Wie sieht es nach der Hinrunde in der 1. Amateurliga aus?

Es ist Halbzeit in Fußball-Südtirol. Scarico nimmt alle Fußballligen unter die Lupe und sagt euch, wie es für die Teams gelaufen ist. Liegen die Favoriten vorne oder gibt es Überraschungs-Herbstmeister? Wer sind die Top’s und wer die Flop’s? Ein Überblick über die 1. Amateurliga.

Während es in der 2. Amateurliga extrem spannend an der Spitze ist, sieht es eine Liga höher ein bisschen wie in der 3. Amateurliga aus. Es gibt in allen Gruppen klare Herbstmeister. Vor allem in Gruppe B ist die Sachlage klar. Dort hat Albeins bereits fünf Punkte Vorsprung. In Gruppe A hat sich hingegen ein Trio vom Rest des Feldes abgesetzt. Für Spannung in der Rückrunde sorgt aber nicht nur das Titelrennen, sondern auch der Kampf gegen den Abstieg. Dort geht es in beiden Gruppen knapp her.

1. Amateurliga: Geritzte Sache?

Angreifer Daniel Tratter hat mit Ulten eine starke Hinrunde gespielt. Der Aufsteiger zählt zu den Überraschungen der Liga.

Gruppe A: Aus zwei mach drei

Vor der Saison galten Terlan und Kaltern als heißeste Kandidaten auf den Meistertitel. Eines vorneweg: Die beiden wurden ihrer Favoritenrolle durchaus gerecht – nach der Hinrunde hat aber Riffian Kuens die Nase vorne. Die Burggräfler mogelten sich nach einem schwachen Start (nur ein Sieg aus den ersten drei Spielen) aus dem Hinterhalt an die Spitze. Die Mannschaft von Trainer Hannes Köllemann ist das einzige Team der Liga, das bisher nie verloren hat. Riffian Kuens ist hinten top (nur 10 Gegentore) und wenn es eng wird, trifft Daniel Bernard. Der Ex-Obermaiser hat nicht nur das Spitzenduell gegen Terlan mit einem Doppelpack entschieden, sondern ist mit 11 Treffern auch der zweitbeste Torschütze der Liga. Besser ist nur Schenna-Stürmer Thomas Mair. Er hat seine Mannschaft mit 16 Toren auf Platz 4 geschossen. Dazwischen liegen die Favoriten Kaltern (Platz 2/30 Punkte) und Terlan (29). Kaltern tut sich zwar mit dem Toreschießen schwer, hat aber mit Georg Dissertori und Fation Imeri die beste Innenverteidigung der Liga (nur 8 Gegentore). Terlan lässt in den absoluten Spitzenspielen die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen und kassiert zudem immer wieder vermeidbare Gegentore. Viele Ausrutscher dürfen sich die Roten um Mittelfeld-Regisseur Armin Mayr nicht mehr leisten.
Heiß her geht es auch im Abstiegskampf. Aktuell müssten Bozner Boden und Sarntal in die 2. Amateurliga. Das sind auch jene zwei Teams, die schon den Trainer ausgetauscht haben. Während in Sarnthein mit Mirko Piva einer aus den eigenen Reihen übernommen hat, bevorzugt man in Bozen die große Lösung. Während sich ein geplanter Transfer von Alessandro Campo (er hat 197 Profispiele in der Serie B und Serie C bestritten) zerschlagen hat, konnte man Trainer Luca Lomi (im Vorjahr mit Virtus Bozen in der Serie D) von sich überzeugen. Auch auf dem Transfermarkt werden die Hauptstädter über die Winterpause kräftig zulangen. Die 12-Punkte-Teams aus Nals, Auer und Frangart sollten sich in acht nehmen – in Bozen plant man die Aufholjagd.

Gruppe B: Ein Trio gegen den Herbstmeister

Die Prognosen sind eingetreten: Albeins ist noch ungeschlagen und liegt deutlich an der Spitze! Die Gründe für den Höhenflug liegen auf der Hand. Albeins hat nicht nur einen Topkader, sondern auch den besten Angriff und die beste Abwehr der Liga. Das Brüder-Duo Dennis und Damian Fanani hat in der 1. Amateurliga nichts verloren und wenn es darauf ankommt, trifft Spielertrainer Alex Feltrin (8 Tore). So hat sich Albeins ein Fünf-Punkte-Polster für die Rückrunde erarbeitet. Albeins noch abzufangen wird für das Verfolger-Trio nicht einfach werden.

