Über die Kolumne

Im Sommer 2016 startete Patrick Egger als Außenverteidiger eines Südtiroler Amateurvereins in die neue Saison. Ein Jahr später hatte er „seinen“ SV Ulten zum Meistertitel und dem Aufstieg in die 1. Amateurliga geführt, nachdem er die Mannschaft sieben Spieltage vor Saisonende als Trainer übernommen hatte. Mittlerweile trainiert der 28-Jährige den SC St. Pankraz, einen Verein aus der 3. Amateurliga, der niedrigsten italienischen Spielklasse. Hier, in seiner Kolumne „Hart, härter, Amateurtrainer“, erzählt er uns von den Freuden und Problemen eines Amateurtrainers.

Teil 14

Ende Januar ging es für mich an die Planung der Trainingseinheiten. Angesichts des schneereichen Winters war diese Aufgabe gar nicht so einfach, da es in erster Linie einmal darum ging, schneefreie Fußballplätze oder Turnhallen zu finden. Zwar wurde der Sportplatz in St. Pankraz am 30. Januar von den Schneemassen befreit und ausgefräst, doch Stand heute ist das Spielfeld noch immer von einer dünnen Schnee- und Eisschicht überzogen. Aus diesem Grund mussten wir uns frühzeitig nach Alternativen umsehen.

Unser sportlicher Leiter organisierte beispielsweise die Turnhalle der hiesigen Mittelschule, die wir zweimal wöchentlich nutzen können. Durch die guten Kontakte unseres Präsidenten zu einem Verein aus der Stadt erhielten wir zudem die Möglichkeit, zweimal in der Woche auf einer eis- und schneefreien Platzhälfte zu trainieren. Außerdem sahen wir uns nach passenden Freundschaftsspiel-Gegnern aus der Stadt um, um so oft wie möglich auf dem Platz stehen zu können. Mit der Vorbereitung starteten wir dann am 15. Februar, gut vier Wochen vor dem Rückrundenstart.
Beim ersten Training machte ich der Mannschaft klar, dass es für uns in erster Linie darum geht, mit neuer Motivation an die Sache heranzugehen und die Rückrunde als eigene Meisterschaft anzusehen. Klar, kaufen können wir uns selbst von einer guten Rückrunde nichts, doch die Motivation an einer tabellenmäßigen Verbesserung festzumachen, schien mir doch etwas fehl am Platz und nicht zielführend. Ich teilte der Mannschaft außerdem mit, an welchen Schrauben die sportliche Leitung und ich in der Winterpause gedreht haben. Wie im letzten Blogbeitrag angesprochen, haben wir in der Winterpause einer Handvoll Spieler mehr Verantwortung übertragen.

Wir haben nicht den Anspruch, ein Freizeitklub zu sein!

Nun wurde also auch der Mannschaft mitgeteilt, dass diese auserwählten Spieler in Zukunft dieses Mehr an Verantwortung auch gezielt ausleben und die anderen spüren lassen sollen, wenn beim Training oder beim Spiel nicht die notwendige Fokussierung vorhanden ist. Zudem machte ich jedem einzelnen unmissverständlich klar, dass dieser Verein nicht das Ziel hat, ein Freizeitklub zu sein. Jeder muss sich hinterfragen, ob er gemütlich ein bisschen Kicken oder aber Amateurliga spielen will. Wir als Verein und ich als Trainer haben jedenfalls den Anspruch, in Zukunft nur mit willigen und fokussierten Spielern zusammenarbeiten zu wollen und sehen die Rückrunde als Testlauf hierfür an.
Nach diesem ersten Training, in dem es vor allem um der Vermittlung unserer Spielidee ging, war für den folgenden Tag eigentlich ein Freundschaftsspiel gegen die A-Jugend aus dem Ultental vorgesehen, das wir aufgrund der Platzverhältnisse jedoch absagen mussten. Nach einem weiteren Training auf dem Platz ging es für uns in die Halle, wo wir vor allem im körperlichen Bereich arbeiteten. Am Ende der zweiten Trainingswoche stand dann das erste Freundschaftsspiel gegen eine Freizeitmannschaft auf dem Programm, das wir nach einer knappen 1:0-Führung zur Halbzeit noch mit 1:5 verloren. Das Ergebnis war für mich jedoch zweitrangig.
Was mir indes viel mehr Kopfzerbrechen bereitete, war die Art und Weise, wie wir bei eigenem Ballbesitz agierten. Viel zu hastig und fast schon nervös schenkten wir zahlreiche Bälle zu einfach her, sodass kaum einmal drei Pässe am Stück ankamen. Altbekannte Probleme, die vor allem an der mangelnden Bewegung ohne Ball festzumachen sind. Ich musste erkennen und einsehen, dass noch extrem viel Arbeit auf uns wartet, sodass ich das darauffolgende Training kurzerhand von der Halle auf den Platz verlegte, den wir an diesem Tag ebenfalls nutzen durften.

Doch als wir auf dem Platz ankamen, war kein Flutlicht zu sehen und der Trainer jener Mannschaft, mit der wir uns den Platz teilten, überbrachte mir keine guten Nachrichten…