. Er war fast schon ein bisschen verliebt in mich“, sagt Tait heute mit einem Schmunzeln im Gesicht. Doch aller Liebe zum Trotz hielt es Tait nicht lange bei Marano. Als der Anruf von Piazzi kam war, klar: Fabian Tait wird Fußballprofi!

Fabian Tait und der Traum vom Profifußball

Bis 2020 steht Fabian Tait noch beim FC Südtirol unter Vertrag. Früher oder später will er aber den Sprung in eine höhere Liga schaffen, am liebsten zusammen mit dem Verein.

Erste Profischritte bei Mezzocorona

Fabian Tait ist ein bodenständiger Typ. Wenn er nicht gerade auf dem Fußballplatz steht, verbringt er die Zeit mit Freunden und seinem Hund Achille, eine französische Bulldogge. Oder mit seinem Kumpel Michael Cia, den er für einen einen der wichtigsten Spieler beim FC Südtirol hält. Im Gegensatz zum ehemaligen U21-Nationalspieler hat Tait seine Jugendzeit nicht bei den Weiß-Roten verbracht. Die ersten fußballerischen Schritte machte der sympathische Blondschopf nämlich bei seinem Heimatverein, dem SV Salurn. Nachdem er sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen hatte, holte ihn Trainer Roberto Cortese mit 16 Jahren in das Oberliga-Team. Dem Debüt gegen Bozen 96, inklusive 1:0-Sieg im Bozner Drususstadion, folgten die ersten Spiele als Stammspieler einer Kampfmannschaft. Viele Einsätzen kam aber nicht dazu, denn im Sommer 2010 wechselte Tait in die Jugendabteilung von Mezzocorona. Dort war er bei den Junioren gesetzt, im Jänner folgte in Lecco das Profidebüt für die Trentiner, die damals noch in der viertklassigen Serie C2 spielten. Doch für den Verein lief es nicht gut, am Ende stieg Mezzocorona aus dem Profifußball in die Serie D ab. Weil es dort eine Jugendregelung gibt, blieb Tait noch zweieinhalb Jahre bei den Grün-Gelben. Dann folgte Marano und schließlich der Anruf von Piazzi.

Piazzi’s Idee mit dem jungen Tait

Im Sommer 2013 fasste Fabian Tait einen Entschluss. Eine Saison lang will er noch versuchen seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen. „Wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich arbeiten gegangen und hätte wieder bei Salurn gespielt“, sagt er heute. Doch sein Plan ging auf, im Frühling 2014 legte ihm der FC Südtirol einen Dreijahresvertag vor. Man muss wissen, dass der FC Südtirol nur wenigen Spielern einen Vertag mit drei Jahren Laufzeit anbietet – und einem jungen Spieler, der bei einem Amateurverein ausgebildet wurde, schon gar nicht. Doch Piazzi war von Tait überzeugt und wusste was er tat.

„Ich habe mich darauf eingestellt wieder arbeiten zu gehen und sogar schon Praktikas absolviert.“
Fabian Tait

Zehn Spiele, das war das Ziel von Fabian Tait, das er sich für seine erste Profisaison gesetzt hatte. Am Ende waren es 33 Spiele – alle von Beginn an. Vor allem Luca Piazzi ist er sehr dankbar: „Er hat mich von Anfang an gut gesehen und das Talent, unbekannte Spieler zu scouten.“ Der Sportdirektor war es auch, der Tait eine neue Position bescherte. Als zu Saisonbeginn die Außenverteidiger nach der Reihe verletzt waren, ging Piazzi zu Trainer Adolfo Sormani und schlug Tait als „terzino“ vor. Gesagt, getan. Sormani schenkte Tait das Vertrauen, dieser nutzte die Chance und etablierte sich auf der rechten Außenbahn. Dass er vom Mittelfeldspieler zum Verteidiger umfunktioniert wurde, stört ihn nicht: „Ich komme mit der Position sehr gut zurecht, vor allem weil ich mich auch viel in die Offensive einschalten kann.“

„Amateur-Vergangenheit ist kein Nachteil“

Mittlerweile ist Fabian Tait gesetzt beim FC Südtirol und eine Identifikationsfigur der Weiß-Roten Fans. Dass er, im Gegensatz zu den meisten seiner Teamkollegen, seine Ausbildung nicht bei einem Profiklub absolviert hat, sieht er nicht als Nachteil: „Es macht keinen großen Unterschied ob du von einem Serie-A-Verein kommst oder nicht. Wichtig ist, dass man jeden Tag hart trainiert und ein Ziel hat.“ Eines von diesen Zielen hat Fabian Tait erreicht, er hat es zum Fußballprofi geschafft. Mittlerweile steht Tait bei über 120 Spielen für den FC Südtirol. Im aktuellen Kader der Weiß-Roten sind das, nach Kapitän Hannes Fink, die zweitmeisten. Dabei ist der Salurner erst in seiner vierten Profisaison. Im März 2017 verlängerte Fabian Tait seinen Vertrag in Bozen um weitere drei Jahre, auch weil er dem Verein sehr dankbar ist. Mittelfristig strebt er aber nach Höherem, er will den Sprung nach Oben schaffen und sich auch dort beweisen – am liebsten gemeinsam mit dem FC Südtirol.