Ein italienischer Amateurfußballer feiert sein Tor mit faschistischen Gesten und verhöhnt damit eine ganze Stadt

Nach der Antisemitismus-Geschichte um die Anne-Frank-Aufkleber der Lazio-Ultras gibt es in Italien den nächsten Skandal. Weil es aber nur in einer Amateurliga geschah, bleibt der große Aufschrei dieses Mal aus. 

Marzabotto ist ein beschauliches Kleinstädtchen in der Emilia Romagna. Bis auf ein paar antike Ausgrabungen gibt es im 6000-Seelenort nahe von Bologna keine großartigen Sehenswürdigkeiten. Dafür hat die Stadt eine bewegende Geschichte. 1944 war Marzabotto Schauplatz des schlimmsten deutschen Kriegsverbrechen in Italien während des zweiten Weltkriegs. Vom 29. September bis zum 1. Oktober wütete die Waffen-SS in Marzabotto, das als Hochburg der linken Widerstands-Bewegung in Italien galt. Zusammen mit einer Panzerdivision wurde die Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Was von den Deutschen als Strafaktion gegen die Partisanengruppe „Stella Rossa“ geplant war, endete in einem Massaker an der Zivilbevölkerung. Am Ende brachte die Wehrmacht fast 800 Einwohner von Marzabotto um, darunter viele alte Menschen und Frauen. 213 der Toten waren Kinder, das geht aus einem Bericht hervor. Heute erinnert eine Gedenkstätte im städtischen Monte-Sole-Park an das furchtbare SS-Massaker.

Römischer Gruß, Faschisten-T-Shirt: Ein Amateurfußballer verhöhnt eine ganze Stadt

Eugenio Maria Luppi war vermutlich noch nie an der Gedenkstätte in Marzabotto. Auch die Geschichte der Nazi-Kriegsverbrecher scheint am 25-Jährigen vorbei gegangen zu sein. Stattdessen nahm sich der Angreifer des Klubs SSD 65 Futa die Fans von Lazio zum Vorbild und sorgte für den nächsten Skandal in Italien. Was war passiert?

Die Schande von Marzabotto

Eugenio Maria Luppi (links im Bild) feiert sein Siegtor mit dem Römischen Gruß und einem T-Shirt der faschistischen RSI. (Foto: Screenshot/La Repubblica)

Auf dem Kunstrasenplatz in Marzabotto liefen die Schlussminuten des neunten Spieltages der 2. Amateurliga, das ist die zweitschlechteste italienische Liga. Es war ein hitziges Duell zweier direkter Konkurrenten. Bis kurz vor Schluss stand es 1:1, dann erzielte Futa-Stürmer Luppi den Siegtreffer für die Gäste. Während beim Torschützen und seinen Teamkollegen alle Dämme brachen, erstarrte den Marzabotto-Fans das Gesicht. Mit zum Römischen Gruß erhobener Hand stürmte Luppi in Richtung Tribüne, links hielt er sein Trikot in der Hand. Schnell wurde ersichtlich, warum der Angreifer sein Trikot ausgezogen hatte. Unter dem Spieltrikot trug Luppi ein weiteres T-Shirt. Darauf abgebildet: die italienische Flagge und ein Faschisten-Adler – die Symbole der „Repubblica Sociale Italiana“, kurz RSI genannt.
Die RSI, auch unter dem Namen „Republik von Salò“ bekannt, war ein Satellitenstaat von Nazi-Deutschland und stand unter der Führung von Benito Mussolini. Sitz der selbsternannten Republik war Salò, ein Urlaubsort am Gardasee.

Halbherzige Entschuldigungen, weiche Strafen?

Eugenio Maria Luppi ist mit acht Toren der beste Torschütze der Liga. Viele Treffer dürften nach dieser Aktion aber nicht mehr dazukommen. Während dem Spieler eine lange Sperre droht, wird der Verein um eine hohe Geldstrafe nicht herumkommen. Wie hart die Strafen ausfallen, bleibt abzuwarten. Zuletzt beeindruckte der italienische Verband jedenfalls nicht mit einer harten Hand gegenüber faschistischen Aktionen auf dem Fußballplatz. In diesem Fall könnte die Strafe allerdings saftig ausfallen, auch weil es ein belastendes Beweisvideo der Aktion gibt. Luppi selbst löschte kurz nach der Aktion sein Facebook-Profil und entschuldigte sich über die Vereinsseite: „Ich weiß, dass ich mit dieser Aktion die gesamte Gemeinde von Marzabotto beleidigt habe. Es war Leichtsinn, es tut mir leid.“
Trainer und Mitspieler wollen nichts von dem faschistischen T-Shirt gewusst haben. Eine sehr fadenscheinige Bekundung, die politische Gesinnung Luppis wird nicht neu sein. Bei den überschaubaren Größen der Umkleidekabinen auf Amateur-Fußballplätzen ist es zudem unwahrscheinlich, dass keiner seiner Teamkollegen etwas von dem Fetzen mitbekommen hat. Wie hart die Konsequenzen von Seiten des Vereins sind, bleibt offen. Zwar wurde Luppi suspendiert und soll im Rahmen der Vereinsbestimmungen bestraft werden, doch was das genau heißt, ist nicht bekannt. Es bleibt zu hoffen, dass es mehr als der im Amateurfußball übliche Kasten Bier ist. Sicher ist das aber nicht.