1. Amateurliga: Geritzte Sache?

Haslach-Kapitän Stephan Gruber und sein Team können nicht an die starke Vorsaison anschließen. Angesichts der Abgänge war damit aber zu rechnen. (Foto: Dieter Runggaldier)

Diese drei Mannschaften werden von Taufers angeführt. Das Team von Trainer Harald Kaneider präsentiert sich launisch und muss zudem ohne Knipser auskommen. Markus Kirchler hat zwar siebenmal getroffen, allerdings fünfmal davon vom Elfmeterpunkt aus. Das hat es Natz besser. Der Landesliga-Absteiger kann sich auf Denis Kerrniqi verlassen. Der hat, obwohl er nie richtig fit ist, bereits 10 Tore auf seinem Konto. Sollte er in der Rückrunde auf Touren kommen, könnten Keeper Julian Torggler & Co. noch einmal in das Meisterrennen eingreifen. Die dritte Mannschaft im Verfolger-Bund ist Gsies. Die Spielgemeinschaft ist eine der kompaktesten Teams der Liga und kann sich auf Neugzugang Fabian Lahner (er kam im Sommer von Ahrntal) und Freistoß-Spezialist Jürgen Sinner (7 Tore) verlassen.
Ähnlich wie an der Spitze, geht es im Abstiegskampf her. Dort liegt eine Mannschaft abgeschlagen am Tabellenende (Hochpustertal) und drei weitere kämpfen ebenfalls um das Überleben. Vahrn und Steinhaus haben bisher 11 Punkte gesammelt, Pfalzen 10. Diese vier Teams dürften es am Ende auch sein, die die beiden Absteiger stellen.

Wer sind die Überraschungen?

Aufsteiger Ulten zeigt nicht nur erfrischenden Fußball und spektakuläre Spiele (5:4-Sieg nach 0:3-Rückstand gegen Sarntal), sondern auch eine starke Saison. Angeführt von 8-Tore-Mann Simon Breitenberger liegt das Team von Trainer Ferdinando Antino, trotz einem negativen Torverhältnis, auf Platz 5. Ähnlich sieht es in Gruppe B mit Kiens aus, das mit 17 Punkten auf dem guten 7. Platz liegt. Auch Gsies hatten viele im Vorfeld nicht im Spitzenfeld erwartet. Feldthurns, vor der Saison Abstiegskandidat Nummer 1, schlägt sich ebenfalls hervorragend und hat Albeins einen Punkt abgeknöpft.

Wer sind die Enttäuschungen?

Von Klausen darf man sich deutlich mehr erwarten. Als Außenseiter auf den Meistertitel in die Saison gestartet, kämpfen Torjäger Andreas Waldboth & Co. um den Klassenerhalt. Besonders bitter war die 1:2-Derbyniederlage gegen Feldthurns. Auch in Gargazon hat man sich mehr als 14 Hinrunden-Punkte ausgerechnet. Stand jetzt müssen sich Neuzugang Stefan Nicoletti und seine Teamkollegen aber gewaltig steigern – will man im Frühjahr noch in die vorderen Tabellenregionen vorstoßen. Das gilt auch für Geheimfavorit Gitschberg Jochtal. Die Mannschaft von Trainer Peter Unterregelsberger kommt trotz Goalgetter Lukas Hofer nicht über Mittelmaß hinaus.

Der Spieler der Hinrunde

Pasquale Colosimo, Riffian Kuens

Der extrovertierte Torhüter mag zwar ein Wandervogel und ein eigener Charakter sein, sportlich ist er aber über jeden Zweifel erhaben. Es kommt nicht von ungefähr, dass Riffian Kuens heuer bereit zum großen Sprung – sprich den Meistertitel – ist. Colosimo kam im Sommer von Meran und ist dank herausragender Leistungen einer der Garanten für den Höhenflug. Riffian Kuens hat den besten Torhüter der 1. Amateurliga.

Titelbild: Markus Dorn