Schaffen es die jungen Wilden um Lokalmatador und Tennis-Rüpel Nick Kyrgios die alte Garde vom Thron zu stoßen?

Der erste Grand Slam der neuen Tennis-Saison steht vor der Tür: die Australian Open. Und die Auslosung sorgte gleich für einige Überraschungen. Welche Paarungen sorgen für Unterhaltung und wer sind die Favoriten?

Australian Open: Alt oder jung?

Noch immer Weltklasse: Roger Federer will auch 2018 wieder triumphieren. (Foto: Mike McCune/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Die beiden erstgesetzten Rafael Nadal (obere Hälfte) und Roger Federer (untere Hälfte) hatten viel Glück bei der Auslosung. Kurz gesagt: Die ersten Runden sollten sie problemlos überstehen. Frühestens im Achtelfinale könnten Diego Schwartzmann, John Isner oder Alexander Dolgopolov Nadal Probleme machen. Der größte Gegner des Spaniers ist sein Körper. Hält sein Knie, dann muss sich Nadal wenig Sorgen machen. Es warten zwar interessante und gute Gegner, aber einer fitten Nummer 1 dürften nur wenige Gegner Sorgen bereiten. Der Einzige, der Nadal die Stirn bieten könnte, wäre Marin Cilic. Die beiden könnten im Halbfinale aufeinander treffen – sofern es der Kroate in dieses schafft.

Wird Lokalmatador Kyrgios den Erwartungen gerecht?

Interessanter wird es im zweiten Viertel. Dort hat Grigor Dimitrov zwei einfachere Runden, in denen er jeweils auf Qualifikanten trifft. Ebenfalls in diesem Viertel ist der Lokalmatador Nick Kyrgios zu finden. Er war zuletzt in hervorragender Form. Der Australier trifft voraussichtlich auf Viktor Troicki, dann auf Jo-Wilfried Tsonga und später auf den 18-jährigen Youngster Denis Shapovalov aus Kanada. Spannend könnte ein mögliches Aufeinandertreffen von Dimitrov und Kyrgios werden. Allerdings gibt es in diesem Viertel einige interessante Kandidaten. Beispiele gefällig? Jack Sock (ein großer Name, aber er war zuletzt in Auckland ganz schwach), Lucas Pouille, Kevin Anderson oder Yoshihito Nishioka.

Australian Open: Alt oder jung?

Bewusst auffallend: Lokalmatador Nick Kyrgios polarisiert gerne, ist aber ein Topspieler. (Foto: Carine/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

In der unteren Hälfte findet man den auf Fünf gesetzten Dominic Thiem. Der Österreicher hatte zuletzt aber gesundheitliche Probleme. Zudem ist Thiem nicht unbedingt ein Hartplatz-Spieler. Zwei Faktoren, die gegen den Niederösterreicher sprechen. Dennoch: Normalerweise sollten Guido Pella und Steve Johnson kein Problem für Thiem sein. Noch fraglicher ist der Auftritt von Stan Wawrinka. Wie ist die Form des Schweizers? Kann er überhaupt antreten? Alles unklar! Profitieren könnten der Spanier Fernando Verdasco oder sein Landsmann Roberto Bautista Agut.

Schafft Djokovic ein grandioses Comeback?

Ebenfalls ein Fragezeichen steht hinter Novak Djokovics Form, doch dürfte langsam wieder back on track sein. Der Serbe könnte auf Gael Monfils und später auf Albert Ramos treffen. Letzterer könnte aber auf dem Hartplatz gegen Jared Donaldson das Nachsehen haben. Womöglich gibt es auch eine Chance für Hyeon Chung. Er ist ein riesiges Talent und hat einen guten Start ins neue Jahr hinter sich. Der Südkoreaner könnte die Überraschung des Turniers werden.
Der Australier Thanasi Kokkinakis trifft auf Daniil Medvedev, dann in der 3. Runde auf Alexander Zverev. Danach könnte es für den Deutschen ein Bruderduell gegen Mischa Zverev geben – doch die Chancen auf ein solches Aufeinandertreffen sind nicht sehr groß. Da dürften Kokkinakis und Chung einiges dagegen haben. Der Deutsche würde später auf Djokovic oder Thiem treffen – es gibt deutlich einfachere Gegner.

Australian Open: Alt oder jung?

Gelingt im ein Comeback wie Nadal und Federer? Novak Djokovic steht unter Druck. (Foto: James Boyes/Lizenz: CC BY-SA 4.0)

David Goffin, der siebtgesetzte Belgier, der zuletzt beim Hopman-Cup und den World Tour Finals groß aufspielte, gilt als Geheimtipp. In Australien könnte er später auf Juan Martin Del Potro, der gesundheitlich zuletzt einen besseren Eindruck hinterlassen hat, oder den Tschechen Tomas Berdych treffen. Auch der Italiener Fabio Fognini ist möglich. Kann Goffin seine Form halten, dann würde sich der Shootingstar durchsetzen, auch wenn es gegen Del Potro ein sehr enges Spiel geben dürfte. Voraussetzung ist, dass Del Potros Handgelenk durchhält.

Lösbare Aufgabe für Seppi – Wundertüte Raonic

Der Südtiroler Andreas Seppi muss zum Auftakt gegen den Franzosen Corentin Moutet antreten – eine machbare Aufgabe. Zuletzt konnte Seppi den Challenger in Canberra für sich entscheiden. Er gewann im Finale gegen Maton Fucsovic aus Ungarn.
Im Viertel von Roger Federer gibt es einige interessante Paarungen, doch dem Altstar dürften nur wenige Stolpersteine in den Weg kommen. Sam Query, der bisher noch nicht ganz in Form ist, trifft auf Feliciano Lopez – ein Spiel, bei dem alles möglich ist. In der nächsten Runde wartet der Sieger aus dem Duell zwischen dem Moldawen Radu Albot und Fucsovic, ebenfalls ein sehr interessantes Spiel.
Darunter spielt der Rückkehrer Milos Raonic. Auch hinter ihm steht ein Fragezeichen, denn er ist noch nicht richtig fit. Aber: Vielleicht sorgt Raonic, ausgerechnet wenn ihn niemand auf dem Zettel hat, für eine Überraschung. Er könnte der erste starke Gegner für Federer sein, wenn dieser – wovon man ausgehen kann – Richard Gasquet in der 3. Runde schlägt.

Es gibt also einige spannende Punkte. Schafft es Djokovic ähnlich erfolgreich an die Spitze zurück wie Nadal und Federer vor ihm? Oder werden die jungen Goffin, Dimitrov, Kyrgios & Co. die alten Herren endgültig vom Thron stoßen? Man darf gespannt sein…


Ein Text von Marco Stein, Gründer und Autor bei Cavanis Friseur.